25.08.2008 um 14:16 Uhr
Bye Bye Beijing - Hello London
Nun sind die Olympischen Spiele 2008 Geschichte und die meisten Sportler kehren in diesen Stunden aus Fernost in ihre Heimat zurück. Zeit also, ein kleines Resümee zu ziehen. Schon die Vergabe der Spiele an China war angesichts der Menschenrechtssituation in dem Land mehr als umstritten. Bei der Entscheidung ließ der damalige und bald scheidende Generalsekretär des Olympischen Komitees Juan Antonio Samaranch die Delegierten wissen, wer sein Favorit sei – die Versammlung folgte ihm bei der Entscheidung und vergab die Spiele ins Reich der Mitte. Neben den politischen Problemen wurde im Vorfeld der Spiele auch immer wieder die große Luftverschmutzung in Peking über die Medien thematisiert. Diese beiden großen Themen sollten bei der Berichterstattung ein kleine Rolle finden, da der Gastgeber eine chinesische sprich diktatorische Lösung fand. Mögliche Regimekritiker wurden verhaftet oder unter Hausarrest gesetzt, Demonstrationen wurden trotz gegenteiliger Zusicherungen verboten und man schloss einfach mal eben 300 Fabriken für die Zeit der Wettkämpfe und nur noch die Hälfte der Autos der Stadt durften fahren.
IOC mit Eiertanz
Unter dem Motto "Ach hätten sie nur geschwiegen" fallen die Kommentare der IOC-Verantwortlichen zu dem Thema Menschenrechte aus. Es gab keine Verbesserung der Situation für Kritiker im Rahmen und Vorfeld der Spiele und so bleibt nur die Hoffnung, dass die Ankündigung der chinesischen Offiziellen, in Zukunft Verbesserungen in diesem Bereich zuzulassen, umgesetzt wird. Zweifel dürfen erlaubt sein, denn es ist fraglich, ob sich ein Land mit vielen ethnischen Gruppen und 1,3 Mrd. Einwohnern überhaupt demokratisch regieren lässt.
Perfekt organisierte Wettkämpfe
Die Spiele an sich waren perfekt organisiert. Die Sportstätten entsprachen allesamt den höchsten Ansprüchen und es gab keinerlei Klagen seitens der Aktiven über den Ablauf der Wettkämpfe. Vielleicht war die Veranstaltung sogar ein wenig zu perfekt. Als Zuschauer am TV hatte man immer das Gefühl, teil einer großen Show zu sein, die nur der Außendarstellung des Regimes in China diente. Angefangen über Computer animierte Feuerwerke während der Eröffnungsfeier, die dem Fernsehpublikum vorgegaukelt wurden über mit chemischen Bomben verhinderte Regengüsse bis hin zu delegierten Zuschauern, wo es dem Veranstalter unmöglich war, eine Kontrolle über das Publikum zu haben. Was sich am Rande des Straßenradrennens abspielte, spottet jeder Beschreibung. Alle paar hundert Meter eine Gruppe von Claqueuren, die Fähnchen schwingend am Rande standen und von Staatsbeamten überwacht wurden.
Freundlich aber nicht ausgelassen
Die Stimmung insgesamt war selten ausgelassen. Die Gastgeber waren über alle Maßen freundlich. Aber Enthusiasmus sieht anders aus. Vielleicht liegt das daran, dass Kreativität in totalitären Staaten selten erwünscht ist. So sah man Zuschauerränge, wo "gleich geschaltete" Menschen mit zwei aufblasbaren Plastikstangen einen monotonen Lärm erzeugten, der vorher in Kursen trainiert wurde – das ist übrigens kein Witz und tatsächlich so geschehen. Wie soll da Spontanität aufkommen. Ansonsten zeigten sich die Chinesen als faires aber auch sehr nationalistisches Publikum. Das ging aber nicht so weit, dass fremde Sportler ausgepfiffen wurden (wie in den USA) sondern nur die Anfeuerung bei Konkurrenten unterlassen wurde.
Flut von Weltrekorden
Aus sportlicher Sicht gab es ein Flut von Weltrekorden und olympischen Bestleistungen. Man kann dies damit begründen, dass die Trainingsbedingungen sich weltweit verbessern, die Menschen immer größer und stärker werden und eine bessere Ausrüstung haben. Man kann allerdings auch an der Rechtmäßigkeit der aufgestellten Rekorde zweifeln. Solange sich nicht alle Länder die teure Kontrolle der Athleten auch während der Trainingsphasen leisten können und vielleicht auch kein Interesse daran haben, wird es immer Sportler geben, die den persönlichen Erfolg über das Fairplay stellen und sich der Hilfe unerlaubter Mittel bedienen.
Phelps und Bolt Stars der Spiele
Zwei Sportler dürften international für das größte Aufsehen während der Tagen in Peking gesorgt haben. Die erste Woche stand klar im Zeichen von Michael Phelps, der den Rekord von Mark Spitz mit sieben gewonnenen Goldmedaillen um eine überbot. Die zweite Hälfte der Spiele wurden von einem Sprinter in der Leichtathletik geprägt. Usain Bolt pulverisierte den Weltrekord über 100 Meter und jubelte bereits 30 Meter vor dem Ziel, gewann auch über die doppelt so lange Strecke in neuer Weltbestzeit und krönte seinen Auftritt mit einem Erfolg in der 4x100 Meter-Staffel – selbstverständlich auch mit einem neuen Weltrekord.
Chinesen wie erwartet stärkste Nation
Die Chinesen gewannen fast wie erwartet die meisten Goldmedaillen aller Nationen. Im Kunstturnen, bei den Turmspringern und in den leichten Klassen im Gewichtheben waren die Asiaten das Maß der Dinge. Insgesamt 51 Mal gab es goldenes Edelmetall für die chinesischen Athleten. Deutsche Athleten standen 16-mal auf der höchsten Treppenstufe des Podests und übertrafen somit das Ergebnis von Athen und auch von Sydney. Allerdings waren die Leistungen in den Kernsportarten Schwimmen (außer Britta Steffens) und der Leichtathletik sehr ernüchternd bis enttäuschend. Erwähnenswert sei der große Erfolg von Großbritannien, das insgesamt 19-mal Gold gewann. Im Hinblick auf die Spiele 2012 in London werden wohl auf der Insel größte Anstrengungen unternommen, um auch auf dem sportlichen Sektor erfolgreich zu sein.
Vorfreude auf London
Was uns in London erwartet, konnte man schon während der Schlussfeier erkennen. Es werden vermutlich nicht die perfekt organisierten Spiele wie in Peking werden, wobei auch hier die Wettkämpfe mit Sicherheit bestens organisiert über die Bühne gehen werden. Aber vom "Feeling" her wird es ziemlich sicher andere Wettbewerbe und eine andere Veranstaltung geben, denn in einem demokratischen Land wird die Kreativität beim Support und auch in der Kunst rund um die Spiele ein größeres Augenmerk haben. Das war übrigens für mich die größte Enttäuschung in Peking: Entweder die Fernsehanstalten haben übersehen, dass es Veranstaltungen außerhalb der Wettbewerbe zu Olympia gab oder es gab sie nicht bzw. sie wurden nicht zugelassen. So bleibt Peking 2008 bei mir als perfekt organisiert aber ohne jegliche Kultur und Kreativität in Erinnerung. Verabschieden wir uns also von Peking und freuen wir uns auf London mit Straßenkunst, Konzerten und spleenigen Briten.
IOC mit Eiertanz
Unter dem Motto "Ach hätten sie nur geschwiegen" fallen die Kommentare der IOC-Verantwortlichen zu dem Thema Menschenrechte aus. Es gab keine Verbesserung der Situation für Kritiker im Rahmen und Vorfeld der Spiele und so bleibt nur die Hoffnung, dass die Ankündigung der chinesischen Offiziellen, in Zukunft Verbesserungen in diesem Bereich zuzulassen, umgesetzt wird. Zweifel dürfen erlaubt sein, denn es ist fraglich, ob sich ein Land mit vielen ethnischen Gruppen und 1,3 Mrd. Einwohnern überhaupt demokratisch regieren lässt.
Perfekt organisierte Wettkämpfe
Die Spiele an sich waren perfekt organisiert. Die Sportstätten entsprachen allesamt den höchsten Ansprüchen und es gab keinerlei Klagen seitens der Aktiven über den Ablauf der Wettkämpfe. Vielleicht war die Veranstaltung sogar ein wenig zu perfekt. Als Zuschauer am TV hatte man immer das Gefühl, teil einer großen Show zu sein, die nur der Außendarstellung des Regimes in China diente. Angefangen über Computer animierte Feuerwerke während der Eröffnungsfeier, die dem Fernsehpublikum vorgegaukelt wurden über mit chemischen Bomben verhinderte Regengüsse bis hin zu delegierten Zuschauern, wo es dem Veranstalter unmöglich war, eine Kontrolle über das Publikum zu haben. Was sich am Rande des Straßenradrennens abspielte, spottet jeder Beschreibung. Alle paar hundert Meter eine Gruppe von Claqueuren, die Fähnchen schwingend am Rande standen und von Staatsbeamten überwacht wurden.
Freundlich aber nicht ausgelassen
Die Stimmung insgesamt war selten ausgelassen. Die Gastgeber waren über alle Maßen freundlich. Aber Enthusiasmus sieht anders aus. Vielleicht liegt das daran, dass Kreativität in totalitären Staaten selten erwünscht ist. So sah man Zuschauerränge, wo "gleich geschaltete" Menschen mit zwei aufblasbaren Plastikstangen einen monotonen Lärm erzeugten, der vorher in Kursen trainiert wurde – das ist übrigens kein Witz und tatsächlich so geschehen. Wie soll da Spontanität aufkommen. Ansonsten zeigten sich die Chinesen als faires aber auch sehr nationalistisches Publikum. Das ging aber nicht so weit, dass fremde Sportler ausgepfiffen wurden (wie in den USA) sondern nur die Anfeuerung bei Konkurrenten unterlassen wurde.
Flut von Weltrekorden
Aus sportlicher Sicht gab es ein Flut von Weltrekorden und olympischen Bestleistungen. Man kann dies damit begründen, dass die Trainingsbedingungen sich weltweit verbessern, die Menschen immer größer und stärker werden und eine bessere Ausrüstung haben. Man kann allerdings auch an der Rechtmäßigkeit der aufgestellten Rekorde zweifeln. Solange sich nicht alle Länder die teure Kontrolle der Athleten auch während der Trainingsphasen leisten können und vielleicht auch kein Interesse daran haben, wird es immer Sportler geben, die den persönlichen Erfolg über das Fairplay stellen und sich der Hilfe unerlaubter Mittel bedienen.
Phelps und Bolt Stars der Spiele
Zwei Sportler dürften international für das größte Aufsehen während der Tagen in Peking gesorgt haben. Die erste Woche stand klar im Zeichen von Michael Phelps, der den Rekord von Mark Spitz mit sieben gewonnenen Goldmedaillen um eine überbot. Die zweite Hälfte der Spiele wurden von einem Sprinter in der Leichtathletik geprägt. Usain Bolt pulverisierte den Weltrekord über 100 Meter und jubelte bereits 30 Meter vor dem Ziel, gewann auch über die doppelt so lange Strecke in neuer Weltbestzeit und krönte seinen Auftritt mit einem Erfolg in der 4x100 Meter-Staffel – selbstverständlich auch mit einem neuen Weltrekord.
Chinesen wie erwartet stärkste Nation
Die Chinesen gewannen fast wie erwartet die meisten Goldmedaillen aller Nationen. Im Kunstturnen, bei den Turmspringern und in den leichten Klassen im Gewichtheben waren die Asiaten das Maß der Dinge. Insgesamt 51 Mal gab es goldenes Edelmetall für die chinesischen Athleten. Deutsche Athleten standen 16-mal auf der höchsten Treppenstufe des Podests und übertrafen somit das Ergebnis von Athen und auch von Sydney. Allerdings waren die Leistungen in den Kernsportarten Schwimmen (außer Britta Steffens) und der Leichtathletik sehr ernüchternd bis enttäuschend. Erwähnenswert sei der große Erfolg von Großbritannien, das insgesamt 19-mal Gold gewann. Im Hinblick auf die Spiele 2012 in London werden wohl auf der Insel größte Anstrengungen unternommen, um auch auf dem sportlichen Sektor erfolgreich zu sein.
Vorfreude auf London
Was uns in London erwartet, konnte man schon während der Schlussfeier erkennen. Es werden vermutlich nicht die perfekt organisierten Spiele wie in Peking werden, wobei auch hier die Wettkämpfe mit Sicherheit bestens organisiert über die Bühne gehen werden. Aber vom "Feeling" her wird es ziemlich sicher andere Wettbewerbe und eine andere Veranstaltung geben, denn in einem demokratischen Land wird die Kreativität beim Support und auch in der Kunst rund um die Spiele ein größeres Augenmerk haben. Das war übrigens für mich die größte Enttäuschung in Peking: Entweder die Fernsehanstalten haben übersehen, dass es Veranstaltungen außerhalb der Wettbewerbe zu Olympia gab oder es gab sie nicht bzw. sie wurden nicht zugelassen. So bleibt Peking 2008 bei mir als perfekt organisiert aber ohne jegliche Kultur und Kreativität in Erinnerung. Verabschieden wir uns also von Peking und freuen wir uns auf London mit Straßenkunst, Konzerten und spleenigen Briten.
Aufrufe: 367 | Kommentare: 2 | Bewertungen: 4 | Erstellt:25.08.2008
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KOMMENTARE
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26.08.2008 | 00:43 Uhr
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Die Stimmung bei den sportlichen Ereignissen und rund herum wirkte in der Tat "gelenkt" und irgendwie inszeniert.
Ich denke auch, daß wir 2012 in London andere Spiele sehen werden. Wie die WM 2006 gezeigt hat, läßt sich eine gute Organisation der zentralen Veranstaltungen durchaus mit eigenständigen Fanfesten vereinbaren. Ähnlich kann ich mir das auch in der britischen Hauptstadt vorstellen.
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Was noch zu kritisieren ist, dass die öffentlich rechtlichen Fernsehsender in Deutschland als einzige keine Angaben gemacht haben, was sie ihr Auftritt im Reich der Mitte gekostet hat. Die BBC hat um die 23 Mio. Euro ausgegeben. Die RAI 17 Mio.
Über ARD/ZDF wird gemutmaßt, dass sie über 40 Mio Euro dafür ausgegeben haben...