WWE SummerSlam 2017, die Analyse

Zwischen Zerstörung und Schlachtfest

Von Maurice Kneisel
Montag, 21.08.2017 | 09:23 Uhr
Zerstörung pur! Braun Strowman schickte Brock Lesnar per Powerslam durch ein Kommentatorenpult

"The Demon" Finn Balor vs. Bray Wyatt

Sieger: Finn Balor per Coup de Grace. Hatte irgendjemand ernsthaft erwartet, dass Brays Sieg über Seth Rollins bei Great Balls of Fire zu irgendetwas anderem genutzt würde, als dazu, Finn Bálor weiter over zu bringen? Wyatt setzt seine Karriere als einer der glorifiziertesten Jobber der WWE-Geschichte fort, während man Finn durch das Comeback des Demon wieder deutlich gefährlicher wirken lässt.

Durch seinen Entrance, in den man den von Bray jahrelang genutzten Song "He's got the whole world in his hands" geschickt einband, wurden die Psychospielchen noch einmal deutlich intensiviert und das Ganze persönlicher gemacht. Die Fehde könnte somit enden, aber im Zweifel wird Wyatt sich noch (mindestens) einmal für Finn hinlegen müssen.

Raw Tag Team Champions Sheamus & Cesaro vs. Seth Rollins & Dean Ambrose

Sieger & neue Raw Tag Team Champions: Seth Rollins & Dean Ambrose per Dirty Deeds von Ambrose gegen Sheamus. Für Sheamus & Cesaro läuft es ähnlich wie für den Miz - sie liefern jede Woche ab, zählen ohne Frage zu den Besten in ihrer Division, doch letztlich sind sie doch immer nur Übergangschamps für die nächsten zu pushenden Faces.

Sich für zwei ehemalige World Champs, die zudem schon früher jahrelang als Team zusammengearbeitet haben, hinzulegen, ist sicher keine Schande. Doch wie schon beim Titelverlust gegen die Hardyz bleibt festzuhalten, dass der Ire und der Schweizer in sehr kurzer Zeit zu einem unglaublich gut harmonierenden Team zusammengewachsen sind, das als einziges mit den beiden SmackDown-Top-Duos mithalten kann.

Nun wird aber erst mal die Shield-Storyline im Vordergrund stehen, Seth & Dean werden die Titel spätestens beim nächsten PPV erfolgreich gegen Sheasaro verteidigen und sich dann anderen Gegnern zuwenden. Vielleicht erhalten die frischgebackenen Ex-Champs die Titel ja zurück, wenn Ambrose schließlich gegen Rollins geturnt ist.

United States Champion AJ Styles vs. Kevin Owens (Shane McMahon as special guest referee)

Sieger & weiterhin United States Champion: AJ Styles per Styles Clash. Wie zu erwarten, stand Shane im Mittelpunkt dieses Matches und wurde immer wieder aktiv eingebunden, diskutierte mehrfach mit beiden Männern und wurde nach einem Zusammenstoß mit Owens kurzzeitig ausgeknockt.

Es ist ja nicht so, dass der Mann schon mehrfach trotz Gehirnerschütterung in Plexiglasscheiben gesuplext oder von der Hell in a Cell geschleudert wurde... ebenso erwartungsgemäß war, dass Kevin im weiteren Verlauf immer frustrierter über die Entscheidungen von Shane-O-Mac wurde und ihn nach jedem nicht erfolgreichen Pinversuch verbal anging.

Nach einer Schubserei zwischen den beiden übernahm Styles das Ruder und sicherte sich den Sieg. Die Fehde Styles vs. Owens sollte damit beendet sein, im Gegensatz zu der zwischen McMahon und KO. Ob daraus letztlich ein Match resultieren wird, oder nur monatelange Dispute wie bei Daniel Bryan und The Miz, bleibt abzuwarten.

WWE Champion Jinder Mahal vs. Shinsuke Nakamura

Sieger & weiterhin WWE Champion: Jinder Mahal per The Khallas. Der Run des Modern Day Maharaja geht weiter, aber ansonsten änderte sich wenig. Einmal mehr erfolgte die Entscheidung dadurch, dass seine Verbündeten den Gegner massiv ablenkten und Mahal dies zu seinem Finisher nutzte.

Im gesamten Match hatte Jinder ausschließlich nach Attacken der Singh Brothers auf Nakamura Offensive und so wirkt er weiterhin unglaublich schwach - ein Umstand, den die WWE offenkundig auch nicht ändern möchte. Die Fehde wird aufgrund dieses Verlaufs mit Sicherheit weitergehen.

Universal Champion Brock Lesnar vs. Roman Reigns vs. Samoa Joe vs. Braun Strowman (Fatal 4-Way Match)

Sieger & weiterhin Universal Champion: Brock Lesnar per F-5 gegen Roman Reigns, nachdem er diesen aus der Luft abfing. Man konnte im Vorfeld das klare Match des Abends erwarten und wurde definitiv nicht enttäuscht! Die Fans tobten, während die vier Männer sich in einer brutalen Schlacht alles abverlangten. Zwischenzeitlich lief Strowman auf Hochtouren und fertigte selbst Lesnar in einer Deutlichkeit ab, wie man es noch nie zuvor gesehen hat.

Sein Running Powerslam gegen das Biest durch eines der Kommentatorenpulte war ein absolutes Highlight und führte dazu, dass die Halle ihn lautstark feierte. Lesnar wurde anschließend sogar unter "Goodbye"-Chants auf einen Stretcher geschnallt und aus der Halle gekarrt, nur um wenig später zurückzukehren. Zwischen Suplex City, "This is awesome"-Chants, einem blutenden Braun und unzähligen stiffen Moves lieferte der Main Event voll ab.

Dadurch, dass Lesnar seinen Titel erfolgreich verteidigte, hat sich zugleich sein Abgang bzw. eine mögliche Pause erledigt. Nachdem er bereits gegen Joe bei Great Balls of Fire gewann und Roman in diesem Match pinnen konnte, wäre der logische nächste Schritt nun eine 1-on-1-Fehde mit Strowman. Für Vorfreude auf diese hat man durch die Szenen mit diesen beiden Monstern vergangene Nacht definitiv gesorgt.

Fazit

Der SummerSlam hat ohne Frage abgeliefert! Absolutes Highlight war natürlich die Zerstörungsorgie im Main Event, bei der alle vier Beteiligten einmal mehr beweisen konnten, wie hervorragend sie miteinander arbeiten. Durch Lesnars Titelverteidigung scheint eine Fehde gegen Strowman praktisch vorprogrammiert und garantiert jetzt schon weitere unglaublich brutale Highlights. Neben dem Fatal-4Way stachen die vielen überraschenden Titelwechsel hervor.

Der Titelgewinn des Shield war abzusehen, die von Neville, den Usos und Natalya hingegen deutlich weniger und auch Sasha Banks war alles andere als offensichtlich, während wohl viele auf Nakamura getippt hätten. Entsprechend unberechenbar wirkte der PPV, was ihm gewaltige Pluspunkte beschert.

Wrestlerisch wussten die meisten Matches ebenfalls zu überzeugen, lediglich das erwartungsgemäß mittelmäßige Cass vs. Big Show und der Squash-Sieg Ortons stachen negativ heraus. Doch insbesondere letzterer ist nur folgerichtig, wenn man die Card dermaßen überlädt und somit gezwungen ist, Zeit zu sparen. Die nach wie vor nicht gerade kleine Orton-Fan-Fraktion wird es immerhin gefreut haben.

Aus den im Vorfeld des PPVs aufkommenden Gerüchten, der Undertaker würde sein Comeback feiern, wurde nichts, obgleich der Deadman sich zeitgleich in New York City befand. Aber auch ohne seinen Auftritt wusste der SummerSlam absolut zu unterhalten und durch seine Ergebnisse auch immer wieder zu überraschen. Es war eine gelungene Ausgabe der Nummer 2 im WWE-Kalender und ein insgesamt bockstarkes WWE-Wochenende mit dem brillanten NXT TakeOver: Brooklyn III am Vorabend.

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