26.12.2007 um 18:38 Uhr
Darwin und der vegetarische Hai
Er ist die gelebte Antithese. Der Kontrast zum sonst so gängigen Postulat Charles Barkleys und Charles Darwins.
Es heißt, die NBA sei ein Miniatur-Abbild der Welt. Die Stärksten setzen sich durch. Fressen oder gefressen werden. Wer Schwäche zeigt, hat schon verloren, sagt Barkley. Darwins Evolutionstheorie fußt analog auf der Annahme, dass nur die bestangepassten Individuen überleben.
Dirk Nowitzki zeigte Schwächen. Im Mai beim Playoff-Desaster mit den Dallas Mavericks gegen die Golden State Warriors. Ein paar Wochen darauf bei der EM mit der deutschen Nationalmannschaft. Als Topscorer zwar ins All-Star-Team berufen, mental wie auch körperlich jedoch nicht immer auf der Höhe.
Nowitzki ist nicht angepasst. Mehr noch: Zwischen all den Posern und Möchtegern-Gangstern in der NBA wirkt er fast schon sonderbar und kauzig. Er stammt aus gutbürgerlichen Verhältnissen, ist freundlich und zurückhaltend - und: Er spricht über seine Schwächen. Dass er gegen die Warriors überfordert war. Dass er sich müde und ausgebrannt fühlte. Dass er an sich selbst zweifelt.
Eine Offenherzigkeit, die in der rauen Natürlichkeit einem Tabubruch gleichkommt. Ein Michael Jordan kannte keine Schwäche, keine Unsicherheit. Ein Tyrannosaurus rex überlegte nicht zweimal, bevor er zubiss. Ein Weißer Hai wird nicht zum Vegetarier, weil Nemo oder Roy Scheider es nett finden würden. Bloß keine Angriffsfläche bieten, sonst wird man selbst verspeist, so das Verständnis.
Und was macht Nowitzki? Er begeht alle Kardinalfehler, um in der Nahrungskette nach unten zu purzeln. Mehrere Monate nach dem Warriors-GAU noch mit sich selbst hadernd und ringend, vergeigte er mit Dallas den diesjährigen Saisonstart. "Ich denke zuviel nach", so Nowitzki freimütig.
Frischfleisch, witterte die Konkurrenz. Mental gebrochen, mutmaßte die Öffentlichkeit. Nur: Vor zwei Wochen begann der 29-Jährige urplötzlich, die Kritiker zu widerlegen. Sechs Spiele, fünf Siege, Nowitzki auf dem Niveau, das ihn vergangene Saison zum MVP der Regular Season machte.
Kaum jemand hätte es ihm zugetraut, dass er sich in solch kurzer Zeit aus dem Tief befreien könnte. Genauso, wie es ihm in der Vergangenheit kaum jemand zugetraut hatte, sich in der NBA durchzusetzen, die Mavericks zum Spitzenteam zu formen und in die Finals einzuziehen.
Freilich wird Nowitzki niemals der stärkste, bestangepasste, dominanteste oder erbarmungsloseste Spieler der NBA sein. Ihm fehlt schlichtweg der Killer-Instinkt und das Winner-Gen.
Allen Evolutionstheorien zum Trotz ist er dennoch der amtierende MVP. Einer der fünf weltbesten Basketballer und Deutschlands letzt verbliebener Sport-Superstar. Und das, ohne zwangsläufig MJ, einem wild gewordenen Reptil oder wahlweise Fisch aus einem Steven-Spielberg-Film nachzueifern.
Nowitzki ist nun mal die gelebte Antithese. Der Kontrast zum sonst so gängigen Postulat Charles Barkleys und Charles Darwins.
Es heißt, die NBA sei ein Miniatur-Abbild der Welt. Die Stärksten setzen sich durch. Fressen oder gefressen werden. Wer Schwäche zeigt, hat schon verloren, sagt Barkley. Darwins Evolutionstheorie fußt analog auf der Annahme, dass nur die bestangepassten Individuen überleben.
Dirk Nowitzki zeigte Schwächen. Im Mai beim Playoff-Desaster mit den Dallas Mavericks gegen die Golden State Warriors. Ein paar Wochen darauf bei der EM mit der deutschen Nationalmannschaft. Als Topscorer zwar ins All-Star-Team berufen, mental wie auch körperlich jedoch nicht immer auf der Höhe.
Nowitzki ist nicht angepasst. Mehr noch: Zwischen all den Posern und Möchtegern-Gangstern in der NBA wirkt er fast schon sonderbar und kauzig. Er stammt aus gutbürgerlichen Verhältnissen, ist freundlich und zurückhaltend - und: Er spricht über seine Schwächen. Dass er gegen die Warriors überfordert war. Dass er sich müde und ausgebrannt fühlte. Dass er an sich selbst zweifelt.
Eine Offenherzigkeit, die in der rauen Natürlichkeit einem Tabubruch gleichkommt. Ein Michael Jordan kannte keine Schwäche, keine Unsicherheit. Ein Tyrannosaurus rex überlegte nicht zweimal, bevor er zubiss. Ein Weißer Hai wird nicht zum Vegetarier, weil Nemo oder Roy Scheider es nett finden würden. Bloß keine Angriffsfläche bieten, sonst wird man selbst verspeist, so das Verständnis.
Und was macht Nowitzki? Er begeht alle Kardinalfehler, um in der Nahrungskette nach unten zu purzeln. Mehrere Monate nach dem Warriors-GAU noch mit sich selbst hadernd und ringend, vergeigte er mit Dallas den diesjährigen Saisonstart. "Ich denke zuviel nach", so Nowitzki freimütig.
Frischfleisch, witterte die Konkurrenz. Mental gebrochen, mutmaßte die Öffentlichkeit. Nur: Vor zwei Wochen begann der 29-Jährige urplötzlich, die Kritiker zu widerlegen. Sechs Spiele, fünf Siege, Nowitzki auf dem Niveau, das ihn vergangene Saison zum MVP der Regular Season machte.
Kaum jemand hätte es ihm zugetraut, dass er sich in solch kurzer Zeit aus dem Tief befreien könnte. Genauso, wie es ihm in der Vergangenheit kaum jemand zugetraut hatte, sich in der NBA durchzusetzen, die Mavericks zum Spitzenteam zu formen und in die Finals einzuziehen.
Freilich wird Nowitzki niemals der stärkste, bestangepasste, dominanteste oder erbarmungsloseste Spieler der NBA sein. Ihm fehlt schlichtweg der Killer-Instinkt und das Winner-Gen.
Allen Evolutionstheorien zum Trotz ist er dennoch der amtierende MVP. Einer der fünf weltbesten Basketballer und Deutschlands letzt verbliebener Sport-Superstar. Und das, ohne zwangsläufig MJ, einem wild gewordenen Reptil oder wahlweise Fisch aus einem Steven-Spielberg-Film nachzueifern.
Nowitzki ist nun mal die gelebte Antithese. Der Kontrast zum sonst so gängigen Postulat Charles Barkleys und Charles Darwins.
Aufrufe: 865 | Kommentare: 0 | Bewertungen: 7 | Erstellt:26.12.2007
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