07.11.2011 um 08:08 Uhr
Der übliche Verletzte
Über Verletzungsanfälligkeit im Profisport
Eine harmlos wirkende Attacke von der Seite. Das volle Tempo, mit dem es ihn erwischt, nimmt man kaum wahr. Es ist ein typisches Foul, wie es viel zu regelmäßig zu sehen und spüren ist. Dem Frust über die eigene Hilflosigkeit gegen den Ausnahmekünstler muss ein Ventil geschaffen werden. Ein schmerzhaftes. Hart getroffen liegt Arjen Robben auf dem Rasen, windet sich und rollt mit an sich gezogenen Beinen von Seite zu Seite. Mal wieder hat es ihn erwischt. Ihn, den König der großen Gesten und noch größeren Schmerzen. Und mal wieder wird es ein Großteil der Welt nicht verstehen. Die hämischen Kommentare lassen nicht lange auf sich warten.
Alleinikow gegen den Rest der Welt...
Tal der Tränen
Schon früh wusste Arjen Robben mit seiner Spielweise zu begeistern und spielte sich schnell bei seiner ersten Profistation, dem Eredivisie-Ligisten FC Groningen, in die Herzen der Fans. In dieser frühen Phase seiner Karriere stieg sein Stern umso schneller auf und ein Wechsel zu einer der Topadressen im niederländischen Oberhaus schien unausweichlich. Bei PSV Eindhoven bildete er in der folgenden Saison (2002/03) gemeinsam mit Mateja Keman das damals berüchtigte Sturmduo „Batman und Robben", sollte für seine Karriere nahezu einmalig eine komplette Saison durchspielen, ohne von einer der später häufig folgenden Verletzungen gebremst zu werden. Was danach folgte, war die stete Berg- und Talfahrt, eine fast einmalige Leidensgeschichte, die dazu beitrug, dass der Ausnahmekünstler am runden Leder wenig bis gar nicht in Fahrt kommen konnte.
Die Vielzahl an Muskelverletzungen, Gelenkentzündungen und die letzte Verletzung an einer weichen Leiste hielten den Spieler immer wieder davon ab, seine Klasse längerfristig unter Beweis zu stellen, was dazu führte, dass er sich vor allem nach seiner Zeit bei PSV Eindhoven mehr und mehr einen zweifelhaften Ruf erleidete. Nicht selten wurde seine Verletzungsanfälligkeit einer Charakterschwäche gleichgestellt und bei keiner der beiden Topadressen im europäischen Fußball, weder Chelsea FC, noch Real Madrid, wurde er vollends akzeptiert. Zu sehr beherrschte die Bange vor der nächsten Verletzung die öffentliche Meinung. Die Theatralik, die er bei vielen Attacken gegnerischer Spieler an den Tag legte, goss weiteres Öl in das entbrannte Feuer der Vorurteile und Häme für seine physische Instabilität. Arjen Robben selbst konnte nur wenig dagegen unternehmen und arbeitete sich durch unzählige Reha-Maßnahmen, um ein ums andere Mal mit der bekannten Klasse zurückzukehren. Die Vielzahl an Rückschlägen hielt ihn dabei nie davon ab, seine Spielweise gravierend zu verändern. Dies wurde ihm aber viel zu selten anerkannt, auch wenn es eine außerordentliche Charakterstärke nahelegt, sich immer und immer wieder auf dieses Niveau zurückzukämpfen
- als wäre nichts geschehen.
Alleinikow gegen den Rest
Wie viele Spieler, die begnadet mit dem runden Leder umgehen können, lebt auch der Flügelartist des FC Bayern von der Begeisterung der Fans. Nicht selten ist das letzte Quäntchen Klasse erst vor der euphorischen und dankbaren Kulisse abrufbar. Umso mehr fällt man bei einer langfristigen Verletzung und den immer wieder auftretenden Rückschlägen in tiefe Löcher, die sehr weit von dem entfernt sind, wofür man so lange an der technischen Überlegenheit gearbeitet hat. Zu wissen, dass fit die ganze Welt applaudiert und jubelt, macht diese Phasen umso unerträglicher. Vor allem die Routine der Verletzungen reißt große Wunden, die schier unmögliche Qualen mit sich führen. Das gilt selbstverständlich für jeden Sportler, aber für Ausnahmekünstler gelten andere Regeln. Ihnen liegt die Welt zu Füßen, sie sorgen für Sensationen und können im Alleingang Spiele entscheiden. Umso finsterer wird die Gemütslage, wenn es monatelang unmöglich ist, auf dem Rasen, der die Welt bedeutet, zu stehen. Alleinikow weiß davon ein Lied zu siegen, aus seiner Sicht muss die aktuelle Phase ein Jammertal der Qualen sein. Mehr und mehr distanziert er sich von dem Rest der Mannschaft und blickt mit versteinerter Miene durch die Glasscheiben auf das Trainingsgelände. Während dort unten gelacht wird, ist ihm dieses schon lange vergangen.
Tiefschlag auf Tiefschlag
Die Auswirkungen auf die Psyche sind gravierend, denn es ist kräfteraubend und frustrierend an den Grenzen des eigenen Körpers zu scheitern, obwohl der Geist so sehr um eine faire Chance zu kämpfen bereit ist. Dieser Kampf braucht sehr viel Substanz auf und macht jedes Comeback schwieriger. Hinter dem Rücken vermutet man Argwohn und Missgunst, die sich tief in die Seele brennen. Einige der talentiertesten Sportler sind an diesen Grenzen gescheitert und wussten bereits früh keinen Ausweg aus dem Verletzungsunglück. Nicht jeder hält diese Phasen des nicht enden wollenden Leides ohne Weiteres durch. So manch Profi zerbrach daran, denn nur bei voller Gesundheit sind sie so besonders und wichtig, wie es ihnen oft vermittelt wird. Verletzt hingegen sind sie scheinbar nichts.
Spott an!
Ungeduldig wartet man auf die Rückkehr des großen Künstlers und verschmerzt keine Rückschläge, weil das persönliche Glück an die Gesundheit des Ausnahmespielers geknüpft wird. Die Missgunst der Fans anderer Vereine äußert sich in hämischen Kommentaren und mangelndem Verständnis für den nächsten Statusrapport über die ausgefallene Diva. Auch in den Medien wird so ein Bild initiiert, dass den zum Dauerverletzten erklärten Sportler wenig Sympathie entgegen bringt, zu viel hängt von der Fitness dieser Spieler ab. Das allerdings sollte jenen Spielern einen Anlass zu mehr Optimismus geben. Ohne sie steht scheinbar alles still. In einer Gesellschaft, die neidvoll in viele Richtungen schielt und sich selbst viel zutraut, dabei Anderen wenig gönnt, gehört derlei Verhalten zum guten Ton. Was bei den Lazarettinsassen aus den Profikadern ankommt, bleibt allerdings zumeist beschämend für Fans wie Medien. Umso härter arbeiten sie an sich, um aus diesem Off zu gelangen. Immer in der Hoffnung, dass das Grau bald weichen wird.
Schicksal der Schwachen
Überall kann das Drama Einzug halten und niemand scheint davor sicher. Traurig nur, dass man das Sportlern nicht verzeihen kann. Die Verletzungsanfälligkeit versperrt so vielen von ihnen den verdienten Durchbruch, doch nicht immer ist uns das klar. Der beste Profi ist nur die Hälfte wert, wenn er nur die Hälfte spielt. So die einfache Regel. Eine womöglich drohende Invalidität setzt dem ganzen Schrecken noch die Krone auf, wenn es Rückschläge hagelt und scheinbar kein Weg aus der Misere führt.. Es ist und bleibt ein Geschäft, hart und schmerzhaft. Das Profigeschäft kennt kein Pardon, wir erst recht nicht. Für Schwäche bleibt kein Platz. Wenn wir aber nicht aufpassen, ergeht es uns wie so manchem Ermittler mit den üblichen Verdächtigen:
„Und einfach so... ist er weg."
In diesem Sinne
tobzzzzn
Eine harmlos wirkende Attacke von der Seite. Das volle Tempo, mit dem es ihn erwischt, nimmt man kaum wahr. Es ist ein typisches Foul, wie es viel zu regelmäßig zu sehen und spüren ist. Dem Frust über die eigene Hilflosigkeit gegen den Ausnahmekünstler muss ein Ventil geschaffen werden. Ein schmerzhaftes. Hart getroffen liegt Arjen Robben auf dem Rasen, windet sich und rollt mit an sich gezogenen Beinen von Seite zu Seite. Mal wieder hat es ihn erwischt. Ihn, den König der großen Gesten und noch größeren Schmerzen. Und mal wieder wird es ein Großteil der Welt nicht verstehen. Die hämischen Kommentare lassen nicht lange auf sich warten.
Alleinikow gegen den Rest der Welt...
Tal der Tränen
Schon früh wusste Arjen Robben mit seiner Spielweise zu begeistern und spielte sich schnell bei seiner ersten Profistation, dem Eredivisie-Ligisten FC Groningen, in die Herzen der Fans. In dieser frühen Phase seiner Karriere stieg sein Stern umso schneller auf und ein Wechsel zu einer der Topadressen im niederländischen Oberhaus schien unausweichlich. Bei PSV Eindhoven bildete er in der folgenden Saison (2002/03) gemeinsam mit Mateja Keman das damals berüchtigte Sturmduo „Batman und Robben", sollte für seine Karriere nahezu einmalig eine komplette Saison durchspielen, ohne von einer der später häufig folgenden Verletzungen gebremst zu werden. Was danach folgte, war die stete Berg- und Talfahrt, eine fast einmalige Leidensgeschichte, die dazu beitrug, dass der Ausnahmekünstler am runden Leder wenig bis gar nicht in Fahrt kommen konnte.
Die Vielzahl an Muskelverletzungen, Gelenkentzündungen und die letzte Verletzung an einer weichen Leiste hielten den Spieler immer wieder davon ab, seine Klasse längerfristig unter Beweis zu stellen, was dazu führte, dass er sich vor allem nach seiner Zeit bei PSV Eindhoven mehr und mehr einen zweifelhaften Ruf erleidete. Nicht selten wurde seine Verletzungsanfälligkeit einer Charakterschwäche gleichgestellt und bei keiner der beiden Topadressen im europäischen Fußball, weder Chelsea FC, noch Real Madrid, wurde er vollends akzeptiert. Zu sehr beherrschte die Bange vor der nächsten Verletzung die öffentliche Meinung. Die Theatralik, die er bei vielen Attacken gegnerischer Spieler an den Tag legte, goss weiteres Öl in das entbrannte Feuer der Vorurteile und Häme für seine physische Instabilität. Arjen Robben selbst konnte nur wenig dagegen unternehmen und arbeitete sich durch unzählige Reha-Maßnahmen, um ein ums andere Mal mit der bekannten Klasse zurückzukehren. Die Vielzahl an Rückschlägen hielt ihn dabei nie davon ab, seine Spielweise gravierend zu verändern. Dies wurde ihm aber viel zu selten anerkannt, auch wenn es eine außerordentliche Charakterstärke nahelegt, sich immer und immer wieder auf dieses Niveau zurückzukämpfen
- als wäre nichts geschehen.
Alleinikow gegen den Rest
Wie viele Spieler, die begnadet mit dem runden Leder umgehen können, lebt auch der Flügelartist des FC Bayern von der Begeisterung der Fans. Nicht selten ist das letzte Quäntchen Klasse erst vor der euphorischen und dankbaren Kulisse abrufbar. Umso mehr fällt man bei einer langfristigen Verletzung und den immer wieder auftretenden Rückschlägen in tiefe Löcher, die sehr weit von dem entfernt sind, wofür man so lange an der technischen Überlegenheit gearbeitet hat. Zu wissen, dass fit die ganze Welt applaudiert und jubelt, macht diese Phasen umso unerträglicher. Vor allem die Routine der Verletzungen reißt große Wunden, die schier unmögliche Qualen mit sich führen. Das gilt selbstverständlich für jeden Sportler, aber für Ausnahmekünstler gelten andere Regeln. Ihnen liegt die Welt zu Füßen, sie sorgen für Sensationen und können im Alleingang Spiele entscheiden. Umso finsterer wird die Gemütslage, wenn es monatelang unmöglich ist, auf dem Rasen, der die Welt bedeutet, zu stehen. Alleinikow weiß davon ein Lied zu siegen, aus seiner Sicht muss die aktuelle Phase ein Jammertal der Qualen sein. Mehr und mehr distanziert er sich von dem Rest der Mannschaft und blickt mit versteinerter Miene durch die Glasscheiben auf das Trainingsgelände. Während dort unten gelacht wird, ist ihm dieses schon lange vergangen.
Tiefschlag auf Tiefschlag
Die Auswirkungen auf die Psyche sind gravierend, denn es ist kräfteraubend und frustrierend an den Grenzen des eigenen Körpers zu scheitern, obwohl der Geist so sehr um eine faire Chance zu kämpfen bereit ist. Dieser Kampf braucht sehr viel Substanz auf und macht jedes Comeback schwieriger. Hinter dem Rücken vermutet man Argwohn und Missgunst, die sich tief in die Seele brennen. Einige der talentiertesten Sportler sind an diesen Grenzen gescheitert und wussten bereits früh keinen Ausweg aus dem Verletzungsunglück. Nicht jeder hält diese Phasen des nicht enden wollenden Leides ohne Weiteres durch. So manch Profi zerbrach daran, denn nur bei voller Gesundheit sind sie so besonders und wichtig, wie es ihnen oft vermittelt wird. Verletzt hingegen sind sie scheinbar nichts.
Spott an!
Ungeduldig wartet man auf die Rückkehr des großen Künstlers und verschmerzt keine Rückschläge, weil das persönliche Glück an die Gesundheit des Ausnahmespielers geknüpft wird. Die Missgunst der Fans anderer Vereine äußert sich in hämischen Kommentaren und mangelndem Verständnis für den nächsten Statusrapport über die ausgefallene Diva. Auch in den Medien wird so ein Bild initiiert, dass den zum Dauerverletzten erklärten Sportler wenig Sympathie entgegen bringt, zu viel hängt von der Fitness dieser Spieler ab. Das allerdings sollte jenen Spielern einen Anlass zu mehr Optimismus geben. Ohne sie steht scheinbar alles still. In einer Gesellschaft, die neidvoll in viele Richtungen schielt und sich selbst viel zutraut, dabei Anderen wenig gönnt, gehört derlei Verhalten zum guten Ton. Was bei den Lazarettinsassen aus den Profikadern ankommt, bleibt allerdings zumeist beschämend für Fans wie Medien. Umso härter arbeiten sie an sich, um aus diesem Off zu gelangen. Immer in der Hoffnung, dass das Grau bald weichen wird.
Schicksal der Schwachen
Überall kann das Drama Einzug halten und niemand scheint davor sicher. Traurig nur, dass man das Sportlern nicht verzeihen kann. Die Verletzungsanfälligkeit versperrt so vielen von ihnen den verdienten Durchbruch, doch nicht immer ist uns das klar. Der beste Profi ist nur die Hälfte wert, wenn er nur die Hälfte spielt. So die einfache Regel. Eine womöglich drohende Invalidität setzt dem ganzen Schrecken noch die Krone auf, wenn es Rückschläge hagelt und scheinbar kein Weg aus der Misere führt.. Es ist und bleibt ein Geschäft, hart und schmerzhaft. Das Profigeschäft kennt kein Pardon, wir erst recht nicht. Für Schwäche bleibt kein Platz. Wenn wir aber nicht aufpassen, ergeht es uns wie so manchem Ermittler mit den üblichen Verdächtigen:
„Und einfach so... ist er weg."
In diesem Sinne
tobzzzzn
Aufrufe: 18430 | Kommentare: 42 | Bewertungen: 48 | Erstellt:07.11.2011
ø 7.8
KOMMENTARE
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12.11.2011 | 18:11 Uhr
+11
-1
Schnumbi :
wow tobzzzzn ganz ganz stark geschrieben. lese deine blogs sehr gerne und die üblichen verdächtigen werden oder haben schon ihren senf hier abgegeben 
10 P
12.11.2011 | 18:14 Uhr
+9
-17
Denke man wirds nicht hinkriegen das er mehr als 50% der Spiele macht pro Saison. Die Bosse sollten auch langsam mal handeln und einen richtigen Backup verpflichten der ihn auf Sicht beerben kann (Reus?) Denke länger als bis zum Alter von 30-31 wird Robbens Körper eh nicht durchhalten.
12.11.2011 | 18:17 Uhr
+7
-4
Tollioli :
richtig gut ! 0 pktEdit:
ähm 10 meinte ich natürlich - da ist die 1 irgendwie auf dem Weg verlorengegangen
12.11.2011 | 18:20 Uhr
+8
-6
BartP : @Maniac1103
Halte ich für ziemlich fragwürdig. Ich glaube nicht, dass Robben ohne Verletzungen beidfüßig und ein Kopfballmonster wäre und dass er diesen Torinstinkt im 16er hätte.
12.11.2011 | 18:21 Uhr
+4
-5
Tagon :
Man kann zu Robben stehen wie man will. Ich halte ihn für Bayern weder für unverzichtbar, noch ihn für einen Weltklassespieler - was sicherlich den vielen Verletzungen geschuldet ist, derentwegen er sein volles Potential nie wird abrufen können.Der Blog selbst ist aber wirklich bärenstark. Einer der wenigen ernsten Blogs, die zu lesen aufgrund des hervorragenden Stils und der fehlerfreien, exzellenten Schreibweise ein Genuss war. Auch sachlich war er sehr erhellend, alles in allem also bärengut! Mehr davon, plies!
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