27.04.2011 um 19:20 Uhr
Das ewige Duell
Es sind eben jene Spiele, auf die man als Fußballfan die ganze Saison über sehnsüchtig wartet. Eine Art Versprechen auf allerhöchstem Niveau. Fußballästheten reiben sich sehnsüchtig die Hände, wenn am heutigen Mittwoch die zwei spanischen Fußballgiganten Real Madrid und der FC Barcelona im Halbfinale der Champions League aufeinandertreffen. Keine Bühne im europäischen Vereinsfußball ist prädestinierter dazu, der Strahlkraft beider Teams gerecht zu werden. Die Königsklasse ist die höchste Weihe, die Liga der Champions. Hier werden Helden geboren.
Folglich ist die Vorfreude auf gerade diese beiden Duelle riesengroß. Zwei Clásicos pro Saison sind ein Geschenk, fünf - wie in dieser Spielzeit - ein wahr gewordener Traum, ein Versprechen auf ein großes Spektakel. Natürlich wissen wir nicht erst aus der Politik, dass Versprechen und Umsetzung nicht immer einerlei sind. Aber nur wenige andere Paarungen bringen vergleichbare Voraussetzungen mit, den Fußballsport hochleben zu lassen und das Spiel zu zelebrieren.
All jene Hoffnungen, Sehnsüchte und Erwartungen werden komprimiert auf sieben unscheinbare Buchstaben, die in entsprechender Reihenfolge etwas Unverkennbares hervorbringen: Clásico - das ewige Duell, ein Duell der Gegensätze. Es wäre jetzt müßig an dieser Stelle abermals die Geschichte und Hintergründe zu beleuchten. Jeder, der sich auch nur ansatzweise mit Fußball beschäftigt, kennt die grobe Bedeutung.
Es wäre auch zu einfach beide Mannschaften nur auf ihre Superstars zu reduzieren.
Natürlich, der Wert von Messi und CR7 für Barca respektive Real ist unbestritten. Sie sind die Aushängeschilder ihrer Teams, die Kirsche auf der Sahne. Aber es steckt so viel mehr dahinter.
Die vielleicht wichtigste Rolle wird heute Abend den Trainern zuteil. Sie müssen sich als exzellente Schachspieler beweisen und ihre Mannschaften entsprechend einstellen. Im Wesentlichen gilt es folgende Fragen zu klären:
Welche Rückschlüsse wird der stoisch aber nicht minder sympathisch wirkende Pep aus der Niederlage im Copa del Rey ziehen? Wird er sein Team taktisch umstellen? Schafft es "The Special One" ein weiteres Mal den Erzrivalen in die Knie zu zwingen? Wie wird er sein Team nach dem Ausfall vom Khedira umbauen?
Zur Taktik: So schmerzhaft die 0:5-Klatsche in der Hinrunde auch war, Real hat gelernt - Mourinho hat gelernt.
An die Offensivstärke von Barca kommt wohl kein anderes Team der Welt zurzeit heran. Das katalanische Kurzpassspiel ist einzigartig und an Dynamik und Effizienz unübertroffen. In Handballmanier schnüren Xavi und Co. den Gegner vor dem 16er ein und lauern auf den tödlichen Pass in die Schnittstelle der Abwehr. Die Spieler kennen die Laufwege ihrer Mitstreiter blind. Nie wirkt das Spiel aufgeregt, gar verzweifelt.
Umso wichtiger erscheint in diesem Zusammenhang die taktische Ausrichtung Madrids.
Mou wird erkannt haben, dass ein 4-2-3-1 mit lediglich zwei Sechsern gegen Barca zu riskant ist. Wer Barca schlagen will, muss vor allem das Zentrum vor der Abwehr dicht machen, um Xavis tödliche Pässe zu verhindern. Im Copa del Rey haben die Königlichen dies bereits erfolgreich umgesetzt und auf eine Dreierkette vor der Abwehr gesetzt. Dies dürfte auch diesmal wieder das bewährte Rezept sein, wenngleich eine wichtige Veränderung unabdingbar ist: Mourinho muss den nimmermüden Khedira ersetzen, der sich nach anfänglichen Schwierigkeiten immer besser zurecht findet und dessen Wert für das Team nun auch bei seinen Kritikern unbestritten sein dürfte. Gegen Barca war er in der Defensive überall zu finden und hinderte das katalanische Kreativspiel daran, sich zu entfalten. Zwar wirkten seine Bewegungen manchmal ein wenig hüftsteif, dennoch verfehlten sie ihre Wirkung nicht. Neben dem gesetzten Xavi Alonso werden wohl Lass Diarra und Esteban Granero auflaufen.
Auch der Einsatz des anderen deutschen Nationalspielers, Mesut Özil, ist trotz guter Leistungen in den vorherigen beiden Clásicos ungewiss. Kakás Leistungskurve zeigt nach dem Schützenfest gegen Valencia am Wochenende steil nach oben und lässt den Brasilianer auf einen Einsatz hoffen. Zumal Özil weder im Rückspiel in der Liga gegen Barca, noch im Pokal über die vollen 90 Minuten eingesetzt wurde. Vielleicht denkt Mourinho darüber nach, "Nemo" als Einwechselspieler zu bringen und so frische, kreative Akzente zu setzen.
CR7 und di Maria dürften gesetzt sein. Besonders Letzterer überzeugte im Pokalendspiel mit ungeahnten Defensivqualitäten. Bleibt nur noch die Frage nach dem Sturmzentrum bei den Königlichen. Im letzten Duell fing Özil auf dieser Position an und wurde dann von Adebayor ersetzt. Auch diesmal? Özil ist meiner Meinung nach kein Stürmer und hat im Angriffszentrum nicht die nötige Durchschlagskraft, deshalb erscheint ein Einsatz eines gelernten Stürmers für mich plausibler.
Zu Barca: Die Katalanen plagen Verletzungssorgen. Dennoch ist eine Abkehr von ihrem typischen "Barca-System" und der taktischen Ausrichtung nahezu ausgeschlossen.
Mit Puyol fehlte zuletzt der Abwehrchef, zudem ist vor allem die linke Abwehrseite das große Sorgenkind, da hier langsam die Alternativen ausgehen. Maxwell gilt normal als erster Kandidat, doch auch er ist angeschlagen. Eine Möglichkeit für die Defensive wäre Busquets ins Abwehrzentrum neben Piqué zurück zu beordern. Diese Position hat der Nationalspieler bereits gespielt.
Doch nicht nur defensiv, auch offensiv ist Barca geschwächt. Iniestas Fehlen gilt laut Pep als sicher. Somit muss Xavi wohl auf seinen kongenialen Partner verzichten. Statt wie bisher hier auf das Dreigespann Busquets, Xavi und Iniesta zu setzen, könnten hier Keita und Mascherano die Lücken füllen.
Wie beide Trainer letztlich auch aufstellen werden, ein spannendes Spiel ist zu erwarten. Auch diesmal werden wieder beide Teams mit der nötigen Leidenschaft zu Werke gehen. Diese Vorhersage kann zumindest als Versprechen gewertet werden...
Folglich ist die Vorfreude auf gerade diese beiden Duelle riesengroß. Zwei Clásicos pro Saison sind ein Geschenk, fünf - wie in dieser Spielzeit - ein wahr gewordener Traum, ein Versprechen auf ein großes Spektakel. Natürlich wissen wir nicht erst aus der Politik, dass Versprechen und Umsetzung nicht immer einerlei sind. Aber nur wenige andere Paarungen bringen vergleichbare Voraussetzungen mit, den Fußballsport hochleben zu lassen und das Spiel zu zelebrieren.
All jene Hoffnungen, Sehnsüchte und Erwartungen werden komprimiert auf sieben unscheinbare Buchstaben, die in entsprechender Reihenfolge etwas Unverkennbares hervorbringen: Clásico - das ewige Duell, ein Duell der Gegensätze. Es wäre jetzt müßig an dieser Stelle abermals die Geschichte und Hintergründe zu beleuchten. Jeder, der sich auch nur ansatzweise mit Fußball beschäftigt, kennt die grobe Bedeutung.
Es wäre auch zu einfach beide Mannschaften nur auf ihre Superstars zu reduzieren.
Natürlich, der Wert von Messi und CR7 für Barca respektive Real ist unbestritten. Sie sind die Aushängeschilder ihrer Teams, die Kirsche auf der Sahne. Aber es steckt so viel mehr dahinter.
Die vielleicht wichtigste Rolle wird heute Abend den Trainern zuteil. Sie müssen sich als exzellente Schachspieler beweisen und ihre Mannschaften entsprechend einstellen. Im Wesentlichen gilt es folgende Fragen zu klären:
Welche Rückschlüsse wird der stoisch aber nicht minder sympathisch wirkende Pep aus der Niederlage im Copa del Rey ziehen? Wird er sein Team taktisch umstellen? Schafft es "The Special One" ein weiteres Mal den Erzrivalen in die Knie zu zwingen? Wie wird er sein Team nach dem Ausfall vom Khedira umbauen?
Zur Taktik: So schmerzhaft die 0:5-Klatsche in der Hinrunde auch war, Real hat gelernt - Mourinho hat gelernt.
An die Offensivstärke von Barca kommt wohl kein anderes Team der Welt zurzeit heran. Das katalanische Kurzpassspiel ist einzigartig und an Dynamik und Effizienz unübertroffen. In Handballmanier schnüren Xavi und Co. den Gegner vor dem 16er ein und lauern auf den tödlichen Pass in die Schnittstelle der Abwehr. Die Spieler kennen die Laufwege ihrer Mitstreiter blind. Nie wirkt das Spiel aufgeregt, gar verzweifelt.
Umso wichtiger erscheint in diesem Zusammenhang die taktische Ausrichtung Madrids.
Mou wird erkannt haben, dass ein 4-2-3-1 mit lediglich zwei Sechsern gegen Barca zu riskant ist. Wer Barca schlagen will, muss vor allem das Zentrum vor der Abwehr dicht machen, um Xavis tödliche Pässe zu verhindern. Im Copa del Rey haben die Königlichen dies bereits erfolgreich umgesetzt und auf eine Dreierkette vor der Abwehr gesetzt. Dies dürfte auch diesmal wieder das bewährte Rezept sein, wenngleich eine wichtige Veränderung unabdingbar ist: Mourinho muss den nimmermüden Khedira ersetzen, der sich nach anfänglichen Schwierigkeiten immer besser zurecht findet und dessen Wert für das Team nun auch bei seinen Kritikern unbestritten sein dürfte. Gegen Barca war er in der Defensive überall zu finden und hinderte das katalanische Kreativspiel daran, sich zu entfalten. Zwar wirkten seine Bewegungen manchmal ein wenig hüftsteif, dennoch verfehlten sie ihre Wirkung nicht. Neben dem gesetzten Xavi Alonso werden wohl Lass Diarra und Esteban Granero auflaufen.
Auch der Einsatz des anderen deutschen Nationalspielers, Mesut Özil, ist trotz guter Leistungen in den vorherigen beiden Clásicos ungewiss. Kakás Leistungskurve zeigt nach dem Schützenfest gegen Valencia am Wochenende steil nach oben und lässt den Brasilianer auf einen Einsatz hoffen. Zumal Özil weder im Rückspiel in der Liga gegen Barca, noch im Pokal über die vollen 90 Minuten eingesetzt wurde. Vielleicht denkt Mourinho darüber nach, "Nemo" als Einwechselspieler zu bringen und so frische, kreative Akzente zu setzen.
CR7 und di Maria dürften gesetzt sein. Besonders Letzterer überzeugte im Pokalendspiel mit ungeahnten Defensivqualitäten. Bleibt nur noch die Frage nach dem Sturmzentrum bei den Königlichen. Im letzten Duell fing Özil auf dieser Position an und wurde dann von Adebayor ersetzt. Auch diesmal? Özil ist meiner Meinung nach kein Stürmer und hat im Angriffszentrum nicht die nötige Durchschlagskraft, deshalb erscheint ein Einsatz eines gelernten Stürmers für mich plausibler.
Zu Barca: Die Katalanen plagen Verletzungssorgen. Dennoch ist eine Abkehr von ihrem typischen "Barca-System" und der taktischen Ausrichtung nahezu ausgeschlossen.
Mit Puyol fehlte zuletzt der Abwehrchef, zudem ist vor allem die linke Abwehrseite das große Sorgenkind, da hier langsam die Alternativen ausgehen. Maxwell gilt normal als erster Kandidat, doch auch er ist angeschlagen. Eine Möglichkeit für die Defensive wäre Busquets ins Abwehrzentrum neben Piqué zurück zu beordern. Diese Position hat der Nationalspieler bereits gespielt.
Doch nicht nur defensiv, auch offensiv ist Barca geschwächt. Iniestas Fehlen gilt laut Pep als sicher. Somit muss Xavi wohl auf seinen kongenialen Partner verzichten. Statt wie bisher hier auf das Dreigespann Busquets, Xavi und Iniesta zu setzen, könnten hier Keita und Mascherano die Lücken füllen.
Wie beide Trainer letztlich auch aufstellen werden, ein spannendes Spiel ist zu erwarten. Auch diesmal werden wieder beide Teams mit der nötigen Leidenschaft zu Werke gehen. Diese Vorhersage kann zumindest als Versprechen gewertet werden...
Aufrufe: 279 | Kommentare: 0 | Bewertungen: 4 | Erstellt:27.04.2011
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