Rocky, Superman und der Hollywood-Effekt

Von Maurice Kneisel
Donnerstag, 29.03.2012 | 18:33 Uhr
Seit einem Jahr steht das WrestleMania-Match zwischen The Rock (l.) und John Cena
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The Rock vs. John Cena - seit einem Jahr dreht sich alles nur um den Main Event von WrestleMania 28 in der Nacht vom kommenden Sonntag auf Montag (ab 1 Uhr im User-Talk). Unübersehbar sind dabei die Parallelen zum legendären Aufeinandertreffen zwischen dem Great One und Hulk Hogan vor zehn Jahren. Und auch das Match wird ähnlich verlaufen...

"Es wird aufregend und die Fans werden absolut geteilt sein, die eine Hälfte pro Rock, die andere pro Cena. Ich persönlich werde mir einen Kapuzenpulli überziehen, einen Hut aufsetzen und mir das Ganze aus dem Publikum anschauen, denn es wird der Hammer", erklärte Zack Ryder, ganz Company Guy, unlängst im Interview.

Zack Ryder im Interview: "Die YouTube-Show rettete meine Karriere"

Ich vermute mal, ich war nicht der Einzige, der sich bei dieser Aussage etwas im Stile von "ISSES SO?!" (übelster SPOX-Jargon) dachte. 50 Prozent des Publikums könnte John Cena nicht mal in seinem Heimatstaat Massachusetts bei einem Match gegen Vickie Guerrero auf seine Seite ziehen. Nicht mal annähernd, um genau zu sein.

Ikone versus Ikone, Teil I

Im Main Event von WrestleMania 28 gegen den wohl populärsten Wrestling-Superstar aller Zeiten, und das auch noch in dessen Heimatstadt, dürfte es nicht unbedingt besser aussehen. Ryder hat allerdings eine Parallele gezogen, die den Nagel auf den Kopf trifft: "Ich vergleiche es oft mit Rock vs. Hulk Hogan bei WrestleMania 18: der Top-Superstar der Vergangenheit - in diesem Fall The Rock - trifft auf das aktuelle Aushängeschild."

17. März 2002, der Sky Dome in Toronto, Ontario, Kanada: der unumstrittene Superstar der Attitude Era und das Top-Face der WWE, Dwayne The Rock Johnson, steht einem Mann gegenüber, der die Liga 1993 verlassen und sich dem Konkurrenzunternehmen WCW angeschlossen hatte. Gerade mal einen Monat zuvor war Hulk Hogan bei No Way Out zurückgekehrt, im Schlepptau seine Kumpels von der nWo, mit denen er jahrelang im Quotenkrieg zwischen WCW und WWE letzterer die Hölle heiß gemacht hatte.

Den Fans war all das egal: sie feierten den bereits mitten im Face-Turn befindlichen Hollywood Hogan ab, als gäbe es kein Morgen, während Rocky teilweise gnadenlos ausgebuht wurde. Das Match war nicht hochklassig, wie auch? Schließlich sind beide Männer weniger wegen ihrer wrestlerischen Fähigkeiten als wegen ihrem Charisma und ihrem Können am Mikrofon zu Stars geworden.

Doch was dieses Aufeinandertreffen so unvergesslich machte, es sämtliche anderen Matches bei WrestleMania 18 überschatten und - sicherlich nicht nur in meinen Augen - zu einem der unvergesslichsten WrestleMania-Momente überhaupt avancieren ließ, war die einmalige Stimmung in der Halle.

Emotionen pur

Rückblickend muss man auch beim schon jetzt legendären CM Punk vs. John Cena-Match von Money in the Bank 2011 eingestehen, dass es zwar klar stärker war als The Rock vs. Hogan, aber definitiv nicht zu den besten Wrestling-Matches aller Zeiten zählt.

Dennoch bleibt einem aus dem Vorjahr nicht etwa eine der zahlreichen hochklassigen Leistungen in Erinnerung, die Tyson Kidd in den Wochenshows auf die Matte zauberte, sondern eben diese monumentale Schlacht zweier Männer, die unterschiedlicher kaum hätten sein können, eingebettet in eine sensationelle Storyline und ausgetragen vor einer der heißesten Crowds aller Zeiten.

Auch bei WrestleMania am Sonntag geht es weniger um Technik und wrestlerische Highlights als um Emotionen pur. Und diese fördern kaum zwei Wrestler so stark zutage wie John Cena und The Rock - nicht nur aktuell, sondern generell in der Geschichte des Business.

Schon vor ziemlich genau einem Jahr, als der Main Event bekannt gegeben wurde, war klar: Rocky wird gefeiert werden wie nichts Gutes, John gnadenlos ausgebuht. Daran geändert hat sich seitdem wenig. Viel wurde deshalb spekuliert, nun sei die Situation doch günstig für Cena, um endlich Heel zu turnen. Schließlich werde er ohnehin als Hassobjekt der Massen in das Match gehen. Richtig und falsch!

Superman müsste man sein...

Die Situation erschien zweifelsohne perfekt. Durch die Storyline mit Kane bot sich die ideale Gelegenheit, den Doctor of Thuganomics seinen Hass endlich mal ordentlich durchknuddeln zu lassen. Dafür ließ man sogar dessen Kumpel Zack Ryder im fast sprichwörtlichen Sinne über die Klippe springen.

Doch was stand am Ende zu Buche? Kane hatte eine kräftige Abreibung kassiert, das Momentum seines Masken-Comebacks war verpufft und Cena hatte seine Zunge schön tief in Eves Hals gesteckt. Superman müsste man sein...

Seite 2: Cenas Non-Turn und das Locker-Room-Work

 

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