WWE: Money in the Bank 2018 - die Analyse: Unerwartet erwartbar

Von Maurice Kneisel
The Greatest Royal Rumble-Sieger Braun Strowman (m.) dominierte bei Money in the Bank erneut.
© getty

MITB 2018: Raw Women's Champion Nia Jax vs. Alexa Bliss

Siegerin & neuer Raw Women's Champion: Alexa Bliss per Twisted Bliss. Es war gleichzeitig die sinnvollste und fragwürdigste Entscheidung des Abends. Einerseits durfte Rousey den Titel noch nicht gewinnen, da es viel zu früh gewesen wäre und das Risiko, einen Teil der Fans damit gegen sie aufzubringen, hoch gewesen wäre. Gleichzeitig wurde sie dadurch, dass Stephanie McMahon nicht aktiv eingriff (auch wenn sie garantiert als Drahtzieherin hinter Bliss' Cash-in enthüllt werden wird), dann von Alexa ausgeschaltet wurde und sich am Ende alles um den neuen Champ und Jax drehte, letztlich zur Nebenfigur, auch wenn sie im Match zuvor als Quasi-Siegerin dargestellt wurde. Gleichzeitig muss man sich fragen, wieso Jax den Titel überhaupt gewonnen hat und man nicht Bliss als Champion aus WrestleMania hat gehen lassen... vermutlich tatsächlich, um die kommenden zwei Monate exakt so zu booken, wie es nun geschehen ist. Stellt man sich weiterhin geschickt an und bookt Ronda vs. Stephanie als neues Austin vs. McMahon, hat man hier fast alles richtig gemacht, kann die Malerin noch eine ganze Weile vom Titel fernhalten und Bliss vs. Jax weiter aufbauen. Nur die Tatsache, dass man zwischenzeitlich Nia wider Willen kurzzeitig Heel geturnt hat, war so mit Sicherheit vorab nicht geplant.

Men's Money in the Bank Ladder Match

Sieger: Braun Strowman, nachdem er Samoa Joe, Finn Bálor und zuletzt Kofi Kingston auf dem Weg zum Koffer abfertigte. Zuvor hatte er bereits Kevin Owens mit einem absolut brutalen Wurf von einer Leiter in den Bereich neben der Rampe aus dem Match genommen. Braun ging gleichzeitig als offensichtlicher Siegeskandidat und als absoluter Underdog in das Match, wodurch sein Sieg tatsächlich als Überraschung gewertet werden darf. Einerseits war er der vorab mit Abstand stärkst gebookte Teilnehmer, gleichzeitig aber auch derjenige, der den Sieg am wenigsten benötigte - theoretisch. Diese Entscheidung schürt in erster Linie Hoffnung: Die Hoffnung, dass dadurch im Universal Title Picture ENDLICH wieder etwas passieren wird. Lesnar hält den Titel bereits viel zu lange, ohne gute Matches abzuliefern... oder überhaupt irgendetwas, da er dauerabwesend ist. Zuletzt schien bestätigt, dass beim SummerSlam einmal mehr Brock vs. Roman steigen wird, ein Match, das wohl kaum ein WWE-Fan wieder sehen wollen wird. Der Titel muss endlich weg von Lesnar, idealerweise auch zumindest temporär weg von Reigns und zu jemandem, der frischen Wind rein bringt. Genau diese Person ist Strowman, der zudem mittlerweile auch deutlich mehr over ist als die beiden zuvor genannten. Da Braun nicht gerade als geduldiger Zeitgenosse gebookt wird, ist zudem fraglich, ob er tatsächlich bis zum Slam mit seinem Cash-in warten wird, falls Brock denn vorher überhaupt für Shows gebookt werden sollte. Weiterhin ist zu erwähnen, dass beim New Day eben nicht der logische Kandidat Big E, sondern der bereits erwähnte Kingston am Match teilnahm. Somit hält sich die WWE alle Optionen hinsichtlich eines Splits offen, man kann nun entweder wie gewohnt mit dem New Day fortfahren, oder Big E seine beiden Brüder aufgrund der Nichtteilnahme bei SmackDown zerstören lassen, um in ihm den neuen Powerhouse-Top-Heel beim Blue Brand aufzubauen, den man in Big Cass nicht bekommen wird und in Joe angesichts seiner bisherigen Darstellung seit dem Shakeup scheinbar nicht haben will. Bálor, Joe, Rusev, Bobby Roode, Owens - die Liste der Teilnehmer an diesem Match, deren Perspektive derzeit völlig unklar erscheint, ist lang. Nur bei Miz kann man nun vorsichtig optimistisch sein, dass der heißerwarteten SummerSlam-Fehde vs. Daniel Bryan nichts mehr im Weg steht.

Money in the Bank 2018: Das Fazit

Irgendwie fiel Money in the Bank gleichzeitig sehr und überhaupt nicht überraschend aus. Strowman und Bliss sind auf dem Papier zwei völlig logische Koffer-Sieger, die in ihrem jeweiligen Match, neutral betrachtet, mindestens Mitfavoriten waren. Die WWE streute vorab jedoch einmal mehr geschickt Gerüchte, beispielsweise über einen Miz-Sieg aufgrund seines aktuellen Filmes, so dass die Ergebnisse dennoch zu überraschen wussten.

Zudem setzte es prompt einen erfolgreichen Cash-in, der neue Bewegung in die Raw Women's Division brachte und booking-technisch absolut Sinn machte. Die beiden Ladder-Matches waren zudem sehr unterhaltsam mit gewohnt brutalen Spots, so dass das PPV-Konzept seinem Ruf als eines der Highlights des Jahres einmal mehr gerecht werden konnte. Gleichzeitig wusste die übrige Card aber leider kaum zu überraschen und man hätte sich etwas mehr Mut von den Verantwortlichen wünschen können. Insbesondere die Niederlagen für Asuka und Nakamura, wenngleich zugunsten starker Champs (insbesondere natürlich Styles), lassen befürchten, dass es für die beiden Japaner ab sofort nur noch bergab gehen wird.

Wrestlerisch wusste Styles vs. Nakamura aber, ebenso wie Rollins vs. Elias, das hoffentlich fortgeführt und beide Männer weiter nach vorne bringen wird, ohne Frage zu überzeugen. Der Rest der Card war pures Füllmaterial, das die Meisten im Zweifel schon am nächsten Tag wieder vergessen haben werden. Es war ein grundsolider PPV mit teilweise starkem Wrestling und überwiegend sinnvollem Booking, der aber nicht an die großen MitB-Ausgaben, wie insbesondere die von 2011, heranreichte.

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