20.03.2011 um 02:23 Uhr
Analyse: SC-Pressing und Libero
Vor dem Spiel

Bei den Gästen aus München änderte sich im Vergleich zum Champions-League-Spiel gegen Inter nicht viel. Der in der Bundesliga noch gesperrte Breno wurde durch Luiz Gustavo in der Innenverteidigung ersetzt, Kroos und Schweinsteiger bildeten die Doppelsechs.


Die taktische Aufstellung der beiden Mannschaften

Freiburg-Trainer Robin Dutt setzte auf sein schon häufig bewährtes 4-1-4-1, wobei Makiadi oft zu einer hängenden Spitze mutierte und die einzige Spitze Cisse beim Pressing unterstütze. Schuster spielte zwischen den beiden Viererketten eine Art vorgezogenen Libero, er war die Schaltzentrale und diktierte das Tempo im Freiburger Spiel.


Das Spiel durch die Taktik-Brille:

Die Gastgeber begannen mit dem Mut, im Niemandsland der Tabelle zu stehen. Früh pressten die Breisgauer, indem Makiadi bei Münchner Ballbesitz eine zweite Spitze gab und mit Cisse zusammen Druck auf den Spielaufbau ausübte.

Außerdem doppelten die jeweiligen zentralen Mittelfeldspieler in der Viererreihe (Caligiuri, Makiadi) zusammen mit den Flügelspielern Flum und Putsila die jeweilige Seite, wenn Robben oder Ribery angespielt wurden, ohne dass die Abwehr dabei unmittelbar unter Druck geriet.


Freiburger Pressing und Stellungsspiel im ersten Durchgang

Bei eigenem Ballbesitz schafften sich die Freiburger Überzahlsituationen. Einer der beiden Außenverteidiger rückte mit auf, so dass sich eine Fünferreihe zwischen Mittelfeld und Bayern-Strafraum bildete, vor der Cisse permanent Unruhe stiftete.

Die Führung für den FC Bayern folgte fast folgerichtig aus einer Standardsituation. Voraus gegangen war ein langer Ball von van Buyten, zu dem er durch die hohe Laufbereitschaft der Freiburger an der Mittellinie oft gezwungen war. Das Foul an Müller nutzte Ribery zu einer mustergültigen Flanke, die
Gomez einnickte. Die Bayern hatten in den ersten zehn Minuten zwar fast schon normale 68% Ballbesitz, die einzige Torchance war allerdings der Freistoß zur Führung.

Freiburg ließ sich allerdings vom Gegentor nicht beeindrucke. Schuster, zwischen den beiden Viererreihen, agierte wie eine Art Libero. Er war omnipräsent, verteilte die Bälle klug und lieferte auch einige gefährliche Anspiele in den Lauf von Cisse. Ein solcher Pass von Schuster in die Spitze war es auch, der zum Elfmeter für die Breisgauer führte. Zwischen der 11. und der 20. Minute, als Freiburg einen Elfmeter und den Ausgleich verbuchen konnte, hatten die Breisgauer 55% Ballbesitz und erarbeiteten sich Chance um Chance.

Offensiv fand der FC Bayern im ersten Durchgang quasi nicht statt. Die Freiburger hatten mit ihrer Viererkette, die sich kurz hinter der Mittellinie postierte, jederzeit Zugriff auf die kurzen Anspielstationen für die Münchner Abwehr, und Cisse setzte den ballführenden Abwehrspieler, meist van Buyten, stark unter Druck, so dass dieser oft zum langen Ball gezwungen war.

Die Wende in Durchgang Zwei:

Im zweiten Durchgang gelang es den Münchnern dann, den zunehmend müderen Freiburgern den Zahn zu ziehen. Nicht durch eine taktische Glanzleistung, sondern vor allem durch harte Arbeit und viel Laufbereitschaft. Statistischer Nachweis: Die Bayern hatten 61,4% Ballbesitz und gewannen 56% der Zweikämpfe. Die Viererkette stand höher, somit wurde Freiburg konsequent weiter hinten rein gedrängt und empfing die Bayern oft erst in der eigenen Hälfte.

Die Außenverteidiger Lahm und Pranjic gingen deutlich mehr mit nach vorne, unterstützten die Flügel und schafften Anspielstationen hinter dem Freiburger Mittelfeld, was die Bayernabwehr, namentlich van Buyten, nicht mehr so oft zum langen Ball zwang. Auch Müller agierte variabler, attackierte die Freiburger früh und rieb sich um Gomez herum bis zu seiner Auswechslung nach 72 Minuten auf. Für Müller kam Klose, die Bayern ab der 72. Minute dann mit einem 4-4-2.


Bayern-Offensive in der zweiten Halbzeit

Mit fortlaufender Spieldauer hatten die Gäste aus München sich wieder ein deutliches Plus an Ballbesitz erarbeitet und ließen die Freiburger laufen, worunter das Pressing der Breisgauer sichtlich litt. So war es oft nur noch Cisse der den Spielaufbau der Münchner störte, während Makiadi tiefer stand. Luiz Gustavo und van Buyten wurden immer sicherer in der Defensive und hatten bei den kurzen Pässen deutlich mehr Anspielstationen, was dem Spielaufbau der Bayern sehr gut tat.

Das Spiel hatte sich spätestens Mitte der zweiten Halbzeit endgültig gedreht. Die Bayern bissen sich zunehmend in der Freiburger Hälfte fest und hatten mehrere Torchancen. Freiburg fiel oft nur noch der lange Ball ein, außerdem leisteten sich die Breisgauer in der Schlussphase zu viele leichte Ballverluste. Über 75% Ballbesitz in der Schlussviertelstunde, großer Zug zum Tor und dann auch die individuelle Klasse von Ribery retteten den Münchnern den wichtigen Auswärtssieg. Es war bereits das 18. Tor der Münchner in der Schlussviertelstunde in dieser Saison.


Die personelle Analyse:

Bei den Bayern zeigten sich mit van Buyten und Schweinsteiger zwei Kandidaten deutlich rehabilitiert. Der Belgier in der Innenverteidigung gewann 100% seiner Zweikämpfe, hatte 111 Ballkontakte und bügelte häufiger für den in der Anfangsphase indisponierten Luiz Gustavo aus. Besonders die Anfälligkeit in der Luft, schmerzhaft für die Münchner erfahren gegen Dortmund und Schalke, wurde abgestellt: 75% der Luftduelle gingen an die Bayern.

Schweinsteiger hatte 87 Ballkontakte und brachte 92% seiner Pässe zum Mitspieler. Beeindruckender waren aber seine Körpersprache und die Laufbereitschaft. Oft holte er sich die Bälle ganz hinten in der Viererkette, er half allerdings auch dort aus, wo er gebraucht wurde.

Negativ fiel allen voran Luiz Gustavo auf. Der Brasilianer fing sich zwar im zweiten Durchgang, war vor der Pause aber völlig indisponiert gegen den wendigen und schnellen Cisse, und verlor fast jeden Zweikampf. Durch Stellungs- bzw. Kommunikationsprobleme Gustavos kamen auch der Elfmeter und der Ausgleich zustande. Auch Toni Kroos kam im defensiven Zentrum nicht wirklich zum Zuge, erst als die Mannschaft insgesamt im zweiten Durchgang offensiver spielte, trat auch Kroos mehr in Erscheinung.

Bei Freiburg gab es keine wirklichen Negativbeispiele in einer mannschaftlich geschlossenen und kompakten Leistung. Positiv heraus stachen besonders die eifrigen Makiadi und Schuster, die dem Spiel Struktur und Ordnung verliehen und besonders in der ersten Halbzeit für das Pressing (Makiadi) sowie das schnelle Umschalten nach den hohen Bällen der Münchnern (Schuster) verantwortlich waren.
Aufrufe: 2290 | Kommentare: 9 | Bewertungen: 5 | Erstellt:20.03.2011
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KOMMENTARE
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scFüchsle
20.03.2011 | 12:41 Uhr
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20.03.2011 | 12:41 Uhr
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Sehr gute Analyse des Spiels!
SpinEnergy
20.03.2011 | 13:43 Uhr
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SpinEnergy : 
20.03.2011 | 13:43 Uhr
+1
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SpinEnergy : 
Wirklich klasse Analyse.
Eindeutig verdiente 10 Punkte.
possessionplay
20.03.2011 | 14:00 Uhr
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20.03.2011 | 14:00 Uhr
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Wirklich gut und sachlich geschrieben. Schön und weiter so
adriano0589
20.03.2011 | 14:06 Uhr
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20.03.2011 | 14:06 Uhr
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Danke schonmal für die positive Kritik!!

@possession
Hast ne PM
possessionplay
20.03.2011 | 14:06 Uhr
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20.03.2011 | 14:06 Uhr
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@ adriano

Hab schon geantwortet :p
Voegi
MODERATOR
20.03.2011 | 14:17 Uhr
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Voegi : 
20.03.2011 | 14:17 Uhr
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Voegi : 
sehr saubere analyse, der ich nur uneingeschränkt zustimmen kann.
bayern spielte m.e. ein ganz schwache erste halbzeit und fand kein mittel gegen das freiburger pressing. in der 2. hz. sah das - wie du richtig schreibst - wesentlich besser aus. freiburg wurde müde und bayern stand einfach besser. aber die bayern-abwehr hat abermals einen äußerst unsicheren eindruck gemacht.
adriano0589
20.03.2011 | 14:23 Uhr
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20.03.2011 | 14:23 Uhr
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@Voegi

Absolut. Man könnte auch sagen: Gustavo hat eindrucksvoll gezeigt, dass er kein IV ist, Kroos aber gleichzeitig auch, dass er kein DM ist. Als Kroos weiter vorne war in der zweiten Halbzeit hatte er viel mehr Einfluss aufs Spiel, in der Defensive aber ist er einfach nicht so präsent. Das entschuldigt natürlich die Stellungsfehler von Gustavo nicht, trotzdem bin ich weiterhin für Gustavo auf der 6, mal schauen ob van Gaal gegen Gladbach Breno neben van Buyten (wow, Respekt für die Leistung gestern!!) bringt!
Voegi
MODERATOR
20.03.2011 | 14:27 Uhr
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Voegi : 
20.03.2011 | 14:27 Uhr
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Voegi : 
sehe kroos auch eher offensiv und gustavo - genau wie du - auf der 6. kroos ist sicher ein guter zehner, kann aber auch gut außen spielen. für mich der perfekte offensib-backup, der wahlweise robben/müller/ribéry ersetzen kann.
adriano0589
20.03.2011 | 18:51 Uhr
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20.03.2011 | 18:51 Uhr
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Mit dem Kroos-Backup für Ribery und Robben tue ich mich noch schwer, weil es schon ein anderes Spiel mit Kroos außen ist. Er ist eben kein Tempodribbler, sondern eher ein Spielgestalter. Aber ich bin auf jeden Fall schon extrem gespannt was Heynckes mit ihm anstellt!
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