06.06.2010 um 21:15 Uhr
285 Wochen für die Ewigkeit?
Heute, am 06.06.2010, hat Rafael Nadal zum fünften Mal die French Open gewonnen und übernimmt somit ab morgen die Führung in der Weltrangliste der ATP, was ihm bisher erst vom 18. August 2008 bis zum 6. Juli 2009 gelungen war.
Was viele dabei nicht wissen, der bisherige Weltranglistenerste, Roger Federer, welcher neben einmaligen 15 Grand-Slam-Siegen, 23 Halbfinalteilnahmen in Folge (bis zum Aus im Viertelfinale in diesem Jahr gegen den unterlegenen French-Open Finalisten Robin Söderling) auch noch etliche andere, bisher einmalige Rekorde erzielen konnte.
Ein kleiner Schritt zur Unsterblichkeit fehlt ihm dabei aber noch, mit 285 Wochen an der Spitze der Tenniswelt fehlt ihm nur noch eine Woche, um mit dem großen Pete Sampras gleichzuziehen, welcher es auf 286 Wochen brachte.
Die große Frage, die sich mir als Statistik-Fanatiker dabei stellt, ist folgende:
Wird Roger Federer noch einmal die Spitze erklimmen?
Ein kleiner Blick in die Fakten:
Mit dem morgigen Tag wird die Spitze wie folgt aussehen:
1. Rafael Nadal 8700 Punkte
2. Roger Federer 8390 Punkte
Eine kleine Einführung in die Berechnung für diejenigen, die nicht wissen, wie die Weltrangliste sich berechnet:
Die Liste berechnet sich immer genau für den Zeitraum von genau vor einem Jahr bis jetzt, heißt im Klartext, die morgen erscheinende Weltrangliste berechnet sich aus den erspielten Punkten ab dem Ende der French Open 2009 bis zum Ende der French Open 2010.
Somit ist es auch möglich, dass Roger Federer von einem Tag auf den anderen satte 3460 Punkte auf Rafael Nadal verliert, das dazugehörige Rechenbeispiel:
Roger Federer = 10030 (Stand bis heute) - 2000 (Punkte für den Sieg 2009) plus 360 (Punkte für das erreichte Viertelfinale 2010) = 8390
Rafael Nadal= 6880 (Stand bis heute) - 180 (Achtelfinale 2009) plus 2000 (Sieg 2010) = 8700
Der weitere Fahrplan:
Beide spielen vor Wimbledon in der kommenden Woche noch ein Turnier auf Rasen (Nadal in Queens und Federer in Halle)
Da beide im letzten Jahr für diese Turniere pausierten, können beide bei einem Sieg jeweils 250 Punkte für die Weltrangliste gewinnen, somit bleibt Nadal bei momentan 310 Punkten Differenz definitiv vorn.
Nun folgt der große Knackpunkt:
Rafael Nadal nahm 2009 nicht an Wimbledon teil, Roger Federer gewann das Turnier! Sollte Rafael Nadal also nur teilnehmen und in der ersten Runde aussscheiden, während Roger Federer seinen Titel verteidigt, macht Nadal trotzdem 10 Punkte "Antrittsprämie" auf Federer gut, der selbst bei Titelgewinn seine Punkteanzahl nicht vergrößern kann.
Das könnte man jetzt endlos weiterspinnen und Szenarien bauen, in denen Nadal nach Wimbledon bis zu 4300 Punkte Vorsprung auf Federer hat, das ist aber alles Gedankenspielerei, fest steht jedoch, dass Nadal nach Wimbledon seinen Vorsprung in jedem Fall ausgebaut haben wird.
Bei den anschließenden US Open erreichte Nadal 2009 das Halbfinale (720 Punkte), während Federer im Finale unterlag (1200 Punkte), aber im Folgenden möchte ich nicht mehr auf Gedankenspiele eingehen, sondern vielmehr erörtern, weshalb ich denke, dass Rafa Nadal gute Chancen hat, die Spitze für mehrere Jahre zu behalten.
Zum einen ist Rafael Nadals letztjähriges Tief mit Sicherheit überwunden, Mitte April gewann er sein erstes Turnier nach fast einem Jahr Pause und hat seitdem mit den French Open bereits sein viertes Turnier gewonnen (wobei bemerkt werden muss, dass all diese Siege auf sandigem Untergrund waren).
Auch seine langwierigen Probleme mit den Knien sind überwunden, da seine Lauftechnik ein wenig gelenkschonender geworden ist durch gezieltes Training. Zudem hat er seinen recht langsamen Aufschlag ín den letzten Monaten verbessert.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist seine mentale Stärke. Er fiel in ein tiefes Loch, nachdem sich seine Eltern voriges Jahr trennten, dieses scheint nun überwunden. In spielentscheidenden Situationen ist seine Nervenstärke ähnlich wie die von Federer bemerkenswert.
Als kleinen Punkt pro Nadal könnte man noch anmerken, dass Federer Anfang August 29 wird und möglicherweise nur noch 3-4 Jahre auf absolutem Weltklasse-Niveau weiterspielen kann und möchte, wohingegen Nadal mit gerade einmal 24 noch lange Zeit auf dem Circuit vor sich hat.
Bevor sich hier jetzt einige Comments damit überschlagen, ich wäre der Federer-Hater schlechthin, liegt damit leider falsch, ich habe unter beiden keinen eindeutigen Favoriten, ich bewundere Federer für seine deutlich bessere Technik (seine Stops sind unglaublich) und Nadal für die Fähigkeit, längst verlorene Bälle doch noch zu erlaufen.
Es ist eher so, dass ich in Wimbledon für Nadal bin und auf Sand für Federer, oder um es noch besser auszudrücken, ich hoffe bei Aufeinandertreffen der beiden immer auf ein 15-13 im fünften Satz, damit ich möglichst lange unterhalten werde.
Ich wünsche Federer von ganzem Herzen, die 300 Wochen Weltspitze zu schaffen und denke auch, er könnte es schaffen, allerdings ist das von mir beschriebene Szenario meiner Meinung nach ebenso denkbar.
Bin für Anregungen sehr dankbar ;)
MfG Nember
Was viele dabei nicht wissen, der bisherige Weltranglistenerste, Roger Federer, welcher neben einmaligen 15 Grand-Slam-Siegen, 23 Halbfinalteilnahmen in Folge (bis zum Aus im Viertelfinale in diesem Jahr gegen den unterlegenen French-Open Finalisten Robin Söderling) auch noch etliche andere, bisher einmalige Rekorde erzielen konnte.
Ein kleiner Schritt zur Unsterblichkeit fehlt ihm dabei aber noch, mit 285 Wochen an der Spitze der Tenniswelt fehlt ihm nur noch eine Woche, um mit dem großen Pete Sampras gleichzuziehen, welcher es auf 286 Wochen brachte.
Die große Frage, die sich mir als Statistik-Fanatiker dabei stellt, ist folgende:
Wird Roger Federer noch einmal die Spitze erklimmen?
Ein kleiner Blick in die Fakten:
Mit dem morgigen Tag wird die Spitze wie folgt aussehen:
1. Rafael Nadal 8700 Punkte
2. Roger Federer 8390 Punkte
Eine kleine Einführung in die Berechnung für diejenigen, die nicht wissen, wie die Weltrangliste sich berechnet:
Die Liste berechnet sich immer genau für den Zeitraum von genau vor einem Jahr bis jetzt, heißt im Klartext, die morgen erscheinende Weltrangliste berechnet sich aus den erspielten Punkten ab dem Ende der French Open 2009 bis zum Ende der French Open 2010.
Somit ist es auch möglich, dass Roger Federer von einem Tag auf den anderen satte 3460 Punkte auf Rafael Nadal verliert, das dazugehörige Rechenbeispiel:
Roger Federer = 10030 (Stand bis heute) - 2000 (Punkte für den Sieg 2009) plus 360 (Punkte für das erreichte Viertelfinale 2010) = 8390
Rafael Nadal= 6880 (Stand bis heute) - 180 (Achtelfinale 2009) plus 2000 (Sieg 2010) = 8700
Der weitere Fahrplan:
Beide spielen vor Wimbledon in der kommenden Woche noch ein Turnier auf Rasen (Nadal in Queens und Federer in Halle)
Da beide im letzten Jahr für diese Turniere pausierten, können beide bei einem Sieg jeweils 250 Punkte für die Weltrangliste gewinnen, somit bleibt Nadal bei momentan 310 Punkten Differenz definitiv vorn.
Nun folgt der große Knackpunkt:
Rafael Nadal nahm 2009 nicht an Wimbledon teil, Roger Federer gewann das Turnier! Sollte Rafael Nadal also nur teilnehmen und in der ersten Runde aussscheiden, während Roger Federer seinen Titel verteidigt, macht Nadal trotzdem 10 Punkte "Antrittsprämie" auf Federer gut, der selbst bei Titelgewinn seine Punkteanzahl nicht vergrößern kann.
Das könnte man jetzt endlos weiterspinnen und Szenarien bauen, in denen Nadal nach Wimbledon bis zu 4300 Punkte Vorsprung auf Federer hat, das ist aber alles Gedankenspielerei, fest steht jedoch, dass Nadal nach Wimbledon seinen Vorsprung in jedem Fall ausgebaut haben wird.
Bei den anschließenden US Open erreichte Nadal 2009 das Halbfinale (720 Punkte), während Federer im Finale unterlag (1200 Punkte), aber im Folgenden möchte ich nicht mehr auf Gedankenspiele eingehen, sondern vielmehr erörtern, weshalb ich denke, dass Rafa Nadal gute Chancen hat, die Spitze für mehrere Jahre zu behalten.
Zum einen ist Rafael Nadals letztjähriges Tief mit Sicherheit überwunden, Mitte April gewann er sein erstes Turnier nach fast einem Jahr Pause und hat seitdem mit den French Open bereits sein viertes Turnier gewonnen (wobei bemerkt werden muss, dass all diese Siege auf sandigem Untergrund waren).
Auch seine langwierigen Probleme mit den Knien sind überwunden, da seine Lauftechnik ein wenig gelenkschonender geworden ist durch gezieltes Training. Zudem hat er seinen recht langsamen Aufschlag ín den letzten Monaten verbessert.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist seine mentale Stärke. Er fiel in ein tiefes Loch, nachdem sich seine Eltern voriges Jahr trennten, dieses scheint nun überwunden. In spielentscheidenden Situationen ist seine Nervenstärke ähnlich wie die von Federer bemerkenswert.
Als kleinen Punkt pro Nadal könnte man noch anmerken, dass Federer Anfang August 29 wird und möglicherweise nur noch 3-4 Jahre auf absolutem Weltklasse-Niveau weiterspielen kann und möchte, wohingegen Nadal mit gerade einmal 24 noch lange Zeit auf dem Circuit vor sich hat.
Bevor sich hier jetzt einige Comments damit überschlagen, ich wäre der Federer-Hater schlechthin, liegt damit leider falsch, ich habe unter beiden keinen eindeutigen Favoriten, ich bewundere Federer für seine deutlich bessere Technik (seine Stops sind unglaublich) und Nadal für die Fähigkeit, längst verlorene Bälle doch noch zu erlaufen.
Es ist eher so, dass ich in Wimbledon für Nadal bin und auf Sand für Federer, oder um es noch besser auszudrücken, ich hoffe bei Aufeinandertreffen der beiden immer auf ein 15-13 im fünften Satz, damit ich möglichst lange unterhalten werde.
Ich wünsche Federer von ganzem Herzen, die 300 Wochen Weltspitze zu schaffen und denke auch, er könnte es schaffen, allerdings ist das von mir beschriebene Szenario meiner Meinung nach ebenso denkbar.
Bin für Anregungen sehr dankbar ;)
MfG Nember
Aufrufe: 573 | Kommentare: 3 | Bewertungen: 5 | Erstellt:06.06.2010
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07.06.2010 | 11:03 Uhr
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