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17.03.2010 um 20:14 Uhr
An die Funktionäre
"Roman can you pay
Can you pay our bills
Can you pay our bills for us
Can you pay our bills for us"
[Fanlied über den Chelsea Football Club]


Gibt es solche Spottgesänge auch bald in unserer "geliebten" Bundesliga?

Betrachtet man die aktuelle wirtschaftliche Lage einiger Vereine der englischen Premier League, dürfte den Fans hierzulande vor dem Hintergrund der von einigen propagierten Abschaffung der 50plus1-Regel, schon Angst und Bange werden. Einige englische Klubs (bspw. Manchester United, FC Liverpool, West Ham United, usw.) müssen auf Grund ihrer finanziellen Schieflage um die Existenz bangen bzw. durch den Verkauf ihrer zum Teil wichtigsten Spieler eine gezwungene Umstrukturierungen vornehmen.
Um die Vorgehensweise einiger Investoren zu verdeutlichen, soll an dieser Stelle der amerikanische Investor Malcom Glazer als Beispiel angeführt werden. Im Jahre 2005 erwarb dieser, bei Manchester United die Aktienmehrheit und trat mit dem Ziel an, die Erlöse bis zum Jahr 2010 um 52 % zu steigern. Diese Erlössteigerung sollte durch erhöhte Eintrittskartenpreise und Einsparungen bei Ausgaben für Spielerkäufe realisiert werden. Dieses Beispiel verdeutlicht auf tragische Art und Weise die weit klaffende Lücke zwischen traditionsbewussten Fußballklubs und straff geführten Wirtschaftsunternehmen.
Die sportlichen Ziele und Identifikationswerte der Fans treten bei derartigen Vorhaben verstärkt in den Hintergrund. Insbesondere die Vorgehensweise der Finanzierung zum Erwerb der Aktienmehrheit im Falle Manchester United weißt moralische Zweifel auf. Glazer finanzierte den Kauf des Vereins durch Darlehen, die er anschließend im vollen Umfang auf den Verein übertrug sodass dieser jährlich mehr als 20 Millionen Pfund Tilgungsbelastung bewerkstelligen muss.
Diese Entwicklungen führten in ihrer Gesamtheit dazu, dass sich verärgerte Fans vom Verein abgespaltet haben und den Verein "FC United of Manchester" als Protest gründeten. Bemerkenswert ist, dass trotz der Zugehörigkeit des Vereins zu einer unterklassigen Liga 2000-3000 Zuschauer die Heimspiele besuchen.

Abschaffung der 50plus1-Regel für die Bundesliga sinnvoll?

Aus Sicht der Fans, ist die Abschaffung nicht zu begrüßen. Als Gründe hierfür können verringerte Einflussmöglichkeiten angeführt werden. Durch die Übernahme von Investoren werden primär wirtschaftliche Zielsetzungen verfolgt und die Berücksichtigung des Fans als Existenzgrundlage des Vereins tritt in den Hintergrund. Aus Sicht des Ligapräsidenten Dr. Reinhard Rauball ist ein "Erfolgsfaktor der Bundesliga die Stabilität, Kontinuität und Nähe zum Fan" welcher durch Abschaffung der 50plus1-Regel verloren gehen könnte. Durch eine hohe Abhängigkeit, Fremdbestimmtheit und zunehmenden Kurzfristorientierung auf Investorenseite werden genau diese Stärken untergraben.
Aus Sicht der kleineren Vereine besteht ein Argument für die Abschaffung der 50plus1-Regel in der Beschaffung von neuem, frischem Kapital. Mit den neuen Finanzmitteln versprechen sich die Befürworter der Abschaffung eine Erhöhung der Chancengleichheit in der Bundesliga, da durch kreative Investorenbeschaffung die Lücke zu den etablierten Vereinen geschlossen werden kann. Es ist utopisch anzunehmen, dass auf diese Art und Weise eine Chancengleichheit angestrebt werden könnte, da sich Kapitalgeber in erster Linie nach lukrativen Investitionen umsehen werden. Schlussfolgerung aus dieser Betrachtung ist, dass kleinere Vereine wohl auch eher finanzschwächere Investoren abbekommen werden und größere Vereine dementsprechend ihren Vorsprung durch finanzstärkere Investoren vergrößern.
Exemplarisch könnte an dieser Stelle der Fall Eintracht Braunschweig angeführt werden, der als erster deutscher Verein den damals innovativen Weg der Trikotwerbung für sich nutzte. Mit dem Verein Eintracht Braunschweig, können viele Sportinteressierte mittlerweile nur noch das kultige Jägermeistertrikot assozieren.
Ein Blick zurück auf die Champions-League der letzten Jahre verdeutlicht, dass mehrheitlich englische Teams dominant waren. Sollte ein deutscher Fußballfan da neidisch auf die Insel blicken und die Zulassung der Investoren befürworten? Aus obiger Perspektive als auch aus Sichtweise der deutschen Spitzenklubs ist dies abzulehnen. Eine Wettbewerbsverzerrung im internationalen Vergleich ist vielmehr auf die ungleichverteilten Fernsehgelder zurückzuführen. Die Bundesliga besitzt in dieser Hinsicht einen eindeutigen Wettbewerbsnachteil gegenüber Ländern wie Spanien und England. Laut Uli Hoeneß klafft momentan eine Lücke von 100 Millionen € zur internationalen Konkurrenz.

Andere Sportarten als Vorbild?!

Abschließend bleibt festzuhalten, dass es viele gute Gründe für eine Regulierung des Profifußballs gibt, so etwa die Sicherstellung der Leistungsstärke und der Unversehrtheit des Wettbewerbs. Wenn die nationale Meisterschaft bzw. internationale Trophäen nur unter wenigen finanzstarken Vereinen ausgespielt werden und der sportliche Erfolg überwiegend durch Investoren bestimmt wird, leidet darunter insbesondere das Interesse der Zuschauer. Dies haben auch die US-amerikanischen Profiligen erkannt und aus diesem Grund eine Beschränkung bei den Spielergehältern und den Gehaltsetats (salary caps), vorgenommen. Derartige Maßnahmen sollen einheitliche Startvoraussetzungen garantieren und so für spannenden sowie begeisternden Sport aus Sicht des Fans führen. Die DFL ist in ihrem Vorgehen von der internationelen Konkurrenz (Premier League, Primera Division etc.) abhängig.
Der Appell richtet sich somit an Funktionäre der FIFA und UEFA, die sich zumindest teilweise an dem amerikanischen Vorbild orientieren sollten um faire Rahmenbedingungen im Fußball gewährleisten zu können.

Aufrufe: 3542 | Kommentare: 3 | Bewertungen: 8 | Erstellt:17.03.2010
ø 8.9
KOMMENTARE
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BKHB
17.03.2010 | 20:36 Uhr
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BKHB : 
17.03.2010 | 20:36 Uhr
+3
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BKHB : 
Interessant und gut aufbereitete Darstellung zum Thema 50+1-Regel.
Ich würde mich freuen, wenn die angesprochenen Funktionäre den ein oder anderen Aspekt in ihren Plänen berücksichtigen könnten!
hansi12345
18.03.2010 | 09:36 Uhr
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hansi12345 : Pro Chancengleichheit
18.03.2010 | 09:36 Uhr
+3
0
hansi12345 : Pro Chancengleichheit
Gutes Blog!
Nur so kann es im Fußball dazu kommen, dass es einen gerechten Wettbewerb gibt. Hoffentlich werden diese Vorschläge irgendwann mal umgesetzt!
Zyrock
19.03.2010 | 10:11 Uhr
+1
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Zyrock : 
19.03.2010 | 10:11 Uhr
+1
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Zyrock : 
10 Punkte für einen sehr gut geschriebenen Blog!

Ich bin, wie ich bei entsprechenden Themen schon öfter geäußert habe, grundsätzlich sehr anderer Meinung. Die 50+1 Regelung in ihrer aktuellen Form ist eine riesige Ausgeburt der Ungerechtigkeit. Bayer Leverkusen, der Vfl Wolfsburg und 1899 Hoffenheim werden geduldet, weil sie offiziell die Voraussetzungen erfüllen, de facto aber ganz andere Möglichkeiten haben, als die "normalen" 50+1 Clubs (mit Ausnahme der Bayern, die sich diesen Vorteil über Jahrzehnte erarbeitet haben).

Deshalb nach wie vor meine Forderung: entweder alle (= Weg mit 50+1), oder keiner (= Weg mit Wolfsburg, Hoffenheim und Leverkusen).

Da fällt mir noch ein: es ist natürlich für Gegner der Abschaffung ein gefundenes Fressen, was Glazer und sein Clan mit Man Utd. gemacht haben, was gerade im Rahmen der aktuellen (von den deutschen Medien nach wie vor einfach ignorierten) Proteste sehr deutlich wird. Aber es ist die sehr, sehr, sehr negative Ausnahme.
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