Wie der Nature Boy 1992...

Von Maurice Kneisel / David Schmida
Freitag, 25.01.2013 | 10:23 Uhr
Legenden unter sich: Undertaker, Hulk Hogan und Ric Flair beim Royal Rumble 1992
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Der Royal Rumble steht vor der Tür (Mo., 2 Uhr im User-Talk), beim ersten Pay-per-View des Jahres werden die Weichen für WrestleMania gestellt. Ryback, John Cena, Randy Orton oder Sheamus - die Liste der Favoriten ist lang. Doch noch wichtiger als der richtige Sieger ist, dass man sich auf alte Tugenden besinnt. Im Hot Tag diskutieren wir die Entwicklung der 30-Mann Battle Royal.

Maurice Kneisel: David, der Royal Rumble steht kurz bevor und mit dir habe ich mir genau den richtigen Gesprächspartner gesucht, um ein wenig über die Geschichte des Pay-per-Views zu diskutieren. Was macht die 30-Mann-Over-the-Top-Battle Royal für dich so besonders?

David Schmida: Zunächst sicherlich die Tatsache, dass man 30 Superstars in einem Match sehen kann. Dann, dass man - bis auf einige Ausnahmen, bei denen es vorab bekannt ist - nicht weiß, wann wer ins Geschehen eingreifen wird. Und natürlich die Tatsache, dass der Gewinner bei WM um den Titel antritt.

Blog Die Geschichte des Royal Rumble

Kneisel: Außerdem kann man jedes Jahr sicher sein, dass die eine oder andere Überraschung dabei sein wird. Ob nun ein Ex-Superstar zurückkehrt, ein Langzeitverletzter sein Comeback feiert oder plötzlich eine Diva mitmischt - der MarkOut-Faktor ist beim ersten PPV des Jahres besonders hoch. An welche Comebacks erinnerst du dich besonders gerne?

Schmida: Die Comebacks haben natürlich erst später angefangen, in der Anfangszeit brauchte man das ja nicht, da die Halle sowieso kochte. Ganz frisch in Erinnerung ist sicherlich Kevin Nash/Diesel. Das hat mich umgehauen, da ich ein großer Fan von ihm bin, plus die Zuschauerreaktion. Auch das Comeback von Triple H im Jahr 2002, welches aber angekündigt war, blieb in Erinnerung, da er zu einem Zeitpunkt ins Match kam, als Steve Austin gerade sein Scharmützel im Ring trieb. Welche Momente sind dir denn in Erinnerung geblieben?

Kneisel: Mir ist vor allem John Cenas Comeback 2008 in Erinnerung geblieben, noch heute bin ich dankbar dafür, nicht gespoilert worden zu sein. Den Kerl hatte nach all den Meldungen um seine langfristige Verletzung wohl kaum einer auf dem Zettel, und dann kommt er aus dem Nichts zurück und holt sich den Sieg. 2010 mit Edge hat man es ähnlich gehalten, da fühlte es sich aber nicht mehr so frisch an. Aber du hast es schon kurz angerissen: früher brauchte man diese Schockmomente nicht. Randy Orton gewinnt dank Legacy, Alberto Del Rio übersteht 39 Konkurrenten und die Intervalle zwischen den Teilnehmern wechseln ständig. Hat sich der Rumble sehr verändert?

Schmida: Ja, auf jeden Fall. Das hat aber auch mit der Gesamtsituation in der WWE zu tun. 40 Teilnehmer fand ich von vorneherein nicht gut und es hat für mich nichts gebracht. Manche Dinge sind eben gut so, wie sie sind. Die Intervalle haben sich immer mal geändert. Aber der Hauptfaktor ist für mich, dass das Feeling irgendwie weg ist, bzw. auf wenige besondere Momente reduziert wird, wie vieles in der heutigen WWE. Die Gewinner sind einfach nicht mehr so relevant, wie sie es früher waren. Wurden denn nicht früher Stars im Rumble geboren, bzw. auf die nächste Stufe befördert?

Kneisel: Der Rumble war früher da, um Leuten den entscheidenden letzten Schubser Richtung Main Event zu geben. Natürlich müssen auch etablierte Superstars Siege einfahren, um das Ganze glaubwürdig zu gestalten. Aber mal ehrlich: Cena, Orton, Edge, Del Rio, Sheamus - nur einer dieser Männer war vor seinem Rumble-Sieg noch nie World Champ. Das sah früher anders aus, natürlich auch, da die Titel keinen Wanderpokal-Status hatten. Dir fallen doch sicher ein paar Leute ein, die der Rumble-Sieg wirklich nach vorne gebracht hat?

Schmida: Allen voran Shawn Michaels, der 1995 als Nummer 1 in das Match zog und mit einer grandiosen Leistung und einem bis dahin noch nie gesehenen akrobatischen Kunststück das Match gewann. Dann natürlich Ric Flair, der sich 1992 gleich mal den WWE-Titel mit dem Sieg sichern konnte, sowie Steve Austin, der 1998 schon seinen zweiten Rumble gewann. Aber es gab auch Leute, die nicht gewonnen haben und dennoch von ihrem Auftritt profitieren konnten, wie Diesel, der 1994 minutenlang alleine im Ring stand oder 1996 Hunter Hearst Helmsley, der sehr lange im Match war.

Kneisel: Geht es nur mir so, oder ist auch beim Rumble das Storytelling verloren gegangen? Man bekommt große Spots geboten - John Morrison springt Spiderman-like vom Apron an die Barrikade und zurück, Kofi wandert im Handstand durch die Gegend - aber das sind eben nur einzelne Momente. Konsequent durchgezogenes Storytelling im Match gab es aus meiner Sicht zuletzt mit der schon angesprochenen Legacy 2009. Die Sieger und Matchverläufe bleiben einem dadurch schlicht weniger in Erinnerung. Die von dir angesprochenen Marathonmatches von Flair und HBK, dazwischen als kompletter Kontrast der dominante Sieg für Yokozuna und schließlich noch Bret Harts und Lex Lugers sensationeller Doppel-Sieg - DAS sind unvergessliche Augenblicke der WWE-Geschichte. Fehlen diese Momente heute, oder übersehe ich sie einfach nur?

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