29.12.2009 um 12:52 Uhr
Das Hinrunden-ABC (S-U)
S wie Schweinegrippe: Das gefühlte Unwort des Jahres 2009 hat endlich auch die Bundesliga eingeholt. Gleich mehrere Spieler des internationalen Fußballs (darunter auch Landon Donovan, ehemals Bayer Leverkusen und Bayern München) fielen dem Virus zum Opfer. Auch die Bundesliga wollte da nicht nachstehen und schon meldeten sich auch hier zu Lande einige Fußballer ab. Steven Cherundolo machte wohl den Anfang, als er sich beim Länderspiel der USA mit dem H1N1-Virus infizierte. Sofort ging es in die Quarantäne, wohl um eine weltweite Epidemie zu verhindern. Andere Bundesliga-Profis lagen plötzlich auch flach.
Besonders amüsant, ist man nicht gerade Hoffenheim-Unterstützer, ist eben der Fall der TSG. Vedad Ibisevic, Timo Hildebrand und Demba Ba werben in einem, eigens zur Prävention gedrehten Clip, für eine Impfung gegen den Schweinegrippen-Virus. Nicht, dass dieser Spot allein schon recht amüsant wäre, da man sich einerseits bei 1899 scheinbar noch nie Gedanken um ein Video gemacht hat und die Stars einfach vor eine weiße Wand stellte und andererseits die Spieler selbst nicht gerade einen begeisterten oder gar überzeugenden Eindruck machen. Insgesamt muss man sich nach dieser kurzen Komödie ernsthaft fragen, ob sie sich überhaupt irgendwer angesehen hat, bevor der Clip veröffentlicht wurde (Impfspot unter diesem Buchstaben). Noch peinlicher wird es aber, wenn sich selbst die 'Schauspieler' selbst derart nicht-überzeugend finden, dass sie sich die Impfung gleich gar nicht antuen wollen, dies bekannt wird und Ba und Hildebrand daraufhin ebenfalls in der Quarantäne verschwinden müssen! Das poliert Hoffenheims umstrittenes Image nicht gerade auf...
T wie Tulpengeneral: Einen Fußballlehrer wollten die Verantwortlichen des FC Bayern der Öffentlichkeit präsentieren - einen, wie es Jupp Heynkes ist, der die 'Kathastrophensaison' (2. Platz in der Bundesliga, direkte Qualifikation zur Champions League, dazu das Erreichen des Champions League Viertelfinals) der Bayern noch ins Erträgliche retten konnte – einen, ganz anders eben als Jürgen Klinsmann, dessen Foto Uli Hoeneß aller Wahrscheinlichkeit nach spätestens seit seinem Auftritt bei Günther Jauch ("Klinsmann ist der Barack Obama des deutschen Fußballs") als Dartscheibe im neuen Präsidentenbüro missbraucht. Aber wer hätte es gedacht: Bis kurz vor Schluss der Hinrunde wurde man mit Vergleichen der Statistiken zwischen der 'Ära Klinsmann' und der 'Ära van Gaal', in welchen der Holländer stets nach Punkten pro Spiel und Tabellenranking unterlegen war, geradezu überschüttet. Mit den Worten "selbstbewusst, arrogant und dominant" beschrieb van Gaal seine Vorstellung des deutschen Rekordmeisters und das kommt nicht von ungefähr: Van Gaal selbst verinnerlichte bereits in der Vergangenheit diese 'Tugenden' zur Genüge. Auf die Frage eines Journalisten, was er wohl für Fehler begangen hätte, als sich die Niederlande trotz eines übermächtig wirkenden Kaders nicht für die Weltmeisterschaft 2002 qualifizierte, antwortete er trocken: "Ich mache keine Fehler." Dominant wirkte der in die Kritik geratene van Gaal auch von Beginn an. Maßnahmen, wie den zu einer Rekordsumme verpflichteten Mario Gomez auf der Bank schmoren zu lassen oder Weltmeister Luca Toni gar auf die Tribüne zu verbannen (siehe 'N wie Nullnummer'), schindeten Eindruck, brachten dem Holländer aber auch haufenweise hausgemachter Probleme. Die Wende für den FC Bayern und den Meistercoach des AZ Alkmaar aber kam spätestens dann, als der FCB das schier utopisch gewordene Ziel, die Qualifikation für die CL-KO-Runde mit einer beeindruckenden Leistung in Turin (4:1) erreichte und sich auch in der Bundesliga zurückmeldete. Friede, Freude, Eierkuchen also zur Winterpause in München. Bis zur nächsten Niederlage zumindest...
U wie Unterschätzt: "Wir sind nur ein Karnevalsverein" schallt es von der Tribüne. Doch ist das noch zeitgemäß? Die Entwicklung, die Jürgen Klopp in Mainz auf den Weg brachte, kann nach dessen Abgang zu Borussia Dortmund scheinbar nahtlos von Nachfolger Thomal Tuchel weitergeführt werden. Mainz steht auf dem 9. Platz, mit 6 Siegen, 6 Unentschieden und nur 5 Niederlagen (24 Punkte). Den Rheinländern ist zuzutrauen, die beste Saison nach 2004/05 und 2005/06 (jeweils 11. Tabellenplatz) zu spielen. Auch hier kommt der Erfolg, den viele den 05ern nicht zugetraut hätten, nicht von ungefähr : Tim Hoogland, der vom Verteidiger zum Mittelfeldspieler und zudem zum Kapitän der Mainzer gemacht wurde, spielt bislang eine hervorragende Saison und schoss bereits zur Meisterschafts-Halbzeit mehr Tore als die gesamte letzte Saison (da waren es 3). Die Leihgabe des österreichischen Nationalspielers Andreas Ivanschitz aus Athen ist der Clou dieser Saison. 6 Tore schoss Ivanschitz selbst und 6 weitere bereitete er vor. Bei 21 Saisontoren ist der 26jährige also an mehr als der Hälfte der Mainzer Saisontreffer beteiligt. Damit gehört der Mittelfeldspieler, der laut eigener Aussage den Spaß am Fußball verloren hatte, zu den Topscorern der Hinrunde. Last but not least trägt auch Trainer Thomas Tuchel entscheidend zum Erfolg bei. Er bemühte beispielsweise vor dem Spiel gegen die Bayern einen der größten Motivatoren des Sports. Nein, nicht Jürgen Klinsmann, sondern Tony D´Amato, gespielt von Al Pacino im Film 'An jedem verdammten Sonntag' (Video unten). Dieser neue, wenn auch sehr dramatische Motivationsversuch scheint bestens gefruchtet zu haben, denn die Mainzer schlugen den Rekordmeister mit 2:1. Aus Mainzer Kreisen hört man aber auch, dass Tuchel mit einem Übermaß an Ehrgeiz ausgestattet ist, das Maß hier ab und an überschreitet und so für Unmut sorgt. Doch ist Tuchel ein junger Trainer bei seiner ersten Profistation und muss sicher noch viel lernen. Fußballfans dürfen aber hoffen, dass die frische Art Tuchels und seiner Mannschaft noch das ein oder andere Jahr im Oberhaus des deutschen Fußballs verweilen wird und zeigt, dass Mainz 05 vielleicht einfach nur von allen unterschätzt wurde.
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Besonders amüsant, ist man nicht gerade Hoffenheim-Unterstützer, ist eben der Fall der TSG. Vedad Ibisevic, Timo Hildebrand und Demba Ba werben in einem, eigens zur Prävention gedrehten Clip, für eine Impfung gegen den Schweinegrippen-Virus. Nicht, dass dieser Spot allein schon recht amüsant wäre, da man sich einerseits bei 1899 scheinbar noch nie Gedanken um ein Video gemacht hat und die Stars einfach vor eine weiße Wand stellte und andererseits die Spieler selbst nicht gerade einen begeisterten oder gar überzeugenden Eindruck machen. Insgesamt muss man sich nach dieser kurzen Komödie ernsthaft fragen, ob sie sich überhaupt irgendwer angesehen hat, bevor der Clip veröffentlicht wurde (Impfspot unter diesem Buchstaben). Noch peinlicher wird es aber, wenn sich selbst die 'Schauspieler' selbst derart nicht-überzeugend finden, dass sie sich die Impfung gleich gar nicht antuen wollen, dies bekannt wird und Ba und Hildebrand daraufhin ebenfalls in der Quarantäne verschwinden müssen! Das poliert Hoffenheims umstrittenes Image nicht gerade auf...
T wie Tulpengeneral: Einen Fußballlehrer wollten die Verantwortlichen des FC Bayern der Öffentlichkeit präsentieren - einen, wie es Jupp Heynkes ist, der die 'Kathastrophensaison' (2. Platz in der Bundesliga, direkte Qualifikation zur Champions League, dazu das Erreichen des Champions League Viertelfinals) der Bayern noch ins Erträgliche retten konnte – einen, ganz anders eben als Jürgen Klinsmann, dessen Foto Uli Hoeneß aller Wahrscheinlichkeit nach spätestens seit seinem Auftritt bei Günther Jauch ("Klinsmann ist der Barack Obama des deutschen Fußballs") als Dartscheibe im neuen Präsidentenbüro missbraucht. Aber wer hätte es gedacht: Bis kurz vor Schluss der Hinrunde wurde man mit Vergleichen der Statistiken zwischen der 'Ära Klinsmann' und der 'Ära van Gaal', in welchen der Holländer stets nach Punkten pro Spiel und Tabellenranking unterlegen war, geradezu überschüttet. Mit den Worten "selbstbewusst, arrogant und dominant" beschrieb van Gaal seine Vorstellung des deutschen Rekordmeisters und das kommt nicht von ungefähr: Van Gaal selbst verinnerlichte bereits in der Vergangenheit diese 'Tugenden' zur Genüge. Auf die Frage eines Journalisten, was er wohl für Fehler begangen hätte, als sich die Niederlande trotz eines übermächtig wirkenden Kaders nicht für die Weltmeisterschaft 2002 qualifizierte, antwortete er trocken: "Ich mache keine Fehler." Dominant wirkte der in die Kritik geratene van Gaal auch von Beginn an. Maßnahmen, wie den zu einer Rekordsumme verpflichteten Mario Gomez auf der Bank schmoren zu lassen oder Weltmeister Luca Toni gar auf die Tribüne zu verbannen (siehe 'N wie Nullnummer'), schindeten Eindruck, brachten dem Holländer aber auch haufenweise hausgemachter Probleme. Die Wende für den FC Bayern und den Meistercoach des AZ Alkmaar aber kam spätestens dann, als der FCB das schier utopisch gewordene Ziel, die Qualifikation für die CL-KO-Runde mit einer beeindruckenden Leistung in Turin (4:1) erreichte und sich auch in der Bundesliga zurückmeldete. Friede, Freude, Eierkuchen also zur Winterpause in München. Bis zur nächsten Niederlage zumindest...
U wie Unterschätzt: "Wir sind nur ein Karnevalsverein" schallt es von der Tribüne. Doch ist das noch zeitgemäß? Die Entwicklung, die Jürgen Klopp in Mainz auf den Weg brachte, kann nach dessen Abgang zu Borussia Dortmund scheinbar nahtlos von Nachfolger Thomal Tuchel weitergeführt werden. Mainz steht auf dem 9. Platz, mit 6 Siegen, 6 Unentschieden und nur 5 Niederlagen (24 Punkte). Den Rheinländern ist zuzutrauen, die beste Saison nach 2004/05 und 2005/06 (jeweils 11. Tabellenplatz) zu spielen. Auch hier kommt der Erfolg, den viele den 05ern nicht zugetraut hätten, nicht von ungefähr : Tim Hoogland, der vom Verteidiger zum Mittelfeldspieler und zudem zum Kapitän der Mainzer gemacht wurde, spielt bislang eine hervorragende Saison und schoss bereits zur Meisterschafts-Halbzeit mehr Tore als die gesamte letzte Saison (da waren es 3). Die Leihgabe des österreichischen Nationalspielers Andreas Ivanschitz aus Athen ist der Clou dieser Saison. 6 Tore schoss Ivanschitz selbst und 6 weitere bereitete er vor. Bei 21 Saisontoren ist der 26jährige also an mehr als der Hälfte der Mainzer Saisontreffer beteiligt. Damit gehört der Mittelfeldspieler, der laut eigener Aussage den Spaß am Fußball verloren hatte, zu den Topscorern der Hinrunde. Last but not least trägt auch Trainer Thomas Tuchel entscheidend zum Erfolg bei. Er bemühte beispielsweise vor dem Spiel gegen die Bayern einen der größten Motivatoren des Sports. Nein, nicht Jürgen Klinsmann, sondern Tony D´Amato, gespielt von Al Pacino im Film 'An jedem verdammten Sonntag' (Video unten). Dieser neue, wenn auch sehr dramatische Motivationsversuch scheint bestens gefruchtet zu haben, denn die Mainzer schlugen den Rekordmeister mit 2:1. Aus Mainzer Kreisen hört man aber auch, dass Tuchel mit einem Übermaß an Ehrgeiz ausgestattet ist, das Maß hier ab und an überschreitet und so für Unmut sorgt. Doch ist Tuchel ein junger Trainer bei seiner ersten Profistation und muss sicher noch viel lernen. Fußballfans dürfen aber hoffen, dass die frische Art Tuchels und seiner Mannschaft noch das ein oder andere Jahr im Oberhaus des deutschen Fußballs verweilen wird und zeigt, dass Mainz 05 vielleicht einfach nur von allen unterschätzt wurde.
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Aufrufe: 701 | Kommentare: 2 | Bewertungen: 8 | Erstellt:29.12.2009
ø 8.8
KOMMENTARE
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30.12.2009 | 21:13 Uhr
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Philse :
Pacinos Rede ist natürlich top! Würde ich auch in der Kabine laufen lassen.
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Wow!
Stark, hat mit Sicherheit einige Stunden und ne Menge Kreativität gefordert.
Danke für diesen treffenden Rücknblick auf die Hinrunde
10 Punkte natürlich ;)