05.06.2009 um 12:14 Uhr
Be A Pro
Wenn wir durch die TV-Landschaften zappen, begegnen uns ständig Fußballprofis. Mal bei der Werbung für einen stark zuckerhaltigen Brotaufstrich oder neue Mobiltelefone aus Südkorea, aber auch für Versicherungsgesellschaften, in Nachrichtensendungen mit den Armen weit nach oben gerissen oder mit gesenktem Haupt und Tränen in den Augen. Omnipräsent sind diese uns allen bekannten Gesichter, hinter denen sich wohl meist mehr Angst und Unsicherheit verbirgt, als wir es uns vorstellen können. Ständig im Fokus, immer unter Beobachtung tausender seit einer Bild-Kampagne mit Handykameras auf sie zielenden Bevölkerung, informationsgieriger Fans und Neider. Nicht eine Straße können sie entlang spazieren, ohne einen lauten Zuruf oder eine (je nach Region unterschiedlich ausfallende) Schmähung über sich ergehen lassen zu müssen. Können wir uns überhaupt vorstellen, wie anstrengend und stellenweise wirklich widerwärtig so ein Leben der Profis aussehen kann? Wie ist es denn, wenn man kaum Privatsphäre hat? Kann man das Leben noch genießen?
Bild dir deine Meinung
Stellvertretend für den Medienzirkus steht eine große Tageszeitung, die uns alle tagtäglich mit neuen Gerüchten und Skandalen versorgt, um unseren Alltag amüsanter zu gestalten. Keiner kann sich von dieser Schuld freisprechen, jeder ist in gewisser Weise mitverantwortlich für das, was uns serviert wird. Die Masse kauft es, also ist es gewollt. Die Nachfrage nach Geschichten für die Frühstückspause oder die Kippe zwischendurch ist da, also wird das Angebot stetig darauf ausgelegt sein, unsere Sensationsgier zu stillen.
Doch wie ist das für einen Profi, einen Sportler, der seit jungen Jahren nur im Fokus steht?
Es ist eine unglaubliche Belastung, ein Objekt der Medien zu sein, die nur auf einen weiteren Fehltritt pochen. Nur wenige sind Lieblinge der Presse und der Fans, was früher verschmerzt wurde, landet heute Stunden nach dem Fiasko auf youtube. Eine Generation der Allwissenden überspült die Welt der (noch) Ahnungslosen mit einzelnen Ausrissen aus den Leben der Profis, wobei die negativen Aspekte für mehr Furore sorgen.
Leisetreter & Lautverdreher
Viele Profis versuchen gerade aufgrund dieser schwierigen Voraussetzungen möglichst wenig der Öffentlichkeit preiszugeben, leben hinter hohen Zäunen und Mauern, abgeschirmt von den sich aufdrängenden Paparazzi und unangenehm nahe tretenden Fans, die zwar nur einen Schnappschuss mit ihrem Idol wollen, aber in ihrer Art auch sehr anstrengend sein können. Sie leben in streng gegliederten Abläufen, auf Leistung getrimmt und von der Öffentlichkeit stetig aufs Neue geprüft, erleben sie viel zu oft, wie die Schattenseiten unserer medialen Hightech-Welt aussehen. Bei Klagen gelten sie schnell als Sensibelchen oder Leisetreter, bei stolzen, Erwartungen erregenden Ankündigungen als Großmäuler fern der Realität.
Dieser Druck hat so einige Profis zerbrechen lassen, ein als ewiges Talent bekannter Lars Ricken kann davon wohl ein Lied singen. Ein schon mit 18 Jahren von allen gefeierter Messi, der sich aufgrund der enormen Erwartungshaltung immer wieder beweisen wollte, könnte glatt zwei Bücher damit füllen. Es ist ein Tanz auf der schmalen Klinge zwischen Häme und Spott oder großen Leistungen und der Liebe vieler Fans. Nicht jeder kann damit umgehen, Sebastian Deisler litt unglaublich unter dem um ihn entstandenen Hype eines nächsten Megastars.
Am Limit
Zwischen Training, Interviews, Intensivbetreuung, Sponsorenveranstaltungen, Spieltagen, Pokalbegegnungen und Freundschaftsspielen gibt es nur vom Coach verordnete Ruhepausen. Während die gefragten Profis im ZDF Sportstudio glücklich über die Einladung wirken, verbirgt sich hinter dem aufgetragenen Lächeln häufig auch die Erschöpfung und verschiedene Leiden einer Kräfte raubenden Spielzeit, die bis in die Winter- bzw. Sommerpause getragen werden. Nun könnte man Mitleid für diese Millionäre empfinden, aber natürlich war es deren freier Wunsch sich auf das Wagnis Profisport einzulassen. Vollkommen zu Recht ist die Beanspruchung höher als bei vielen anderen Berufstätigen, doch wird das von vielen schnell überbewertet. Der körperlichen Belastung stehen Faktoren gegenüber, die die meisten Fans und Kritiker der Gehaltsgerüste nie erleben werden. Es geht an die Psyche, wenn es wochen- oder gar monatelang nicht rundläuft, die Fans Stimmung gegen den Spieler machen (Kuranyi, Podolski, etc.) und die Medien selbiges nach dem Spiel austragen. Schnell können solche Erfolglosigkeitsphasen auch Einfluss auf die Gesundheit nehmen, was dann nicht mehr tragbar ist. Die Risiken des Profisports sind also unabhängig der Sportart immer vielschichtig.
Nach der aktiven Karriere
Gerade bei Profis, die jahrelang im Mittelpunkt standen, bricht häufig nach und nach eine kleine Welt zusammen, wenn der so zur Gewohnheit gewordene Alltag plötzlich nicht mehr da ist. Der Verlust des Medieninteresses und das langsam eintretende Vergessenwerden sind nicht für jeden der Ex-Profis leicht zu verkraften. Viele beginnen zu wanken, sich von falschen Freunden um das Vermögen bringen zu lassen, ist nicht wenigen dieser leichtgläubigen, oft zu gutmütigen Menschen passiert. Das Glashaus des Profidaseins zerbricht mit jedem Steinschlag des wirklichen Lebens, in welchem sie sich nicht immer schnell einfinden können. Manche schaffen den Schritt in eine Karriere nach dem aktiven Profisport, wobei das nicht so viele sind, wie man vielleicht denken könnte. Die großen Namen begleiten uns länger, viele andere verschwinden binnen weniger Jahre in der Versenkung. So ist das Leben eines Profis, es kennt keine Grenzen
– nicht nach oben, nicht nach unten.
Auch wenn es uns leicht fällt über sie zu urteilen, so sollten wir uns ab und zu auch mal dazu durchringen über ihre Fehler hinweg zu sehen. Nicht zu Unrecht heißt es:
Nobody's perfect.
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Stellvertretend für den Medienzirkus steht eine große Tageszeitung, die uns alle tagtäglich mit neuen Gerüchten und Skandalen versorgt, um unseren Alltag amüsanter zu gestalten. Keiner kann sich von dieser Schuld freisprechen, jeder ist in gewisser Weise mitverantwortlich für das, was uns serviert wird. Die Masse kauft es, also ist es gewollt. Die Nachfrage nach Geschichten für die Frühstückspause oder die Kippe zwischendurch ist da, also wird das Angebot stetig darauf ausgelegt sein, unsere Sensationsgier zu stillen.
Doch wie ist das für einen Profi, einen Sportler, der seit jungen Jahren nur im Fokus steht?
Es ist eine unglaubliche Belastung, ein Objekt der Medien zu sein, die nur auf einen weiteren Fehltritt pochen. Nur wenige sind Lieblinge der Presse und der Fans, was früher verschmerzt wurde, landet heute Stunden nach dem Fiasko auf youtube. Eine Generation der Allwissenden überspült die Welt der (noch) Ahnungslosen mit einzelnen Ausrissen aus den Leben der Profis, wobei die negativen Aspekte für mehr Furore sorgen.
Leisetreter & Lautverdreher
Viele Profis versuchen gerade aufgrund dieser schwierigen Voraussetzungen möglichst wenig der Öffentlichkeit preiszugeben, leben hinter hohen Zäunen und Mauern, abgeschirmt von den sich aufdrängenden Paparazzi und unangenehm nahe tretenden Fans, die zwar nur einen Schnappschuss mit ihrem Idol wollen, aber in ihrer Art auch sehr anstrengend sein können. Sie leben in streng gegliederten Abläufen, auf Leistung getrimmt und von der Öffentlichkeit stetig aufs Neue geprüft, erleben sie viel zu oft, wie die Schattenseiten unserer medialen Hightech-Welt aussehen. Bei Klagen gelten sie schnell als Sensibelchen oder Leisetreter, bei stolzen, Erwartungen erregenden Ankündigungen als Großmäuler fern der Realität.
Dieser Druck hat so einige Profis zerbrechen lassen, ein als ewiges Talent bekannter Lars Ricken kann davon wohl ein Lied singen. Ein schon mit 18 Jahren von allen gefeierter Messi, der sich aufgrund der enormen Erwartungshaltung immer wieder beweisen wollte, könnte glatt zwei Bücher damit füllen. Es ist ein Tanz auf der schmalen Klinge zwischen Häme und Spott oder großen Leistungen und der Liebe vieler Fans. Nicht jeder kann damit umgehen, Sebastian Deisler litt unglaublich unter dem um ihn entstandenen Hype eines nächsten Megastars.
Am Limit
Zwischen Training, Interviews, Intensivbetreuung, Sponsorenveranstaltungen, Spieltagen, Pokalbegegnungen und Freundschaftsspielen gibt es nur vom Coach verordnete Ruhepausen. Während die gefragten Profis im ZDF Sportstudio glücklich über die Einladung wirken, verbirgt sich hinter dem aufgetragenen Lächeln häufig auch die Erschöpfung und verschiedene Leiden einer Kräfte raubenden Spielzeit, die bis in die Winter- bzw. Sommerpause getragen werden. Nun könnte man Mitleid für diese Millionäre empfinden, aber natürlich war es deren freier Wunsch sich auf das Wagnis Profisport einzulassen. Vollkommen zu Recht ist die Beanspruchung höher als bei vielen anderen Berufstätigen, doch wird das von vielen schnell überbewertet. Der körperlichen Belastung stehen Faktoren gegenüber, die die meisten Fans und Kritiker der Gehaltsgerüste nie erleben werden. Es geht an die Psyche, wenn es wochen- oder gar monatelang nicht rundläuft, die Fans Stimmung gegen den Spieler machen (Kuranyi, Podolski, etc.) und die Medien selbiges nach dem Spiel austragen. Schnell können solche Erfolglosigkeitsphasen auch Einfluss auf die Gesundheit nehmen, was dann nicht mehr tragbar ist. Die Risiken des Profisports sind also unabhängig der Sportart immer vielschichtig.
Nach der aktiven Karriere
Gerade bei Profis, die jahrelang im Mittelpunkt standen, bricht häufig nach und nach eine kleine Welt zusammen, wenn der so zur Gewohnheit gewordene Alltag plötzlich nicht mehr da ist. Der Verlust des Medieninteresses und das langsam eintretende Vergessenwerden sind nicht für jeden der Ex-Profis leicht zu verkraften. Viele beginnen zu wanken, sich von falschen Freunden um das Vermögen bringen zu lassen, ist nicht wenigen dieser leichtgläubigen, oft zu gutmütigen Menschen passiert. Das Glashaus des Profidaseins zerbricht mit jedem Steinschlag des wirklichen Lebens, in welchem sie sich nicht immer schnell einfinden können. Manche schaffen den Schritt in eine Karriere nach dem aktiven Profisport, wobei das nicht so viele sind, wie man vielleicht denken könnte. Die großen Namen begleiten uns länger, viele andere verschwinden binnen weniger Jahre in der Versenkung. So ist das Leben eines Profis, es kennt keine Grenzen
– nicht nach oben, nicht nach unten.
Auch wenn es uns leicht fällt über sie zu urteilen, so sollten wir uns ab und zu auch mal dazu durchringen über ihre Fehler hinweg zu sehen. Nicht zu Unrecht heißt es:
Nobody's perfect.
Aufrufe: 333 | Kommentare: 5 | Bewertungen: 5 | Erstellt:05.06.2009
ø 8.2
KOMMENTARE
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05.06.2009 | 14:58 Uhr
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EdHardy22 :
Du hast ihn wohl neu reingestellt den Blog, hatte eben schon versucht dir was dazu zuschreiben. Finde ihn sehr gut, du machst ja ne richtige Blogoffensive. 10 Punkte also und die 1er Bewertung solltest du diesmal ignorieren.
05.06.2009 | 16:39 Uhr
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tobzzzzn : @Eddy
Danke für dein Feedback!Es stimmt, der Blog war heute Morgen kurz online, leider ist nun ein fehlerhafter Link über myspox online. :(
05.06.2009 | 16:43 Uhr
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Habe auch gebloggt, mit massig Feedback, da kannst du dir mal reinziehen, wie ich auf 1er Bewertungen reagiere und wie hart ich mich verteidigen musste
Der Block heißt FC BÖÖÖÖ
05.06.2009 | 22:31 Uhr
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Dreumex :
Mir gefällt dein Blog sehr gut. Von mir bekommst du dafür 10 Punkte.Im Prinzip stimme ich dem kompletten Inhalt zu, jedoch finde ich das die Profis in Form ihres Einkommens ein ordentliches Sümmchen "Schmerzensgeld" für das problematische Profi-Leben bekommen.
05.06.2009 | 22:59 Uhr
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tobzzzzn : @Dreumex
Ich sehe es ähnlich, Profis wird mit den stattlichen Beträgen ordentlich geholfen, diese teilweise leidenvolle Karriere zu überstehen. :)Wobei ich das eher für die körperliche Beanspruchung als "Belohnung" verstehe. Durch den enormen Druck entstandene Störungen, die auf die Psyche hindeuten, kann man allerdings keine Entschädigung verrechnen. Gerade deshalb plädiere ich für mehr Respekt, nicht übertrieben viel, nur nicht das unheilvolle Schmähen und Verspotten über Wochen und Monate oder die sich steigernden "Verfolgungsjagden" (in welcher Form auch immer) auf gerade angesagte Profis - da hört der Spaß dann doch auf.
Schönen Abend wünscht
tobzzzzn
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