Hell in a Cell 2012 – das Head-to-Head

Punk vs. Ryback: Hölle ohne Ausweg

Von Maurice Kneisel / Marcus Hinselmann
Freitag, 26.10.2012 | 15:54 Uhr
Ist Ryback tatsächlich schon bereit für seinen ersten Run als WWE-Champion?
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Sonntagnacht (ab 1 Uhr im User-Talk) dreht sich bei Hell in a Cell alles um das WWE-Championship-Match. Verteidigt CM Punk oder holt sich Durchstarter Ryback in seinem ersten Titelmatch gleich das Gold? Im Head-to-Head werden verschiedene Szenarien durchgespielt, selbst ein Auftritt von Brock Lesnar scheint möglich. Doch klar ist: die WWE hat sich selbst in die Zwickmühle manövriert.

Intercontinental-Champion Kofi Kingston vs. The Miz

Marcus Hinselmann: Grundsätzlich verstehe ich, weshalb man Kofi den Titel gegeben hat. Der Kerl kann was, WWE Main Event muss als Show etabliert werden, Ratingsteigerung durch Titelwechsel in Weeklys und außerdem hat der Titel bei Miz sowieso nicht gefruchtet. Auch er hat es nicht geschafft, ihn relevant zu machen.

War der Titel bis zu WrestleMania 28 mit Cody als Träger noch auf einem sehr guten Weg, stehen wir jetzt wieder da wie im Juli 2011. Totale Irrelevanz. Doch dafür kann The Miz nichts, Kofi noch weniger. Wenn ein Titel aber nach einer bis dahin einwöchigen Fehde den Besitzer wechselt, zeigt das, wie wenig Prestige das gute Stück besitzt.

Aber mal abgesehen davon, haben beide Kontrahenten bei Main Event bewiesen, dass sie zusammen ein absolut PPV-taugliches Match auf die Beine stellen können. Das erwarte ich auch hier. Will man den Titel prestigemäßig nicht mit einem normalen Ledergürtel gleichstellen, sollte Kofi Kingston verteidigen.Was dann mit The Miz passiert, steht in den Sternen.

Main Event, nein. Kurzfristig ein Survivor-Series-Match und dann, wenn überhaupt, eine Midcard-"Fehde". Bei Kofi muss man nun endlich dem Potential freien Lauf lassen. Was dann passieren kann, haben wir Ende 2009 gegen Orton gesehen. Ich will das wieder sehen, Kofi kann das. Doch ob er es darf oder ob der IC-Titel weiterhin unglaublich unwichtig bleibt? Wir werden es sehen.

Maurice Kneisel: Als Kofi damals Randys Rennkarre schrottete, dachte ich auch: er hat's gepackt, jetzt kann's endlich losgehen. Selbst in den Promos konnte er als wütender Ex-Spaßvogel überzeugen. Doch nach ein paar Wochen war der ganze Anflug von Neuem schon verflogen und wir bekamen wieder den alten Dauergrinser präsentiert.

Wir brauchen nicht darüber zu diskutieren, dass Kingston es im Ring drauf hat, auch wenn mir sein Spot-Wrestling manchmal ganz schön auf den Wecker geht. Aber das tut es bei vielen Faces und ist nicht seine Schuld. Ob der Ex-Jamaikaner den Bogen Richtung Main Event tatsächlich irgendwann noch bekommt, wage ich allerdings zu bezweifeln.

Am Mikro ist er bestenfalls Mittelmaß und die WWE sieht sich lieber nach neuen Top-Faces um. Derweil ist er mal wieder beim Midcard-Titel gelandet, wie schon so oft in seiner Karriere. Ich stimme dir vollkommen zu, der IC-Titel ist, ebenso wie sein US-Gegenstück, völlig wertlos.

Statt zum Pushen von aufstrebenden Leuten wird er alibimäßig an Leute verteilt, für die man keinen Platz im Main Event findet - wie eben zuletzt The Miz. Auch diesen Run wird man in einem Jahr komplett vergessen haben, aber hier verteidigt Kofi Kingston natürlich.

Divas Championesse Eve Torres vs. Layla vs. Kaitlyn

Kneisel: Ein Diven-Match bei einem Pay-per-View, das zudem auch noch auf einer Storyline basiert? Es ist der Wahnsinn! Gut, die Geschichte mit der blonden Perücke könnte lächerlicher kaum sein. Aber immerhin bekommen die Mädels endlich mal wieder etwas Aufmerksamkeit.

Aufmerksamkeit, die sich gerade Eve redlich verdient hat. Seit ihrem Heel-Turn ist Ms. Torres unglaublich stark, zudem ist sie neben Michelle McCool und mit Abstrichen Layla die einzige Ex-Diva-Search-Teilnehmerin, die sich das Label "Solide Wrestlerin" verdient hat. Leider bleibt die Anerkennung vom Publikum aus und auch am Sonntag erwarte ich wieder die üblichen "Boring"-Rufe.

Layla wird ihr Standard-Repertoire runterspulen, Kaitlyn ein paar Moves botchen und am Ende behält Eve Torres dank irgendeinem miesen Trick ihren Titel. Wirklich spannend ist nur die Frage, ob das Rätsel um Kaitlyns Angreiferin aufgedeckt wird, oder man sich damit noch Zeit lässt. Ich lasse mich überraschen.

Hinselmann: Normalerweise sagt man ja vor einem Diven-Match immer PP - Pinkelpause. Tut man hier auch. Ja, es ist eine Story dahinter, nett. Kaitlyn, nett anzusehen. Layla, irrelevant. Eve, findest du super? Kann sein, dass sie ihr Heel-Gimmick so gut spielt, dass sie mir auf die Eier geht, aber ich finde es einfach nur schrecklich, ihr zuhören zu müssen.

Zugegebenermaßen ist sie aber die beste Wrestlerin im Match und besitzt neben AJ das tiefste Profil im Roster. Von daher kann ich mit der definitiv stattfindenden Titelverteidigung von Eve Torres ganz gut leben. Über das Match an sich hast du schon alles gesagt.

Ich freue mich, Kaitlyn zu sehen und hoffe auf neue Impulse in der Divas-Division. Paige, Sara Del Rey, AJ, Mickie Jam...ehh Audrey Marie oder die Tochter von Eddie Guerrero (wenn sie denn noch unter Vertrag steht).

WWE Tag Team Champions Team Hell No! vs. Team Rhodes Scholars

Hinselmann: Man kann sich ja beschweren wie man will über das derzeitige Produkt der WWE. Wenn man eins aber nicht darf, dann sich über den Giftzwerg und den maskierten Komiker aufzuregen. Was man hier seit Wochen macht, ist allergrößtes Entertainment! Das Verrückte dabei ist, dass ein vergessenes Titel-Paar davon profitiert.

Ein langes Turnier um den Nummer-Eins-Contender-Posten und nicht nur ein Match oder eine "Beat the Clock" Challenge - ich bin verzückt. Ob man nun mit dem Sieg von Rhodes Scholars d'accord geht, kann jeder mit sich selbst ausmachen. Ich tue es nicht, freue mich aber dennoch wie ein Kind zu Weihnachten. Eine Tag-Team-Fehde, die unterhaltsam ist, mit guten Namen bestückt und gute Action garantiert.

Das Match an sich wird einige Comedy-Segmente zwischen Kane und Daniel Bryan hervorbringen, am Ende wird es aber wieder "I am the Tag Team Champions" heißen. Team Hell No! wird die Titel verteidigen, alles andere wäre doof. Dennoch stellt sich die Frage, weshalb nun die ganzen "legitimen" Tag Teams a la Primo & Epico, PTP oder The Usos vor gestandenen Solo-Wrestlern zurücktreten müssen? Auf kurze Sicht mag das was bringen, auf lange Sicht sehe ich aber keinerlei Nutzen für die Division.

Kneisel: Da sagst du was, die "echten" Tag Teams sind leider bislang die Verlierer des Tag-Title-Pushs. Andererseits sah es für sie vorher auch nicht wirklich besser aus, mit Ausnahme der Prime Time Players vielleicht, deren Push mal wohl komplett vergessen hat.

Mit dem Sieg der Rhodes Scholars gehe ich durchaus d'acord, da Kane und D-Bryan ja bereits seit Wochen eher Richtung Faces als zur Gegenseite tendieren. Klar, beide sind Tweener, aber Kane zeigt eindeutige Face-Tendenzen und Daniel, wenn auch eher der Heel im Duo, wird eh von allen geliebt. Ich hatte eigentlich einen Three-Way mit Rey Mysterio und Sin Cara als drittem Team erwartet, aber Cody und Damien passen als Gegenpol zu den beiden liebenswerten Irren schon gut.

Zwar merkt man bei der Hell No!-Storyline auch schon seit ein paar Wochen, dass den Writern die Ideen ausgehen, aber es ist nach wie vor das mit Abstand unterhaltsamste am aktuellen WWE-Produkt. Gerüchten zufolge soll demnächst auch Dr. Shelby wieder zu sehen sein, dann geht es wieder steil bergauf. Ach ja, die Titel haben die Jungs dann natürlich noch, Sieg Team Hell No! und "I am the Tag Team Champions!!!"

Randy Orton vs. Alberto Del Rio

Kneisel: Berto verkloppt Orton nach Strich und Faden, Berto bringt Daniel Bryan clean zum Austappen und die Kommentatoren überschlagen sich in ihren Bemühungen, zu betonen, wie unglaublich tough und verbissen der Mexikaner in letzter Zeit geworden ist. Hatten wir aber alles schon!

Bereits vor seinem letzten Titelmatch gegen Sheamus wurde der neue Del Rio gepusht wie nichts Gutes. Was hat es ihm gebracht? Genau, absolut gar nichts. Beim PPV wurde er wieder vom Great White gepinnt und verlor so das gefühlt 17. Titelmatch in Serie. Del Rio hat zweifelsohne seine Schwächen, doch er ist ein guter Worker mit feinem Gimmick und der vielleicht besten Mimik im aktuellen Kader.

Dennoch wittere ich statt eines baldigen Titelgewinns hier seine nächste Niederlage in einem PPV-Match. Die Viper braucht den Sieg zwar nicht, da er derzeit mehr mit Dreharbeiten beschäftigt ist als mit der Jagd auf Titel. Eine Niederlage gegen Alberto Del Rio sehe ich trotzdem nicht, Randy Orton beschert seinen Fans einen Feel-Good-Moment.

Hinselmann: Du sagst es, in fast allen Punkten stimme ich dir vollkommen zu. Del Rio ist großartig und hätte Sheamus den Titel abnehmen sollen. So ist es nicht gekommen, also gibt es jetzt eine Übergangsfehde gegen Randy Orton. Das Wort "Übergangsfehde" ist oft eher negativ behaftet.

Doch waren beispielsweise auch Punk/Nexus vs. Cena oder Orton vs. Kofi Übergangsfehden und beide waren stark. Genauso empfand ich die größtenteils von Del Rio alleine gestaltete bisherige Fehde. Der Gesten-, Entrance- und Spitznamenklau (Apex Predator) bringen einfach Spaß und Alberto macht das großartig. Das Match wird auf Grund der beiden erfahrenen Veteranen ein guter und spannender Fight, davon bin ich überzeugt.

Beim Ergebnis bin ich anderer Meinung und sehe Alberto Del Rio als Sieger. Dass man Orton seit seiner letzten Suspendierung auch mal clean verlieren lässt, hat man oft genug gesehen. Falls es nicht so kommt, ist es auch Wurst, denn wen interessiert heute noch, dass Orton vor sechs Wochen bei Night of Champions gegen Ziggler gewann? Niemanden.

Seite 2: Endet Rybacks Siegesserie?

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