16.11.2011 um 18:29 Uhr
Dem Mesut sein Konjunktiv
Es war einmal...
1994 kam Andreas Möller von seinem Italienurlaub aus Turin zurück in die Bundesliga. Borussia Dortmund hatte sich vorgenommen, nach jahrelanger Abstinenz auch mal wieder einen Titel zu gewinnen. Der BVB wollte seine Titeltrockenheit verspielen und nahm eine Menge Geld in die Hand. Gleich mehrere Italienlegionäre fanden dabei den Weg zurück in ihr Heimatland. Unter ihnen Stefan Reuter, der 1992 von Juventus Turin rückwanderte. Matthias Sammer ein Jahr später von Inter Mailand, und als persönliches Handgepäck schmuggelte er Karl-Heinz Riedle aus Rom mit in den Pott. Jürgen Kohler folgte 1995, ebenfalls aus der "deutschen Weltmeisterkolonie" Turin. Nicht ohne Erfolg. Um einige Erfahrungen reifer gewannen die Neudortmunder, unter anderem, zwei Meisterschaften, einen Champions-League Titel als Krönung und den Weltpokal.
Auch andere mehr oder minder erfolgreiche Fußballspieler sammelten Eindrücke in den Ligen der Welt. Über Netzer, Schuster, Brehme oder Hamann, um nur einige Wenige zu nennen, braucht man nicht viel zu sagen. Besonders der "Blonde Engel" dürfte in Katalonien noch vielen im Gedächtnis geblieben sein.
1996 gewann die deutsche Nationalmannschaft mit den Rückwanderern ihren letzten großen Titel. Was unmittelbar danach kam war teilweise Magerkost gemixt mit "Das tu ich mir nich mehr an. Wo is die Fernbedienung? BIIEERRRR!". Legionäre waren nur selten vorhanden. Die Nachwuchsarbeit des deutschen Fußballbundes stand mächtig in der Kritik. Es könne sich was ändern!
Es wird mal wieder...
2010, Estádio Santiagio Bernabeu
Mesut Özil und Sami Khedira bekommen von Florentino Pérez Trikots übergeben mit dem Auftrag die Vorherrschaft des FC Barcelona zu beenden. Sofort! Mann könne es sich als größter Verein der Welt nicht leisten nur Nummer zwei zu sein. Zusammen mit ihrem neuen Mentor José Mourinho, erarbeiten sie ein Konzept, in dem die beiden Deutschen Schlüsselfunktionen ausüben könnten. Özil als offensiver, Khedira der defensive Part. Die Neuzeitlegionäre spielen in ihrer ersten Saison bei Real Madrid eine erhebliche Rolle und eine verhältnismäßig schlechte Saison für königliche Maßstäbe. Nur zweiter in La Liga, vom Erzrivalen vermöbelt worden, Champions-League, naja. Nichtsdestotrotz für beide eine gelungene erste Runde mit dem Bonbon Copa del Rey.
Vom Können-Können Özils befruchtet, sprießen Lobeslieder und außerirdische Vergleiche aus den spanischen Gazetten. Der Deutsch-Türke vermag ein Magier oder Zauberer zu sein, mit unerschöpflichem Talent gesegnet. Unglaublich, da er doch aus einem Land stamme, in dem der Erfolg durch Kampf und weniger mit Spielkultur erarbeitet werden müsse. Die Heimkehr eines Auserwählten, wie es ihn seit Zidane nicht mehr gegeben hätte. Endlich wieder ein Heilsbringer nach all den Jahren der internationalen Titelabstinenz. Wie ein Alkoholiker kurz vor dem lang ersehnten Schluck. Ein eigener Messi(as) für den ruhmreichsten Verein der Welt. Die Erwartungen werden blitzartig auf Weltherrschaft gepolt. Der neu gewählte Regierungschef Özil solle den Karren aus dem Dreck ziehen, nachdem die portugiesisch sprechende Spielerfraktion die gewünschten Erfolge nicht mitbrachte. Eine Bürde, von Medien auferlegt, meteoritengroß und tonnenschwer für Anfang 20. Die Maschinerie beginnt erneut zu rollen und das üblich spanische Medienfressen beginnt, denn die geforderte Wachablösung bleibt vorerst aus.
Özils Können seines Könnens ist ausbaufähig. Bei welchem 23-Jährigen ist das nicht der Fall? In Madrid hat der Mittelfelddribbler mit José Mourinho sicherlich einen der umstrittensten Trainer der Neuzeit. Ein Trainer aber, der durch seine Dominanz und Präsenz in der Lage ist, Spieler vor den berühmten spanischen Medien und auch vor eigenen Vereinsreihen zu schützen. Seit Langem droht in Madrid mal wieder ein Hauch von Konstanz einzukehren, die Grundlage für Erfolg im Profifußball. Die Mannschaft ist in der Lage sich weiter zu entwickeln, homogen zu werden und sich eine Identität zu schaffen. Für Mesut Özil könnte diese Gegebenheit die Chance für eine große Karriere sein. Nutzen kann nur er sie allein. Die Erwartungshaltung an ihn ist groß, was mehrheitlich aber den letzten Jahren Real Madrids geschuldet ist. Galaktische Uhren laufen schneller, wobei Mourinho die Zeiger ganz geschickt in Eigenregie zurückdreht.
Um seinen eigenen Horizont zu erweitern, sind Erfahrungen im Ausland unersetzbar, positive sowie negative. Sportlich, und für den Menschen an sich eine Möglichkeit, die nicht Viele bekommen und einen nur voran bringen können. Nun ist das verflixte zweite Jahr angebrochen, in dem der Welpenschutz langsam aber sicher nicht mehr gilt. Hätte und könnte sind im Fußball leider nur 3 Euro wert. Denn in einem Leben im Konjunktiv, würden die Meister vom Himmel fallen.
1994 kam Andreas Möller von seinem Italienurlaub aus Turin zurück in die Bundesliga. Borussia Dortmund hatte sich vorgenommen, nach jahrelanger Abstinenz auch mal wieder einen Titel zu gewinnen. Der BVB wollte seine Titeltrockenheit verspielen und nahm eine Menge Geld in die Hand. Gleich mehrere Italienlegionäre fanden dabei den Weg zurück in ihr Heimatland. Unter ihnen Stefan Reuter, der 1992 von Juventus Turin rückwanderte. Matthias Sammer ein Jahr später von Inter Mailand, und als persönliches Handgepäck schmuggelte er Karl-Heinz Riedle aus Rom mit in den Pott. Jürgen Kohler folgte 1995, ebenfalls aus der "deutschen Weltmeisterkolonie" Turin. Nicht ohne Erfolg. Um einige Erfahrungen reifer gewannen die Neudortmunder, unter anderem, zwei Meisterschaften, einen Champions-League Titel als Krönung und den Weltpokal.
Auch andere mehr oder minder erfolgreiche Fußballspieler sammelten Eindrücke in den Ligen der Welt. Über Netzer, Schuster, Brehme oder Hamann, um nur einige Wenige zu nennen, braucht man nicht viel zu sagen. Besonders der "Blonde Engel" dürfte in Katalonien noch vielen im Gedächtnis geblieben sein.
1996 gewann die deutsche Nationalmannschaft mit den Rückwanderern ihren letzten großen Titel. Was unmittelbar danach kam war teilweise Magerkost gemixt mit "Das tu ich mir nich mehr an. Wo is die Fernbedienung? BIIEERRRR!". Legionäre waren nur selten vorhanden. Die Nachwuchsarbeit des deutschen Fußballbundes stand mächtig in der Kritik. Es könne sich was ändern!
Es wird mal wieder...
2010, Estádio Santiagio Bernabeu
Mesut Özil und Sami Khedira bekommen von Florentino Pérez Trikots übergeben mit dem Auftrag die Vorherrschaft des FC Barcelona zu beenden. Sofort! Mann könne es sich als größter Verein der Welt nicht leisten nur Nummer zwei zu sein. Zusammen mit ihrem neuen Mentor José Mourinho, erarbeiten sie ein Konzept, in dem die beiden Deutschen Schlüsselfunktionen ausüben könnten. Özil als offensiver, Khedira der defensive Part. Die Neuzeitlegionäre spielen in ihrer ersten Saison bei Real Madrid eine erhebliche Rolle und eine verhältnismäßig schlechte Saison für königliche Maßstäbe. Nur zweiter in La Liga, vom Erzrivalen vermöbelt worden, Champions-League, naja. Nichtsdestotrotz für beide eine gelungene erste Runde mit dem Bonbon Copa del Rey.
Vom Können-Können Özils befruchtet, sprießen Lobeslieder und außerirdische Vergleiche aus den spanischen Gazetten. Der Deutsch-Türke vermag ein Magier oder Zauberer zu sein, mit unerschöpflichem Talent gesegnet. Unglaublich, da er doch aus einem Land stamme, in dem der Erfolg durch Kampf und weniger mit Spielkultur erarbeitet werden müsse. Die Heimkehr eines Auserwählten, wie es ihn seit Zidane nicht mehr gegeben hätte. Endlich wieder ein Heilsbringer nach all den Jahren der internationalen Titelabstinenz. Wie ein Alkoholiker kurz vor dem lang ersehnten Schluck. Ein eigener Messi(as) für den ruhmreichsten Verein der Welt. Die Erwartungen werden blitzartig auf Weltherrschaft gepolt. Der neu gewählte Regierungschef Özil solle den Karren aus dem Dreck ziehen, nachdem die portugiesisch sprechende Spielerfraktion die gewünschten Erfolge nicht mitbrachte. Eine Bürde, von Medien auferlegt, meteoritengroß und tonnenschwer für Anfang 20. Die Maschinerie beginnt erneut zu rollen und das üblich spanische Medienfressen beginnt, denn die geforderte Wachablösung bleibt vorerst aus.
Özils Können seines Könnens ist ausbaufähig. Bei welchem 23-Jährigen ist das nicht der Fall? In Madrid hat der Mittelfelddribbler mit José Mourinho sicherlich einen der umstrittensten Trainer der Neuzeit. Ein Trainer aber, der durch seine Dominanz und Präsenz in der Lage ist, Spieler vor den berühmten spanischen Medien und auch vor eigenen Vereinsreihen zu schützen. Seit Langem droht in Madrid mal wieder ein Hauch von Konstanz einzukehren, die Grundlage für Erfolg im Profifußball. Die Mannschaft ist in der Lage sich weiter zu entwickeln, homogen zu werden und sich eine Identität zu schaffen. Für Mesut Özil könnte diese Gegebenheit die Chance für eine große Karriere sein. Nutzen kann nur er sie allein. Die Erwartungshaltung an ihn ist groß, was mehrheitlich aber den letzten Jahren Real Madrids geschuldet ist. Galaktische Uhren laufen schneller, wobei Mourinho die Zeiger ganz geschickt in Eigenregie zurückdreht.
Um seinen eigenen Horizont zu erweitern, sind Erfahrungen im Ausland unersetzbar, positive sowie negative. Sportlich, und für den Menschen an sich eine Möglichkeit, die nicht Viele bekommen und einen nur voran bringen können. Nun ist das verflixte zweite Jahr angebrochen, in dem der Welpenschutz langsam aber sicher nicht mehr gilt. Hätte und könnte sind im Fußball leider nur 3 Euro wert. Denn in einem Leben im Konjunktiv, würden die Meister vom Himmel fallen.
Aufrufe: 3601 | Kommentare: 10 | Bewertungen: 14 | Erstellt:16.11.2011
ø 8.6
KOMMENTARE
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16.11.2011 | 20:29 Uhr
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Poohdini :
Jacks Rabbit.
Wieder ein sehr gelungener Blog. Dieses Mal ein bisschen ernster, aber dafür nicht schwächer. Du schaffst es einfach den Text wie Öl runterlaufen zu lassen. Es ist ja nicht mal, dass dein Text geschwollen ist und deshalb gut "klingt", aber es ist fabulös. Deine Metaphern suchen ihresgleichen.
Ja, Recht haste mit dem verflixten zweiten Jahr. Aber wenn es jmd schafft, den Druck von einem Spieler oder einer Mannschaft zu holen, dann der Jose.
Aber ich wusste gar nicht, dass er als quasi Heilsbringer so angesehen wird.
16.11.2011 | 20:46 Uhr
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Danke.
Problem ist, er spielt auf ner sehr prominenten Position und hat dazu noch einiges an Talent. Dazu dieses Medienumfeld, und zack haste deinen Helden. Aber eben nur wenn´s läuft.
18.11.2011 | 19:55 Uhr
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Mir gefällt die Symmetrie zwischen den zeitlichen Abschnitten. Gut gewählte Form. Schön geschrieben. Inhaltlich ganz mein Geschmack.
Und ich bin fanatischer özil-Fan seit seiner DFB U-19 Zeit. Er hat seine Prüfungen bis jetzt letztendlich immer gut gemeistert, aber ich bin in dieser Saison auch mal gespannt, wie er sich n der Madrid Offensive zurechtfindet.
Mesut ist einfach eine coole Sau und der etwas andere Fussballer. Ich wünsch ihm, dass er´s packt.
18.11.2011 | 22:36 Uhr
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is´n großer schritt. aber bei ihm hab ich das gefühl, das könnt was werden.
21.11.2011 | 14:30 Uhr
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Zu hoffen wärs ja. Weltfußballer Özil! Das hätte was.
Schon jetzt am Ball ist er magisch; das schaffen nicht viele auszustrahlen.
Ich drück einfach mal meine Daumen für den Zauberer von Madrid.
21.11.2011 | 17:49 Uhr
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Aber wer weiß, wenn er uns 2014 zum Weltmeistertitel schießt könnte vielleicht doch etwas draus werden. Momentan sehe ich LM10 und CR7 als viel zu dominant an um da individuell gegen anzukommen.
21.11.2011 | 18:36 Uhr
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aber wie schon gesagt: ist ja noch jung und entwicklungsfähig
21.11.2011 | 23:31 Uhr
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Ariel :
Schönes Teil! Obwohl mir Barcelona symphatischer ist würd's mich schon auch freuen wenn Madrid mal wirklich auf Augenhöhe mit ihnen käme. Die für Real-Verhältnisse recht lange meisterschaftslose Durststrecke mit zwei deutschen Nationalspielern in den Schlüsselpositionen zu beenden hätte schon was! Wünsch beiden viel Erfolg und vor allem, daß sie sich das richtige Rüstzeug für den längst fälligen WM-Titel holen; denn was kann schöner sein als in Brasilien Weltmeister zu werden?! Nichts gegen Real, aber das wär wahrhaft galaktisch!Und mit einer gewonnen EM oder WM + der spanischen Meisterschaft kann özil wirklich ein ganz heißer Kandidat für den Weltfußballer werden. Seine Teams zu Titeln zu führen ist immer noch das beste Argument!
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