"Ich fühle mich als Repräsentant für Europa"

Von Interview: Maurice Kneisel
Mittwoch, 13.03.2013 | 13:40 Uhr
BÄM! United States-Champion Antonio Cesaro zu Besuch in der Kölner LanxessArena
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Antonio Cesaro hält über 200 Tage die United-States-Championship und steht regelmäßig mit Main Eventern wie Randy Orton, Ryback oder Sheamus im Ring. Im Interview spricht der Schweizer über Anfänge in Europa, Wechsel in die USA, erfolgreiche Indy-Kollegen und Videoabende mit Bud Spencer.

SPOX: Wie bist Du zum Wrestling gekommen?

Antonio Cesaro: Wie so viele habe ich es im Fernsehen gesehen und bin Fan geworden. Ich habe ein wenig Rugby gespielt, wurde dann dort rausgeschmissen und habe mich nach einem anderen Sport umgesehen. So bin ich zum Wrestling gestoßen und habe in der Schweiz angefangen. Ich habe dann aber schnell begonnen, nach Deutschland zu reisen, weil es hier mehr Independent Wrestling gibt und auch mehr Trainingsmöglichkeiten. In den ersten zwei Jahren war es vielleicht jedes zweite, dritte Wochenende, später ging es dann quasi jedes Wochenende nach Deutschland, in die Niederlande, nach Frankreich oder Italien. Ich habe versucht, so viel wie möglich zu wrestlen, weil das der beste Weg ist, um besser zu werden und Erfahrung zu sammeln.

SPOX: Wie verlief der Wechsel in die USA?

Cesaro: 2004 habe ich Glück gehabt und eine Greencard gewonnen und bin in die USA ausgewandert. Dort habe ich dann Wrestling zu meinem Hauptberuf gemacht - irgendwie habe ich das geschafft (lacht). Es war immer mein Ziel, in die USA auszuwandern und ich habe gedacht, dass ich dank der Greencard ja irgendwo arbeiten kann, bei McDonald's oder so (lacht). Aber falls irgendwie möglich, wollte ich das vermeiden und Wrestling vollberuflich machen - und das habe ich ja auch geschafft. 2011 habe ich dann bei der WWE unterschrieben. Ich habe keine Ahnung, wie die Zeit so schnell vergeht (lacht).

SPOX: Hast Du auch während Deiner Zeit in Europa schon daran geglaubt, dass Du den Sprung zur WWE schaffen würdest?

Cesaro: Ich habe immer schon gewusst, dass Wrestling für mich etwas ganz Besonderes ist und dass ich in dem Bereich immer so viel wie möglich machen will. Wie schon erwähnt, war ich irgendwann jedes Wochenende unterwegs und habe das gemacht, was ich liebe. Ich wusste schon damals, dass es genau das richtige für mich war, aber das erste Ziel lautete, Wrestling hauptberuflich machen zu können. Also habe ich versucht, eine Greencard zu gewinnen und das glücklicherweise auch geschafft. Das nächste Ziel war, mich in Amerika im Independent Circuit durchzusetzen, was für mich bedeutete, wieder bei null anfangen zu müssen. Das fiel mir ziemlich schwer, da ich mir in Europa schon einen Namen gemacht hatte und quasi jedes Wochenende irgendwo gebucht war. Aber in den USA konnte ich Wrestling zu meinem Hauptberuf machen und hatte damit schon wieder ein Ziel erreicht. Das nächste Ziel war, Japan, Mexiko und die ganze Welt zu sehen, was ich auch erreicht habe. Irgendwann war der logische nächste Schritt dann die WWE und ich bin sehr froh, dass es geklappt hat.

SPOX: Noch mal kurz zurück zu Deiner Rugby-Vergangenheit - ist die Geschichte wahr? Ich habe davon abseits der WWE-Shows nämlich noch nie etwas gehört.

Cesaro: Sagen wir mal so: die WWE hat etwas gesucht, das für die Amerikaner typisch europäisch ist. Rugby war dann halt europäisch und ich habe nur gedacht: "Ja, super! Dann habe ich halt Rugby gespielt" (lacht).

SPOX: Sowohl das Rugby-Gimmick als auch Deine Managerin Aksana hat man dann recht plötzlich fallen gelassen. Würdest Du sagen, dass das wichtig war für Deinen nächsten Karriereschritt?

Cesaro: In der WWE und allgemein im Wrestling ist es so, dass man nie stagnieren und auch nie zufrieden sein sollte mit dem, was man schon erreicht hat. Wenn man jahrein, jahraus das Gleiche macht, wird man langweilig - mir würde dabei langweilig und den Zuschauern bestimmt auch. Von daher war es sicher ein guter Schritt - besonders für mich (lacht). Mir hat es Spaß gemacht mit Aksana und mir macht es jetzt alleine Spaß - als US-Champion. Wichtig ist, dass man sich nie auf seinen Lorbeeren ausruht.

SPOX: Du bekommst jetzt auch mehr Promozeit und übersetzt nicht mehr nur ständig ein Wort...

Cesaro: Ja eben! Ich kann fünf Sprachen und übersetze EIN Wort (lacht).

SPOX: Was die Promo-Erfahrung angeht, kann Dir sicher kaum einer was vormachen. Die aktuelle Situation dürfte also wunderbar für Dich sein, oder?

Cesaro: Auf jeden Fall! Es ist schon sehr cool, wenn man im Ring steht und nebenher eine Promo hält. Es ist schon ein wenig anders als früher, wenn ich zum Beispiel in Bremen war und eine Promo gegeben habe (lacht). Das ist auch das Schöne: All die Geschichten, all die Jahre haben mich auf das vorbereitet, was da kommen kann. Darüber bin ich sehr froh und glücklich.

SPOX: Was sagen die Kollegen, wenn Du zwischendurch immer wieder einen Satz auf Deutsch einflechtest und keiner weiß, was das heißt?

Cesaro: Viele fragen mich einfach: "Was hast du gesagt?" Mittlerweile sage ich viele Dinge, die ich einfach lustig finde oder von denen ich denke, dass die Leute in Europa sie lustig finden werden. Ich empfinde mich einfach als Repräsentant für Europa - damit meine ich immer das Festland Europa, denn diese Inseln da oben zählen wir mal nicht mit (lacht) - aber auch speziell für den deutschsprachigen Raum. Denn im deutschsprachigen Raum gibt es sehr viele Wrestling-Fans, die nie einen Superstar hatten, der deutsch spricht. Deswegen ist es mir sehr wichtig, dass ich so viel auf Deutsch sage wie möglich. Ich frage mich dann immer, was ich selbst lustig fände oder was die deutschen Fans zum schmunzeln bringen würde...

SPOX: ... wie der "Landvogt" zum Beispiel?

Cesaro: Ja genau, der Landvogt zum Beispiel!

SPOX: Den Spruch hast Du Dir von Bud Spencer in "Vier Fäuste für ein Hallelujah" abgeschaut, oder?

Cesaro: Ja genau. Vor etwa vier Jahren kamen mein Tag-Team-Partner und ich für ein Match zurück nach Europa. Wir haben bei einem Kumpel im Wohnzimmer gesessen und Bud Spencer auf YouTube geguckt. Er hat den Landvogt gebracht und wir haben uns schräg gelacht, es zehn Mal zurück gespult und immer wieder laufen lassen. Ich habe es dann in einem Backstage-Segment eingebracht und die deutschen Fans fanden es lustig. Von daher versuche ich jetzt, solche Sachen immer häufiger einzubinden.

SPOX: Apropos Tag-Team-Partner: Bei FCW wurde bereits kurz eine Fehde zwischen Dir und Deinem früheren Kings of Wrestling-Partner Kassius Ohno angedeutet. Wann sehen wir euch gemeinsam im WWE-Ring?

Cesaro: Wenn ich ehrlich bin, fokussiere ich mich im Moment vollkommen auf meine US-Championship. Aber was die Zukunft bringen wird, weiß ich natürlich nicht.

SPOX: Aber Du verfolgst seine Entwicklung bei NXT sicher?

Cesaro: Ja klar! Ich versuche auch immer, bei allen NXT-Tapings dabei zu sein, weil ich denke, dass es wichtig für mich ist, etwas zurück zu geben, da ich auch über dieses Programm zur WWE gekommen bin.

Seite 2: Cesaro über Standing in Europa und WWE-Stil

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