10.04.2011 um 21:00 Uhr
"Die ganze Scheiße" - Teil 2
Unbestritten: von diesem Tag an wurde starke Unruhe von außen in den Verein getragen, nachdem der Präsident selbst sein Nest beschmutzte, und zwar aus ganz egoistischen Motiven heraus. Aber die gewünschte Wirkung war erzielt. Ein so erfahrener Ex-Manager, der eine ganze Dekade prägte, wusste haargenau, welche Wirkung seine Aussagen entfalten würden und dass mit ihnen nicht nur die Position des Trainers nachhaltig geschädigt, sondern auch das Mannschaftsklima vergiftet werden würde. Die Van Gaal-Frustrierten, die aufgrund mangelender sportlicher Leistung nicht zum Zug kamen, konnten sich jetzt hinter dem Alibi, das Hoeneß ihnen lieferte, schön verstecken.
Das Ego von Van Gaal war angestachelt. Es gab einige unprofessionelle Aussagen seinerseits, die zu einer Schelte von Seiten seines Arbeitgebers führten, beispielweise die unglückliche Aussage über einen möglichen Verkauf Schweinsteigers, wenn der Preis denn stimmt, oder über einen möglichen Transfer von Neuer. Diese Aussagen nicht annäherend so problematisch im Vergleich zu dem, was Hoeneß in Sky ablieferte.
Sinngemäß sagte Gaal: natürlich bin ich froh, wenn ich als Trainer einen Weltklasse-Spieler wie Schweinsteiger zur Verfügung habe, aber wenn ich Manager wäre, würde ich doch lieber die 40 Mio. nehmen, denn aus ökonomischer Sicht ist das besser. Das Problem: Van Gaal ist kein Manager, sondern Trainer. Prompt folgte eine Schelte, auf die Van Gaal aber einsichtig reagierte, so dass er fortan auf solche Fragen der Journalisten nicht mehr einging.
Es folgte das Wintertrainingslager, von dem sich alle viel versprachen, da viele Rekonvaleszenten in die Mannschaft reintegriert werden sollten, doch eine andere Nachricht machte die Runde, weil Van Gaal entschied, was nur ein Trainer zu entscheiden hat: er entschied sich zu einem Torwartwechsel. Was genau Van Gaal dazu bewog, ist nicht vollends klar. Begründet wurde der Wechsel seinerseits so, dass er Kraft inzwischen als gleichwertig ansehe und er daher den Wechsel zugunsten der sportlichen Perspektive wage, was plausibel klang, allerdings riskant erschien. Butt war nach dieser Saison praktisch weg, also gibt man Kraft jetzt in dem halben Jahr die Chance, sich auszuzeichnen, um anschließend zu ermitteln, wie man auf dieser Position für die neue Saison planen kann. Klar ist auch: Kraft hat kaum Spielerfahrung, wenn er patzt, kommt noch mehr Unruhe rein, und Patzer kann man sich ohnehin nicht mehr aufgrund der angespannten Tabellensituation erlauben, wenn man doch noch Meister werden will.
Dass Hoeneß das heute als die "große Scheiße" bezeichnet, offenbart für mich ohne Zweifel, dass der Präsident dem Trainer doch tatsächlich Ratschläge zu erteilen suchte, auf welche Spieler er denn besser setzen solle.
Offenbar war der Neuer-Transfer schon sehr früh beschlossene Sache. Offenbar überlegte der Trainer, ob dieser Transfer nicht eingespart werden kann, wenn das große Torwarttalent doch überzeugt, aber dafür muss man es auch spielen lassen. Die Reaktionen einiger Fangruppierungen ließen Hoeneß Ego vermutlich vor Wut fast platzen, der nun "Koan Neuer" auf Transparenten lesen musste, während viele Pro Kraft-Plakate die Solidarität dieser Fans mit dem Trainer signalisierten und dessen Mut und Risikobereitschaft honorierten - für alle Welt sichtbar.
Hoeneß' riesengroßes Ego wurde in seinem ohne jeden Zweifel vereinsschädigenden Verhalten deutlich entlarvt, daher braucht auch niemand zu bezweifeln, dass dieses riesengroße Ego sich beleidigt, ja richtig angeschissen fühlte, als es von den eigenen Leuten signalisiert bekam, dass man sich demonstrativ lieber hinter den Trainer stellt und dessen Risikobereitschaft folgt anstatt dem Wunsch Hoeneß', Butt durchspielen zu lassen und Kraft nach der Neuer-Verpflichtung für die nächste Saison ins Niemandsland zu schicken.
Von da an war Eiszeit, und ich bin mir sicher, dass Hoeneß in der Manier, wie es in der intrigenhaften Politik üblich ist, Gleichgesinnte um sich zu scharen suchte, indem er im Hintergrund in der Vorstandsetage kräftig gegen Van Gaal giftete. Daran hege ich erst recht keinen Zweifel, wenn ich mir ins Gedächtnis rufe, wie der Präsident zum Schluss selbst die Zügel in die Hand nahm bei der Demission Van Gaals und sofort die Chance nutzte, als sich ihm endlich die Gelegenheit dazu bot, den Trainer endgültig auszubooten.
Dass Hoeneß nun auch noch in Fäkalsprache gegen den Trainer nachtritt, nachdem dieser stets darauf verzichtete, "seinen Präsidenten" öffentlich zu verunglimpfen, bestätigt vollends die häßliche Figur, die Hoeneß in dieser Geschichte die ganze Zeit über abgegeben hat. Vielleicht ist auch in der Erziehung Van Gaals der Grund dafür zu suchen, warum dieser trotz seines unbestreitbaren großen Egos einfach die Hoeneß-Schelte duldete, ohne selbst gegen den Präsidenten zu schießen. Ein Holländer, für den Strukturen und Hierarchien so bedeutsam sind, schießt eben nicht gegen seinen Präsidenten, auch wenn er allen Grund dazu hätte. Vielleicht ist auch gerade darin, eben in seinem Pflichtbewusstsein, der Grund dafür zu suchen, warum Van Gaal nach Bekanntgabe der vorzeitigen Trennung sich dennoch bereit erklärte, bis zum Saisonende als lame duck weiter zu arbeiten.
Nun erfolgte endgültig die Trennung, die man besser wohl schon zu dem Zeitpunkt durchgeführt hätte, als ohnehin klar war, dass Van Gaal gehen muss. Zumindest ergibt es keinen wirklichen Sinn, sich jetzt plötzlich zu trennen, nach einem Unentschieden nach einer durchwachsenen Leistung der Bayern gegen Nürnberg, die allerdings keine Chancen für die Nürnberger zuließen bis zu dem Moment, als Kraft kurzzeitig das Gehirn festfror und den Nürnbergern das Tor einfach schenkte, was letztlich wirklich eine Ironie des Schicksals ist. Wobei es auch als sicher gelten darf, dass Van Gaal nicht an der Personalie Kraft, sondern aufgrund der eigenen Fehler, der sportlichen Erfolglosigkeit und Hoeneß' Attacke scheiterte. Genauso ist es eine Ironie des Schicksals, dass Hoeneß' Wunschstürmer Gomez, der teuerste Transfer in der Geschichte des FC Bayern, zum wiederholten Male damit überfordert war, im unbedrängten Nachschuss den Ball im leeren Tor unterzubringen und für klare Verhältnisse zu sorgen.
In einem sind sich die Fans wohl alle einig: diese Bayernsaison ist so verkorkst, dass man sie mit gehörig viel Ironie am ehesten verträgt.
Das Ego von Van Gaal war angestachelt. Es gab einige unprofessionelle Aussagen seinerseits, die zu einer Schelte von Seiten seines Arbeitgebers führten, beispielweise die unglückliche Aussage über einen möglichen Verkauf Schweinsteigers, wenn der Preis denn stimmt, oder über einen möglichen Transfer von Neuer. Diese Aussagen nicht annäherend so problematisch im Vergleich zu dem, was Hoeneß in Sky ablieferte.
Sinngemäß sagte Gaal: natürlich bin ich froh, wenn ich als Trainer einen Weltklasse-Spieler wie Schweinsteiger zur Verfügung habe, aber wenn ich Manager wäre, würde ich doch lieber die 40 Mio. nehmen, denn aus ökonomischer Sicht ist das besser. Das Problem: Van Gaal ist kein Manager, sondern Trainer. Prompt folgte eine Schelte, auf die Van Gaal aber einsichtig reagierte, so dass er fortan auf solche Fragen der Journalisten nicht mehr einging.
Es folgte das Wintertrainingslager, von dem sich alle viel versprachen, da viele Rekonvaleszenten in die Mannschaft reintegriert werden sollten, doch eine andere Nachricht machte die Runde, weil Van Gaal entschied, was nur ein Trainer zu entscheiden hat: er entschied sich zu einem Torwartwechsel. Was genau Van Gaal dazu bewog, ist nicht vollends klar. Begründet wurde der Wechsel seinerseits so, dass er Kraft inzwischen als gleichwertig ansehe und er daher den Wechsel zugunsten der sportlichen Perspektive wage, was plausibel klang, allerdings riskant erschien. Butt war nach dieser Saison praktisch weg, also gibt man Kraft jetzt in dem halben Jahr die Chance, sich auszuzeichnen, um anschließend zu ermitteln, wie man auf dieser Position für die neue Saison planen kann. Klar ist auch: Kraft hat kaum Spielerfahrung, wenn er patzt, kommt noch mehr Unruhe rein, und Patzer kann man sich ohnehin nicht mehr aufgrund der angespannten Tabellensituation erlauben, wenn man doch noch Meister werden will.
Dass Hoeneß das heute als die "große Scheiße" bezeichnet, offenbart für mich ohne Zweifel, dass der Präsident dem Trainer doch tatsächlich Ratschläge zu erteilen suchte, auf welche Spieler er denn besser setzen solle.
Offenbar war der Neuer-Transfer schon sehr früh beschlossene Sache. Offenbar überlegte der Trainer, ob dieser Transfer nicht eingespart werden kann, wenn das große Torwarttalent doch überzeugt, aber dafür muss man es auch spielen lassen. Die Reaktionen einiger Fangruppierungen ließen Hoeneß Ego vermutlich vor Wut fast platzen, der nun "Koan Neuer" auf Transparenten lesen musste, während viele Pro Kraft-Plakate die Solidarität dieser Fans mit dem Trainer signalisierten und dessen Mut und Risikobereitschaft honorierten - für alle Welt sichtbar.
Hoeneß' riesengroßes Ego wurde in seinem ohne jeden Zweifel vereinsschädigenden Verhalten deutlich entlarvt, daher braucht auch niemand zu bezweifeln, dass dieses riesengroße Ego sich beleidigt, ja richtig angeschissen fühlte, als es von den eigenen Leuten signalisiert bekam, dass man sich demonstrativ lieber hinter den Trainer stellt und dessen Risikobereitschaft folgt anstatt dem Wunsch Hoeneß', Butt durchspielen zu lassen und Kraft nach der Neuer-Verpflichtung für die nächste Saison ins Niemandsland zu schicken.
Von da an war Eiszeit, und ich bin mir sicher, dass Hoeneß in der Manier, wie es in der intrigenhaften Politik üblich ist, Gleichgesinnte um sich zu scharen suchte, indem er im Hintergrund in der Vorstandsetage kräftig gegen Van Gaal giftete. Daran hege ich erst recht keinen Zweifel, wenn ich mir ins Gedächtnis rufe, wie der Präsident zum Schluss selbst die Zügel in die Hand nahm bei der Demission Van Gaals und sofort die Chance nutzte, als sich ihm endlich die Gelegenheit dazu bot, den Trainer endgültig auszubooten.
Dass Hoeneß nun auch noch in Fäkalsprache gegen den Trainer nachtritt, nachdem dieser stets darauf verzichtete, "seinen Präsidenten" öffentlich zu verunglimpfen, bestätigt vollends die häßliche Figur, die Hoeneß in dieser Geschichte die ganze Zeit über abgegeben hat. Vielleicht ist auch in der Erziehung Van Gaals der Grund dafür zu suchen, warum dieser trotz seines unbestreitbaren großen Egos einfach die Hoeneß-Schelte duldete, ohne selbst gegen den Präsidenten zu schießen. Ein Holländer, für den Strukturen und Hierarchien so bedeutsam sind, schießt eben nicht gegen seinen Präsidenten, auch wenn er allen Grund dazu hätte. Vielleicht ist auch gerade darin, eben in seinem Pflichtbewusstsein, der Grund dafür zu suchen, warum Van Gaal nach Bekanntgabe der vorzeitigen Trennung sich dennoch bereit erklärte, bis zum Saisonende als lame duck weiter zu arbeiten.
Nun erfolgte endgültig die Trennung, die man besser wohl schon zu dem Zeitpunkt durchgeführt hätte, als ohnehin klar war, dass Van Gaal gehen muss. Zumindest ergibt es keinen wirklichen Sinn, sich jetzt plötzlich zu trennen, nach einem Unentschieden nach einer durchwachsenen Leistung der Bayern gegen Nürnberg, die allerdings keine Chancen für die Nürnberger zuließen bis zu dem Moment, als Kraft kurzzeitig das Gehirn festfror und den Nürnbergern das Tor einfach schenkte, was letztlich wirklich eine Ironie des Schicksals ist. Wobei es auch als sicher gelten darf, dass Van Gaal nicht an der Personalie Kraft, sondern aufgrund der eigenen Fehler, der sportlichen Erfolglosigkeit und Hoeneß' Attacke scheiterte. Genauso ist es eine Ironie des Schicksals, dass Hoeneß' Wunschstürmer Gomez, der teuerste Transfer in der Geschichte des FC Bayern, zum wiederholten Male damit überfordert war, im unbedrängten Nachschuss den Ball im leeren Tor unterzubringen und für klare Verhältnisse zu sorgen.
In einem sind sich die Fans wohl alle einig: diese Bayernsaison ist so verkorkst, dass man sie mit gehörig viel Ironie am ehesten verträgt.
Aufrufe: 536 | Kommentare: 2 | Bewertungen: 4 | Erstellt:10.04.2011
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KOMMENTARE
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18.04.2011 | 18:42 Uhr
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Sahas :
Danke, knax. Ja, der Blog ist viel zu lang und ausschweifend geworden, aber das war es mir wert. 
"Vor zwei Jahren war Heynckes lediglich als übergangslösung ok, aber als dauerhafter Trainer nicht gut genug, weil man eine "große Lösung" favorisiert hatte. Und jetzt soll er plötzlich der große Heilsbringer sein?"
Hoeneß folgte bei seiner Personalpolitik stets der Devise 'The trend is your friend'. Was einige Monate gut funktioniert, wird verpflichtet.
Es ist nicht glaubwürdig, wenn Rummenigge und Hoeneß heute sagen, dass Heynckes damals nach seinem kurzen Bayern-Intermezzo gar nicht für die Klinsmann-Nachfolge von den Vereinsoberen in Betracht gezogen worden wäre. Es ist doch viel plausibler zu glauben, dass Heynckes eine erfolgreiche Saison schlicht nicht zugetraut worden ist, anders eben als bei Gaal, der sein Können gerade erst durch den souveränen Gewinn der holländischen Meisterschaft mit dem Provinzklub Alkmaar unter Beweis gestellt hat. The trend ist your friend: Gaal war nach diesem Kunststück eben trendy.
Nun hätte man natürlich gerne einen Klopp, aber der fühlt sich bei der Borussia wohler, hat dort ja auch nicht zu befürchten, öffentlich vom Präsidenten bloßgestellt zu werden, wenn er dessen eindringlichen Rat mal nicht berücksichtigt.
Also greift man eben jetzt zu Heynckes. Er war ja 2 Saisons lang mit Bayer erfolgreich, also wird er ja auch wohl in München erfolgreich arbeiten.
Genau so denkt ein Hoeneß.
Das viele Geld wurde in den letzten Jahren sehr subotimal genutzt, eben aus diesem Grund, dass man immer dem trend folgt und nicht dem Bäckerprinzip eines Favre oder Schaaf, die genau wissen, dass die Zutaten aufeinander abgestimmt sein müssen, damit der Kuchen am Ende gelingt.
Trotzdem war Hoeneß' Leitlinie nie erfolglos. The trend is your friend ging immer auch ein gutes Stück weit auf, aber eben bloß für kurze Zeiträume, ehe der Effekt verpuffte und wieder jede Menge Geld herhalten musste.
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Zitiere mich mal selbst:
"Das Nachtreten von Hoeneß gestern war völlig daneben und richtig schlechter Stil.
I.E. hat die "Scheiße" nämlich nicht mit dem Torwartwechsel, sondern dem berühmten Sky-Interview angefangen.
Inkonsequenz ist noch das Mindeste, was sich der Vorstand und insbesondere Hoeneß vorhalten lassen müssen. Vor zwei Jahren war Heynckes lediglich als übergangslösung ok, aber als dauerhafter Trainer nicht gut genug, weil man eine "große Lösung" favorisiert hatte. Und jetzt soll er plötzlich der große Heilsbringer sein?
Die Entscheidung, vG als "lame duck" bis zum Saisonende zu behalten, war ebenfalls abstrus und wurde m.E auch nur mangels Alternativen getroffen - und jetzt ist Jonker plötzlich der richtige Mann?
Es kommt einem wirklich so vor, dass nur nach einem Vorwand gesucht wurde, vG doch noch vorzeitig rauszuschmeissen. Seit der "Entlassung zum Saisonende" wurden 10 von 12 Punkten geholt, und dann nach dem ersten Unentschieden die Keule rauszuholen, ist billig.
Es ist traurig, dass bei Bayern viele Entscheidungen nicht mehr aus strategischen Erwägungen, sondern aufgrund persönlicher Eitelkeiten getroffen werden. Oder - wie es der Spiegel gestern formulierte - aus "Panik und Wut"?"