WWE Hot Tag: Social Media, Politik und Wellness Policy

"You can't see me" – Na Gott sei Dank!

Von Maurice Kneisel/Sven Spingler
Mittwoch, 10.10.2012 | 15:46 Uhr
John Cena wird häufig für die PG-Ausrichtung der WWE verantwortlich gemacht
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Verdient John Cena den Hass, der ihm aufgrund der PG-Ausrichtung der WWE seit Jahren entgegen schlägt? Oder liegt die Hauptschuld doch bei Linda McMahon und ihren politischen Ambitionen? Im Hot Tag diskutieren wir über die Stellung von Social Media, PR-wirksame Kampagnen sowie die Wellness Policy und ihre jeweiligen Auswirkungen auf das Gesamtprodukt.

Maurice Kneisel: Sven, wir wollten uns schon seit längerem mal über die Dinge unterhalten, die in der WWE abseits des Rings eine gewichtige Rolle spielen und inwiefern diese einen (negativen) Einfluss auf das Produkt haben. Ein erster Punkt wäre sicher Social Media. Was hältst du von der hohen Präsenz von Facebook, Twitter & Co.?

Sven Spingler: Ich muss ehrlich sagen, als ich das erste Mal davon gelesen hatte, dass die WWE sich mehr auf Twitter & Co. konzentrieren will, stieß das bei mir sehr negativ auf. Doch inzwischen hat man sich einigermaßen daran gewöhnt und es ist nicht so omnipräsent geworden, wie man zwischenzeitlich befürchten musste. Vince ist Geschäftsmann durch und durch und wenn er eine Marktlücke findet, geht er darauf ein. Oder hast du dabei immer noch größere Bedenken?

Kneisel: Bedenken nicht wirklich, da man die sozialen Netzwerke hervorragend für sich nutzen kann. Die Frage ist nur, ob dies so weit gehen sollte, dass jeder Angestellte einen eigenen Twitter-Account besitzen MUSS. Keine Frage, die Superstars und Diven sind Profis, mit den Fans zu interagieren gehört zu ihrem Job. Doch teilweise geht mir das zu weit. Während man bei Leuten wie Zack Ryder oder Dolph Ziggler merkt, dass es ihnen Spaß macht, ist ähnlich offensichtlich, dass ein Cody Rhodes beispielsweise sich nicht dafür begeistern kann. Sollte er sich trotzdem täglich hinhocken und irgendwelchen Schmus ins Web zwitschern müssen?

Spingler: Ich finde schon. Es ist nun mal zu einem wichtigen Bestandteil seines Jobs geworden. Dir gefällt sicher auch nicht alles, was dein Boss so von dir will, trotzdem musst du es machen. Das gehört einfach dazu, finde ich. Zudem ist Cody zurzeit leider sowieso auf dem absteigenden Ast, nachdem er durch die Wellness Policy gerauscht ist.

Kneisel: So arg, dass es Konsequenzen nach sich ziehen dürfte, lässt der gute Cody das Ganze auch nicht raushängen, außerdem ist er nicht der Einzige. Bei Brock Lesnar hat man es immerhin gar nicht erst versucht. Generell fällt aber auf, dass der große Hype um Twitter verflogen scheint. Es ist ja in Ordnung, wenn die aktuellen Top-Trends während der Shows kurz eingeblendet werden. Aber teilweise hat Cole die Social-Media-Entwicklungen ausgiebiger kommentiert als das laufende Match. So was geht gar nicht.

Spingler: Das stimmt, auch wenn die Twitter-Gemeinde weiterhin bei Matches oder Stipulationen mitbestimmen darf. Auch die Anzahl der Tout-Videos haben sie zum Glück zurückgeschraubt. Vince hat wohl gemerkt, dass sie die drei Stunden RAW auch ohne nervige Rückblenden und "Expertenmeinungen" vollbekommen. Wobei mich das neue Paket immer noch nicht überzeugen konnte, da vieles mehr gestreckt als sinnvoll geplant wirkt.

Kneisel: RAW Active finde ich eigentlich gar nicht so übel. Die WWE überlegt sich drei Szenarios, die für sie akzeptabel wären, und lässt die Fans ihren Favoriten wählen. Wie einfach sie das steuern können, hat man unlängst beim "Hug it out!"-Segment gesehen. Tout ist auch ein gutes Stichwort. Ich weiß nicht, wie es dir ging, aber nach den ersten Ankündigungen und dem Debüt bei RAW habe ich mit dem Schlimmsten gerechnet. Bei aller Liebe will ich definitiv nicht jede Woche irgendwelche Marks ihre Lieblinge in 15-Sekunden-Clips abfeiern sehen. "You can't see me" - Na Gott sei Dank!

Spingler: Wer will das schon. Cena nervt in den Shows schon genug, da muss man nicht noch seine Fans ertragen müssen. Apropos Cena. Ich finde nichts Verwerfliches daran, auf Brustkrebs aufmerksam zu machen. Krebs ist eine schlimme Krankheit. Nur dann sollte die WWE das neutral halten und jeden WWE Superstar dafür werben lassen, statt Cenas Slogan abzuändern. "Rise Above Cancer". Klar, der Superheld kann alles - nur nicht als Face in der WWE ankommen. Durch solche Aktionen wird das auch nicht besser.

Kneisel: Sicher, die Cena-Hasser werden ihn dafür kein Jota mehr mögen. Ich finde die Aktion aber klasse und auch, dass John dafür als Sprecher fungiert. Er ist nun mal das Aushängeschild der Liga, obgleich ich dir zustimme, dass auch andere Superstars und Diven mehr zu Wort kommen sollten. Es ist halt eine besondere Aktion, die einen Monat lang läuft, da finde ich es nicht weiter wild, den Slogan abzuändern. Das schafft weitere Aufmerksamkeit für die Aktion und letztlich kommt es doch nur darauf an. Dass Cena sich ausgerechnet jetzt verletzt, hätte natürlich kaum unglücklicher sein können. Apropos JohnBoy: Er wird ja immer als Schuldiger für die PG-Ausrichtung angesehen. Auch wenn er sich mehrfach als Befürworter geoutet hat, dürfte das Ganze aber doch eher auf Linda McMahons politische Ambitionen zurückzuführen sein. Was hälst du davon?

Spingler: PG grenzt die Möglichkeiten tatsächlich ein. Wenn man einen Antonio Cesaro so brutal aufbauen könnte, wie seinerseits Brock Lesnar, hätte er jetzt schon ein ganz anderes Standing beim WWE Universe. Cena würde ich in diesem Fall mal keinen Vorwurf machen. Er ist nun mal der Vermittler zwischen Fans und WWE. Dass er kein großer Fan von PG ist, hat man bei seinem Fight gegen Lesnar gesehen. Aber PG hin, PG her, das ist bei weitem kein Grund dafür, dass sich die Schreiberlinge keine spannenden Storylines ausdenken dürfen. Wenn die WWE hier mehr Entertainment bieten würde, auch in der Midcard, würde das "Kindliche" bei weitem nicht so negativ auffallen. Dass Lindas Kandidatur da eine Rolle spielt, kann man sicher nicht abstreiten. Bei ihrem zweiten Anlauf stehen ihre Chancen auf Erfolg gut und somit eher schlecht für TV14.

Kneisel: Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber mir - und sicher auch vielen anderen Fans - geht es bei den ständigen Beschwerden über PG ja weniger um Blut und reine Brutalität. Keine Frage, einen blutüberströmten Steve Austin vergisst man nie wieder, aber ich kann gut ohne Barbed-Wire-Massacre-Matches und ähnliches leben. Vielmehr stören mich diese unlustigen, stupiden "Comedy"-Segmente um Hornswoggle und Co. Damit macht sich die WWE doch nur selbst lächerlich. Zuletzt hat sich das aber merklich gebessert, oder findest du nicht? Allen voran natürlich diese sensationellen Daniel Bryan/Kane-Segmente... Und meine Güte, ausgerechnet John Cena hat Punk bei RAW in Montreal beschimpft. Wie Linda das wohl fand?

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