23.11.2010 um 22:03 Uhr
Das gallische Dorf - Teil 2
Es war eines dieser Fußballmärchen, als der "Königliche Allgemeine Sportverein Eupen" in der letzten Saison der zweiten belgischen Liga sensationell den Aufstieg in die Jupiler Pro League , die oberste Division Belgiens, erreichte. Vor Beginn der laufenden Spielzeit habe ich den ersten und einzigen deutschsprachigen Club im belgischen Oberhaus hier vorgestellt. Mittlerweile ist bereits der erste Spieltag der Rückrunde gespielt. Höchste Zeit für einen Zwischenstand:
Die beschränkten finanziellen Mittel des Vereins und das zu kleine Umfeld sprachen eigentlich für den direkten Wiederabstieg ins Unterhaus. Zu Beginn der Saison deutete auch alles darauf hin, dass es so kommen würde. Die große Überraschung ist es also nicht, dass Eupen sich mitten im Abstiegskampf befindet. Und das mit allem, was dazu gehört. Wackelnde Trainerstühle, italienische Investoren und sensationelle Kantersiege inklusive.
Nach den bisher absolvierten 16 Spieltagen hat die Mannschaft mit drei Siegen und zwei Unentschieden elf Punkte erwirtschaften können. Sie hat damit die Vereine Lierse SK (9 Punkte) und Sporting Charleroi (7 Punkte) hinter sich gelassen und befindet sich auf dem ersten Nichtabstiegsplatz. Die beiden Mannschaften am unteren Tabellenende steigen ohne Relegationsspiele ab. Ein Spiel der Eupener fiel vor wenigen Wochen wegen Unwetters außerdem aus. Es wird im Dezember nachgeholt.
Zu Beginn der Spielzeit sah das alles noch viel, viel schlechter aus. Die ersten fünf Spiele der Saison verlor der Aufsteiger aus Eupen gegen Anderlecht, Westerlo, Gent, Genk und Charleroi. Dabei entstand ein Verhältnis von 3:13 Toren aus Sicht des KAS. Die Reaktionen der Medien bewegten sich zwischen Spott und Mitleid. Der Verein reagierte, indem er Aufstiegscoach Dany Ost samt Trainerstab kurzerhand auf die Straße setzte.
Ersetzt wurde Ost durch den Italiener Eziolino Capuano und sein Gefolge. Der italienische Investor Antonio Imborgia wird seine Finger dabei sicher mit im Spiel gehabt haben. Und wie Fußball so ist: am sechsten Spieltag holte die Mannschaft unter Capuano doch tatsächlich ihren ersten Punkt! Ein torloses Remis gegen Truidense. Man witterte Morgenluft im ländlichen Eupen. Doch was dann folgte, waren zwei Niederlagen in Folge. Und was machte Capuano? Er packte seine Sachen und ging zurück nach Italien. Nach 3 Spielen und ganzen 19 Tagen im Amt. Das nennt man dann wohl ein "Intermezzo".
Wieder musste ein Neuer her, und zwar schnell. Es kam der Franzose Albert Cartier, der sogar bis heute im Amt geblieben ist. Und das, obwohl er seine ersten beiden Spiele als Coach der Ostbelgier verlor. Nach zehn Spielen und zwei Trainerwechseln ergab das unterm Strich einen traurigen Punkt und ein Katastrophen-Torverhältnis von 4:22. Deutliches Tabellenschlusslicht: die Chaostruppe Eupen! Und das rettende Ufer war noch nicht wirklich in greifbarer Nähe.
Am elften Spieltag dann das langersehnte Aha-Erlebnis – der geplatzte Knoten – die gelöste Verspannung – Die sprichwörtliche und buchstäbliche Ankunft in der ersten Liga! Ja, der Königliche Allgemeine Sportverein Eupen gewann sein erstes Spiel in der Jupiler Pro League! Und zwar locker-flockig mit 6:0! Eine Demütigung! Der Gegner hieß Sint Truidense VV und ist ein direkter Konkurrent der Eupener um den Nichtabstieg. Sollte es Cartier gelingen, das sinkende Schiff Eupen doch noch vor dem Untergang zu retten?
Seitdem folgten zwei Niederlagen, ein Remis und zwei Siege. Darunter befindet sich auch eine hausgemachte Sensation! Am 14. Spieltag mussten die Eupener nach Lüttich reisen (ganze 40 Kilometer!), um im Maurice-Dufrasne-Stadion gegen den zehnmaligen belgischen Meister Standard anzutreten. Eupen gewann das Spiel mit 3:1. Schon in der ersten Hälfte gingen sie durch einen Doppelpack des belgischen Nationalspielers Kevin Vandenbergh mit 2:0 in Führung. Standard konnte zwar nach der Pause nochmal verkürzen, ein verwandelter Foulelfmeter kurz vor Schluss besiegelte dann aber den Auswärtssieg der Schwarz-Weißen.
Eupen wird die Klasse halten, da lege ich mich fest. Zugegeben: der drittletzte Tabellenplatz ist nicht gerade ein sonderlich überzeugender Grund zur Euphorie. Und die hat sich in Eupen auch bisher nicht breit gemacht. Aber die steigende Form der Truppe um Trainer Albert Cartier lässt zumindest – wenn auch nur in gemäßigter Form - Optimismus zu. Er hat aus sieben Spielen zehn Punkte geholt. Das ist immerhin das Zehnfache von dem, was seine beiden Vorgänger aus acht Partien mitnahmen...
Die beschränkten finanziellen Mittel des Vereins und das zu kleine Umfeld sprachen eigentlich für den direkten Wiederabstieg ins Unterhaus. Zu Beginn der Saison deutete auch alles darauf hin, dass es so kommen würde. Die große Überraschung ist es also nicht, dass Eupen sich mitten im Abstiegskampf befindet. Und das mit allem, was dazu gehört. Wackelnde Trainerstühle, italienische Investoren und sensationelle Kantersiege inklusive.
Nach den bisher absolvierten 16 Spieltagen hat die Mannschaft mit drei Siegen und zwei Unentschieden elf Punkte erwirtschaften können. Sie hat damit die Vereine Lierse SK (9 Punkte) und Sporting Charleroi (7 Punkte) hinter sich gelassen und befindet sich auf dem ersten Nichtabstiegsplatz. Die beiden Mannschaften am unteren Tabellenende steigen ohne Relegationsspiele ab. Ein Spiel der Eupener fiel vor wenigen Wochen wegen Unwetters außerdem aus. Es wird im Dezember nachgeholt.
Zu Beginn der Spielzeit sah das alles noch viel, viel schlechter aus. Die ersten fünf Spiele der Saison verlor der Aufsteiger aus Eupen gegen Anderlecht, Westerlo, Gent, Genk und Charleroi. Dabei entstand ein Verhältnis von 3:13 Toren aus Sicht des KAS. Die Reaktionen der Medien bewegten sich zwischen Spott und Mitleid. Der Verein reagierte, indem er Aufstiegscoach Dany Ost samt Trainerstab kurzerhand auf die Straße setzte.
Ersetzt wurde Ost durch den Italiener Eziolino Capuano und sein Gefolge. Der italienische Investor Antonio Imborgia wird seine Finger dabei sicher mit im Spiel gehabt haben. Und wie Fußball so ist: am sechsten Spieltag holte die Mannschaft unter Capuano doch tatsächlich ihren ersten Punkt! Ein torloses Remis gegen Truidense. Man witterte Morgenluft im ländlichen Eupen. Doch was dann folgte, waren zwei Niederlagen in Folge. Und was machte Capuano? Er packte seine Sachen und ging zurück nach Italien. Nach 3 Spielen und ganzen 19 Tagen im Amt. Das nennt man dann wohl ein "Intermezzo".
Wieder musste ein Neuer her, und zwar schnell. Es kam der Franzose Albert Cartier, der sogar bis heute im Amt geblieben ist. Und das, obwohl er seine ersten beiden Spiele als Coach der Ostbelgier verlor. Nach zehn Spielen und zwei Trainerwechseln ergab das unterm Strich einen traurigen Punkt und ein Katastrophen-Torverhältnis von 4:22. Deutliches Tabellenschlusslicht: die Chaostruppe Eupen! Und das rettende Ufer war noch nicht wirklich in greifbarer Nähe.
Am elften Spieltag dann das langersehnte Aha-Erlebnis – der geplatzte Knoten – die gelöste Verspannung – Die sprichwörtliche und buchstäbliche Ankunft in der ersten Liga! Ja, der Königliche Allgemeine Sportverein Eupen gewann sein erstes Spiel in der Jupiler Pro League! Und zwar locker-flockig mit 6:0! Eine Demütigung! Der Gegner hieß Sint Truidense VV und ist ein direkter Konkurrent der Eupener um den Nichtabstieg. Sollte es Cartier gelingen, das sinkende Schiff Eupen doch noch vor dem Untergang zu retten?
Seitdem folgten zwei Niederlagen, ein Remis und zwei Siege. Darunter befindet sich auch eine hausgemachte Sensation! Am 14. Spieltag mussten die Eupener nach Lüttich reisen (ganze 40 Kilometer!), um im Maurice-Dufrasne-Stadion gegen den zehnmaligen belgischen Meister Standard anzutreten. Eupen gewann das Spiel mit 3:1. Schon in der ersten Hälfte gingen sie durch einen Doppelpack des belgischen Nationalspielers Kevin Vandenbergh mit 2:0 in Führung. Standard konnte zwar nach der Pause nochmal verkürzen, ein verwandelter Foulelfmeter kurz vor Schluss besiegelte dann aber den Auswärtssieg der Schwarz-Weißen.
Eupen wird die Klasse halten, da lege ich mich fest. Zugegeben: der drittletzte Tabellenplatz ist nicht gerade ein sonderlich überzeugender Grund zur Euphorie. Und die hat sich in Eupen auch bisher nicht breit gemacht. Aber die steigende Form der Truppe um Trainer Albert Cartier lässt zumindest – wenn auch nur in gemäßigter Form - Optimismus zu. Er hat aus sieben Spielen zehn Punkte geholt. Das ist immerhin das Zehnfache von dem, was seine beiden Vorgänger aus acht Partien mitnahmen...
Aufrufe: 3538 | Kommentare: 3 | Bewertungen: 8 | Erstellt:23.11.2010
ø 9.9
KOMMENTARE
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25.11.2010 | 00:40 Uhr
+1
0
25.11.2010 | 14:29 Uhr
+1
0
taneu :
Die belgische Liga von unten aufgearbeitet, gefällt mir gut, habe darauf gewartet, weil der erste Teil mich schon neugierig gemacht hat.
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woran liegt es, dass in eupen einfach keine euphorie aufkommen will?