Extreme Rules 2017: Die Analyse

Wer fordert das Biest heraus?

Von Maurice Kneisel
Montag, 05.06.2017 | 10:02 Uhr
Sieger Samoa Joe wird bei Great Balls of Fire auf Universal-Champ Brock Lesnar treffen

Im Main Event von Extreme Rules in der Royal Farms Arena von Baltimore Maryland setzte sich Samoa Joe gegen Finn Balor, Roman Reigns, Seth Rollins und Bray Wyatt durch. Somit ist die Samoan Submission Machine der neue Nummer-1-Herausforderer von Brock Lesnars Universal Championship. Weiterhin gewannen Cesaro & Sheamus die Raw Tag Team Championships von den Hardy Boyz und The Miz ist der neue Intercontinental Champion.

Kalisto vs. Apollo Crews (Kickoff Match)

Sieger: Kalisto per Salida del Sol, nachdem Titus O'Neil auf den Apron kletterte und Crews Anweisungen zubrüllte, was diesen ablenkte. Die Storyline um den Titus Brand und die daraus im Zweifel resultierende Fehde wurde fortgeführt und brachte Face-Besetzungsstatist Kalisto einen bedeutungslosen Sieg ein. Crews und O'Neil stritten sich anschließend einmal mehr, zum Bruch zwischen den beiden kam es aber noch nicht.

Intercontinental Champion Dean Ambrose vs. The Miz (if Ambrose is disqualified, he will lose the Intercontinental Title)

Sieger & neuer Intercontinental Champion: The Miz per Scull Crushing Finale. Zuvor hatte er sich aus einem Rollup befreit, indem er Dean gegen den Referee schubste, der dadurch aus dem Ring stürzte. Als der Unparteiische daraufhin Ambrose disqualifizieren wollte und die beiden diskutierten, nutzte Miz die Ablenkung zu seinem Finisher. Gleich zu Beginn hatte Miz versucht, seinen Gegner disqualifizieren zu lassen, anschließend entstand aber ein gutes Wrestlingmatch, das nicht - wie zu befürchten war - ausschließlich aus Provokationen durch den Heel bestand. Der Awesome One wird den IC-Titel einmal mehr aufwerten und einen ordentlichen Run hinlegen, bevor er ihn an den nächsten Face weiterreichen muss. Dean wird, sollte er den Titel im Re-Match nicht zurückholen, wie schon zuletzt bei SmackDown in der Luft hängen und kann nur hoffen, dass das Shield-Comeback bald ansteht. Ansonsten sieht seine Zukunft nicht gerade rosig aus.

Rich Swann & Sasha Banks vs. Noam Dar & Alicia Fox (Mixed Tag Team Match)

Sieger: Rich Swann & Sasha Banks nach einem Phoenix Splash von Swann gegen Dar. Zuvor hatte Banks außerhalb des Rings Dar und Fox die Double Knees verpasst und den Schotten anschließend für Rich in den Ring gerollt. Ein bedeutungsloser Sieg für die beiden Faces, während das Heel-Pärchen sich nicht wirklich weiterentwickelte.

Raw Women's Champion Alexa Bliss vs. Bayley (Kendo Stick on a Pole Match)

Siegerin & weiterhin Raw Women's Champion: Alexa Bliss per Snap DDT. Das Match fiel überraschend kurz aus und sollte wohl unterstreichen, dass die liebe, nette Bayley in Hardcore-Matches deplatziert ist. Nach dem obligatorischen Wettklettern hatte Bayley sich den Kendo Stick gesichert und Alexa zwar damit um den Ring gejagt, fiel dann aber auf deren Flehen herein, woraufhin Alexa ihr einige brutalere Moves mit der Waffe verpasste. Die Fehde wird - aus Mangel an Alternativen in der Raw Women's Division, da Banks nicht gepusht wird - wohl weitergehen.

Raw Tag Team Champions The Hardy Boyz vs. Cesaro & Sheamus (Steel Cage Match)

Sieger & neue Raw Tag Team Champions: Cesaro & Sheamus, die gemeinsam aus dem Ring kletterten, während Matt versuchte, Jeff durch die Käfigtür zu schleppen. Das Ergebnis war ohne Frage die Überraschung des Abends und bringt neue Spannung in eine seit WrestleMania von den Hardyz absolut dominierte Raw Tag-Division. Das Match, das einmal mehr von lautstarken "Delete"-Chants begleitet wurde, bot kurz vor Schluss zwei absolute Highspots, als zunächst Sheamus Matt per White Noise von der Käfigspitze holte und Jeff sich wenig später per Whisper in the Wind von dort herabstürzte. Die Fehde wird selbstverständlich fortgeführt und verspricht weitere spektakuläre Matches zwischen zwei der derzeit besten WWE-Teams.

WWE Cruiserweight Champion Neville vs. Austin Aries (Submission Match)

Sieger & weiterhin WWE Cruiserweight Champion: Neville per Rings of Saturn, nachdem er zuvor Aries den Red Arrow verpasst hatte. Zwischenzeitlich zwang Aries Neville im Last Chancery zum Abklopfen - allerdings außerhalb des Rings, so dass das Match weiterging. Auf diese Weise stellte man sicher, dass A-Double stark wirkte und Neville dennoch seinen Run als King of the Cruiserweights fortführen darf. Somit hätte man auch einmal mehr einen Grund, diese wrestlerisch hochklassische Fehde fortzuführen. Allerdings ist es allmählich doch an der Zeit, beiden Männern zumindest temporär neue Gegner zu geben.

Roman Reigns vs. Seth Rollins vs. Finn Bálor vs. Bray Wyatt vs. Samoa Joe (Extreme Rules Fatal 5-Way Universal Title No. 1 Contender's Match)

Sieger & No. 1 Contender: Samoa Joe per Coquina Clutch gegen Bálor. Brock Lesnar vs. Samoa Joe um die Universal Championship steht als Main Event für den kommenden Raw-PPV Great Balls of Fire! Für Joe war es der erste große Sieg im Main Roster und ein unglaublich wichtiger zudem, auch wenn er wohl nur ein Match mit Lesnar erhalten wird, bevor der sich seinem geplanten SummerSlam-Gegner Braun Strowman zuwendet. Dass der Destroyer dafür seinen alten NXT-Rivalen Finn Bálor zum Abklopfen zwingen durfte, macht die Entscheidung noch bedeutender. Der Ire nimmt durch diese Niederlage am Ende eines langen und intensiven Matches keinen sonderlichen Schaden und es könnte zudem der Startschuss für eine SummerSlam-Fehde der beiden gewesen sein. Abseits davon lieferte das Match zahlreiche Highlights, wie die temporäre Joe/Wyatt-Allianz, ein Spear durch die Barrikade von Reigns gegen Joe und Bálor, oder Rollins' Frogsplash vom Top Turnbuckle gegen den auf einem Kommentatorenpult platzierten Wyatt.

Fazit

Extreme Rules bot ziemlich genau das, was man im Vorfeld erwarten konnte: einen spektakulären Main Event, der reichlich Zeit bekam und alle fünf beteiligten Superstars in den Fokus rückte. Samoa Joe ist als Übergangsgegner für Lesnar eine hervorragende Wahl, da dieses Match - noch mehr als andere Brock-Matches - aus dem üblichen WWE-Muster herausfallen und ein waschechter "Kampf" werden sollte.

Zudem gibt es dem Samoaner selbst bei einer Niederlage merklich Momentum, das ihm seit seinem Call-up fehlte. Die weiteren Highlights waren, ebenso wenig überraschend, die Steel-Cage- und Cruiserweight-Matches. Ersteres punktete zudem mit einem Titelwechsel, den man nicht erwarten konnte und der Cesaro & Sheamus noch einmal dringend benötigten Aufschwung für die kommenden Monate gibt.

Positiv zu überraschen wusste weiterhin das IC-Match, bei dem man sich erfreulicherweise (von der Ansetzung an sich abgesehen) gegen komplettes Bullshit-Booking und für ein reguläres Wrestlingmatch entschied. Die Logik, dass The Miz sich einfach nur zu Matchbeginn von Maryse eine Ohrfeige hätte verpassen lassen müssen, sollte man hier einfach ausblenden, denn ansonsten war das Match gut und sinnvoll gebookt.

Der Rest - leider einschließlich des absolut belanglosen Frauen-Titelmatches - war Füllmaterial ohne großen Unterhaltungswert. Bei der Women's Division müssen die Raw-Writer, noch mehr als beim Rest der derzeit äußerst schwach gebookten Show - nun schnellstmöglich die Kurve kriegen, denn diese wird seit Monaten gnadenlos vom SmackDown-Pendant vorgeführt.

Unterm dem Strich bleibt ein Übergangs-PPV des derzeit klar schwächeren Raw-Brands, der seine Ziele (Übergangsfehden aufbauen bzw. beenden) erreichte, von dem man aber in wenigen Monaten neben dem Main Event maximal noch das Steel-Cage-Match in Erinnerung haben wird.

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