04.09.2009 um 18:02 Uhr
Barca - més y menos que un club
Während meines Spanien-Urlaubs (viel zu lang, ich habe die ersten 4 BuLi-Spieltage verpasst) habe ich auch zwei mal den FC Barcelona in Camp Nou besucht: Hier ein kleiner Bericht
Der Spielplan bescherte mir zwei Heimspiele innerhalb von acht Tagen. Zuerst stand am 23.08. das Rückspiel im spanischen Supercup gegen Athletic Bilbao, dem Pokalfinalisten der Vorsaison, an. Acht Tage später begann die neue Saison in der Liga mit dem Heimspiel gegen Gijon, welches zu meinem Glück aufgrund des europäischen Supercups auf den Montag verschoben wurde. Zu meinem Glück, da ich erst am Montag morgen wieder mit dem Flieger aus Santiago in Reus gelandet bin, und so nun auch noch ein "richtiges Pflichtspiel" sehen konnte, um mir meine Eindrücke aus dem Supercup mehr oder weniger bestätigen zu lassen.
Während beider Spiele hatte ich hin und wieder das Gefühl, einer Inszenierung beizuwohnen. Das Publikum hatte eine genaue Vorstellung davon, was es sehen wollte (einen souveränen Sieg, attraktive Spielzüge und wenig Glanzpunkte des Gegners). Die Forderungen wurden früher oder später erfüllt, was das Publikum aber auch als selbstverständlich hinnahm. Die Spiele hatten etwas von einer Oper oder einer Theateraufführung eines bekannten Stückes. Das (positive) Ende stand außer Frage, entscheidend war allein der Weg zum Höhepunkt, und die Frage, welche Akteure dabei besonders herausstechen.
Die Stimmung war – wie es sich für einen sehr (erfolg)reichen Klub gehört – schlecht. Eigentlich möchte ich nicht von Stimmung reden, das was im Stadion herrschte lässt sich besser mit Atmosphäre beschreiben, was nicht unbedingt negativ gemeint sein soll. Das Stadion war bei beiden Spielen mittelmäßig gefüllt. Bei einer Kapazität von 97.000 kamen gegen Bilbao und Gijon jeweils knapp über 60.000 bzw. 70.000 Zuschauer. Die Hauptaktivitäten des Publikums waren raunen, Beifall klatschen sowie pfeifen. Anfeuerungsrufe oder gar –gesänge waren nur sporadisch zu vernehmen.
Eine Art Fanblock war nicht zu sehen. Zwar gab es hinter einem Tor eine größere Gruppe mit mehreren Fahnen, die den lautesten Teil des Stadions bildeten. Diese Gruppe würden aber nur Menschen als Fanblock bezeichnen, die dem FC Barcelona etwas Böses wollten.
Wenn nicht gerade geklatscht oder gepfiffen wurde, war der Lärmpegel ziemlich gering, um die Protagonisten auf dem Rasen nicht zu stören… Gegen Gijon konnte man auf der Tribüne einen Ruf vom Spielfeld hören.
Ich habe keine Belege dafür, aber meinem Eindruck nach waren mindestens die Hälfte der Zuschauer Touristen, oder Zuschauer, die nur zu Besuch in der Stadt waren. Damit möchte ich auch erklären, warum ich von Atmosphäre statt Stimmung spreche. Diese auswärtigen Besucher (zu denen ich ja auch zähle) sind keineswegs die überall ungeliebten "Modefans" ohne richtige Ahnung vom Fußball, sondern vielmehr neutrale Fußballfans, die auch mal den FC Barcelona gesehen haben möchten. Diese Zuschauer machen nicht gerade Stimmung, sondern wollen einfach mal Messi, Henry oder Xavi live erleben. Sie klatschen artig Beifall und steigen bei den Barca-Rufen mit ein, mehr aber auch nicht.
Die Arroganz gegenüber dem Gegner wurde schon vor den Spielen deutlich. Ich weiß nicht, ob es in Spanien allgemein so gehandhabt wird, jedoch wurde weder von Bilbao noch von Gijon die Mannschaftsaufstellung vorgelesen oder zumindest auf der Leinwand angezeigt. Ganz Barcelona machte auf mich den Eindruck, als sei es ihnen egal, wer denn der Gegner ist. Wir sind wir, und das reicht uns.
Bilbao und Gijon stellten Gegner da, die auch vom Publikum nicht mit Schmähungen bedacht wurden. Gegnerische Spieler mussten sich erst durch Zeitspiel oder Fouls den Unmut des Publikums auf sich ziehen, um wenigstens ein paar Pfiffe zu ernten.
Beide Spiele konnten von Barcelona mit 3:0 gewonnen werden, wobei die Katalanen aber im Spiel gegen Bilbao deutlich besser spielten (oder spielen durften). Bilbao leistete eigentlich keine Gegenwehr und schoss während des ganzen Spiels nur selten aufs Tor. Sie stellten sich hinten rein und warteten kompakt auf die Angriffswellen der Heimmannschaft, die sich eine Vielzahl hochkarätiger Chancen herausspielte. Barcelona – außer Iniesta mit allen Stars auf dem Feld – konnte die Überlegenheit aber erst in der zweiten Hälfte in Tore durch Messi (2) und Bojan ummünzen.
Gerade das 1:0 war ein typischer Messi, den man mal gesehen haben sollte: Auf rechts in den Strafraum eingedrungen und den Ball aus eigentlich zu spitzem Winkel noch über den herauseilenden Torwart gehoben.
Im Ligaspiel gegen Gijon spielten die Gäste vor allem in der ersten Hälfte gut mit und hatten ihrerseits auch gute Torchancen. Bei Barcelona fehlten neben Iniesta die beiden Außenstürmer Messi und Henry, was das Offensivspiel merklich schwächte. Die berühmten schnellen Angriffe mit direkten Kurzpässen waren nur selten zu sehen. Bezeichnend dafür war, dass die Tore zur schmeichelhaften 2:0-Pausenführung jeweils durch Kopfbälle nach Ecken fielen (Bojan und Keita). Das späte 3:0 ebenfalls durch einen Kopfball (Ibrahimovic) sorgte im Stadion für große Freude und Erleichterung.
Zu deutlich war vorher zu sehen, wie schwer Ibrahimovic ins Spiel kam und teilweise wie ein Fremdkörper wirkte, der an der Abseitslinie auf hohe Bälle wartete. Sein erstes Pflichtspieltor befreite ihn merkbar, so dass er direkt nach Wiederanpfiff mit einem Traumpass Pedro freispielte.
Fortsetzung - Teil 2
Allgemein
Der Spielplan bescherte mir zwei Heimspiele innerhalb von acht Tagen. Zuerst stand am 23.08. das Rückspiel im spanischen Supercup gegen Athletic Bilbao, dem Pokalfinalisten der Vorsaison, an. Acht Tage später begann die neue Saison in der Liga mit dem Heimspiel gegen Gijon, welches zu meinem Glück aufgrund des europäischen Supercups auf den Montag verschoben wurde. Zu meinem Glück, da ich erst am Montag morgen wieder mit dem Flieger aus Santiago in Reus gelandet bin, und so nun auch noch ein "richtiges Pflichtspiel" sehen konnte, um mir meine Eindrücke aus dem Supercup mehr oder weniger bestätigen zu lassen.
Fußball oder Theater?
Während beider Spiele hatte ich hin und wieder das Gefühl, einer Inszenierung beizuwohnen. Das Publikum hatte eine genaue Vorstellung davon, was es sehen wollte (einen souveränen Sieg, attraktive Spielzüge und wenig Glanzpunkte des Gegners). Die Forderungen wurden früher oder später erfüllt, was das Publikum aber auch als selbstverständlich hinnahm. Die Spiele hatten etwas von einer Oper oder einer Theateraufführung eines bekannten Stückes. Das (positive) Ende stand außer Frage, entscheidend war allein der Weg zum Höhepunkt, und die Frage, welche Akteure dabei besonders herausstechen.
Stimmung
Die Stimmung war – wie es sich für einen sehr (erfolg)reichen Klub gehört – schlecht. Eigentlich möchte ich nicht von Stimmung reden, das was im Stadion herrschte lässt sich besser mit Atmosphäre beschreiben, was nicht unbedingt negativ gemeint sein soll. Das Stadion war bei beiden Spielen mittelmäßig gefüllt. Bei einer Kapazität von 97.000 kamen gegen Bilbao und Gijon jeweils knapp über 60.000 bzw. 70.000 Zuschauer. Die Hauptaktivitäten des Publikums waren raunen, Beifall klatschen sowie pfeifen. Anfeuerungsrufe oder gar –gesänge waren nur sporadisch zu vernehmen.
Eine Art Fanblock war nicht zu sehen. Zwar gab es hinter einem Tor eine größere Gruppe mit mehreren Fahnen, die den lautesten Teil des Stadions bildeten. Diese Gruppe würden aber nur Menschen als Fanblock bezeichnen, die dem FC Barcelona etwas Böses wollten.
Wenn nicht gerade geklatscht oder gepfiffen wurde, war der Lärmpegel ziemlich gering, um die Protagonisten auf dem Rasen nicht zu stören… Gegen Gijon konnte man auf der Tribüne einen Ruf vom Spielfeld hören.
Zuschauer
Ich habe keine Belege dafür, aber meinem Eindruck nach waren mindestens die Hälfte der Zuschauer Touristen, oder Zuschauer, die nur zu Besuch in der Stadt waren. Damit möchte ich auch erklären, warum ich von Atmosphäre statt Stimmung spreche. Diese auswärtigen Besucher (zu denen ich ja auch zähle) sind keineswegs die überall ungeliebten "Modefans" ohne richtige Ahnung vom Fußball, sondern vielmehr neutrale Fußballfans, die auch mal den FC Barcelona gesehen haben möchten. Diese Zuschauer machen nicht gerade Stimmung, sondern wollen einfach mal Messi, Henry oder Xavi live erleben. Sie klatschen artig Beifall und steigen bei den Barca-Rufen mit ein, mehr aber auch nicht.
Gegen wen spielen wir heute?
Die Arroganz gegenüber dem Gegner wurde schon vor den Spielen deutlich. Ich weiß nicht, ob es in Spanien allgemein so gehandhabt wird, jedoch wurde weder von Bilbao noch von Gijon die Mannschaftsaufstellung vorgelesen oder zumindest auf der Leinwand angezeigt. Ganz Barcelona machte auf mich den Eindruck, als sei es ihnen egal, wer denn der Gegner ist. Wir sind wir, und das reicht uns.
Bilbao und Gijon stellten Gegner da, die auch vom Publikum nicht mit Schmähungen bedacht wurden. Gegnerische Spieler mussten sich erst durch Zeitspiel oder Fouls den Unmut des Publikums auf sich ziehen, um wenigstens ein paar Pfiffe zu ernten.
Das Sportliche
Beide Spiele konnten von Barcelona mit 3:0 gewonnen werden, wobei die Katalanen aber im Spiel gegen Bilbao deutlich besser spielten (oder spielen durften). Bilbao leistete eigentlich keine Gegenwehr und schoss während des ganzen Spiels nur selten aufs Tor. Sie stellten sich hinten rein und warteten kompakt auf die Angriffswellen der Heimmannschaft, die sich eine Vielzahl hochkarätiger Chancen herausspielte. Barcelona – außer Iniesta mit allen Stars auf dem Feld – konnte die Überlegenheit aber erst in der zweiten Hälfte in Tore durch Messi (2) und Bojan ummünzen.
Gerade das 1:0 war ein typischer Messi, den man mal gesehen haben sollte: Auf rechts in den Strafraum eingedrungen und den Ball aus eigentlich zu spitzem Winkel noch über den herauseilenden Torwart gehoben.
Im Ligaspiel gegen Gijon spielten die Gäste vor allem in der ersten Hälfte gut mit und hatten ihrerseits auch gute Torchancen. Bei Barcelona fehlten neben Iniesta die beiden Außenstürmer Messi und Henry, was das Offensivspiel merklich schwächte. Die berühmten schnellen Angriffe mit direkten Kurzpässen waren nur selten zu sehen. Bezeichnend dafür war, dass die Tore zur schmeichelhaften 2:0-Pausenführung jeweils durch Kopfbälle nach Ecken fielen (Bojan und Keita). Das späte 3:0 ebenfalls durch einen Kopfball (Ibrahimovic) sorgte im Stadion für große Freude und Erleichterung.
Zu deutlich war vorher zu sehen, wie schwer Ibrahimovic ins Spiel kam und teilweise wie ein Fremdkörper wirkte, der an der Abseitslinie auf hohe Bälle wartete. Sein erstes Pflichtspieltor befreite ihn merkbar, so dass er direkt nach Wiederanpfiff mit einem Traumpass Pedro freispielte.
Fortsetzung - Teil 2
Aufrufe: 2243 | Kommentare: 8 | Bewertungen: 12 | Erstellt:04.09.2009
ø 9.3
KOMMENTARE
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05.09.2009 | 13:13 Uhr
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ja ich hatte auch mal das glück im camp nou zu sein aber nur zu besichtigung da war gerade spielpause.... leider
nun die wahren barca fans haben wahrscheinlich alle stadionverbot denn ich war in barcelona als das cl finale gewonnen wurde und da war in der stadt der bär los
das war der absolute wahnsinn
05.09.2009 | 13:56 Uhr
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wie hier auch schon beschrieben dürfen die ultras nicht
mehr ins stadion. hatten das präsidium jahrelang mit
freiem eintritt usw. erpreßt. das war die truppe die stimmung
gemacht hatte - die einzige...
standen immer hinter dem einem tor, ich mal mittendrin,
war froh als das spiel zu ende war...
es gibt einzelne kleinere fangruppen, jedoch im ganzen stadion verteilt. durch die größe des stadions kommt da natürlch
nicht viel bei rum. eine " auswärtskultur " durch gegnerische fans findet nicht statt wie leider in gesamtspanien.
ansonsten opernbublikum und barcelona-besucher.
richtige stimmung gibts wenn real kommt und
cl ab achtelfinale.
mit deutschland oder gar england nicht zu vergleichen
05.09.2009 | 16:49 Uhr
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Würde zu gerne mal beim Clasico dabei sein aber da bekommt man wohl leider keine Karte.
Schön geschrieben der Blog 10 Punkkte
!!!
05.09.2009 | 16:58 Uhr
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benztownrulez93 : messi
ja in spanien sind die ultras teilweise echt psychopathen, nicht nur bei barca sondern auch bei real, atletico, espanyol, fc und betis sevilla.
05.09.2009 | 17:31 Uhr
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Kadengel : Gegner
Sehr schöner Blog. Aber sei mal ehrlich, wenn ich ins Stadion gehe, dann ist mir der Gegner auch erstmal egal. Ich gehe wegen meines Vereins dorthin. Das hat nichts mit Arroganz zu tun, aber man kann bei einigen Vereinen schon froh sein, mal Karten zu bekommen...
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