Hell in a Cell: Der Spielplatz des Teufels

Im Fegefeuer der Hölle

Von Walandi Tsantiridis
Freitag, 30.09.2011 | 12:14 Uhr
Triple H lieferte sich bereits legendäre Matches im Hell-in-Cell-Stahlkäfig
© 2011 wwe, inc. all rights reserved.

Der Teufel hat seinen Spielplatz in der WWE gebaut. Nicht zu Unrecht wird Hell in a Cell als "Devil's Playground" bezeichnet. Bereits bei der Premiere erwies sich der Undertaker als Hauptdarsteller. In der Nacht von Sonntag auf Montag (ab 1.45 Uhr im LIVE-TICKER) ist SPOX bei dieser Veranstaltung dabei.

Wenn Schweine zur Schlachtbank geführt werden, fließt weniger Blut. Okay, der Vergleich klingt vielleicht sehr drastisch, aber wer noch nie eines der bisherigen 21 Hell-in-a-Cell-Matches gesehen hat, glaubt nicht, wie es dabei zugeht.

Dieses Konstrukt war die natürliche Weiterentwicklung des klassischen blauen Käfigs, in dem sich die Hart-Brüder Bret und Owen im Jahr 1994 das wahrscheinlich spektakulärste Match dieser Art lieferten.

Wir schreiben das Jahr 1997. Shawn Michaels und der Undertaker gehören (neben Bret Hart) zu den dienstältesten Superstars in der WWE. Nur standen sich diese beiden Superstars erst in jenem Jahr zum ersten Mal bei In Your House 17: Ground Zero gegenüber. Der unklare Ausgang forderte eine eindeutige Entscheidung. Hell in a Cell war geboren.

Die Weiterentwicklung des klassischen Käfig-Matches

Der Käfig wurde größer, der Mattenrand wurde eingeschlossen, um den Superstars mehr Bewegungsfreiraum zu geben. Oben drauf wurde ein Dach gesetzt. Obwohl der Käfig der WCW-War-Games bereits mit einem Dach verschlossen und auch beim Thundercage (WCW Superbrawl IV) der Mattenrand eingeschlossen wurde, stellte Hell in a Cell eine einmalige Neuerung dar.

Der martialische Name des Konstrukts ließ sich dazu ideal vermarkten. Gerade zu ihrer Anfangszeit versprach die Höllenzelle den Fans zwei Dinge: Viel Blut und verrückte Stürze vom Dach.

Und mitten drin immer wieder der Undertaker, der seine Gegner "berühmt" machte - wie er es selbst bezeichnete.

Beförderte er Michaels beim ersten Hell-in-a-Cell-Match noch vom Rand der Zelle durch den spanischen Kommentatorentisch neben dem Käfig, so ging er ein Jahr später beim King of the Ring gegen Mankind noch eine Stufe höher.

Mick Foleys waghalsige Sprünge vom Dach

Der risikobereite Mick Foley machte sich vor dem Match Gedanken, wie er den Sturz des Heartbreak Kid überbieten und gleichzeitig die reale Fußverletzung des Undertakers überspielen könne. Also bat er seinen Freund Terry Funk um Hilfe. Wie Foley in seiner Autobiografie "Have a nice day" beschreibt, merkte der Funker eher als Spaß an, dass er sich doch einfach direkt vom Käfigdach schmeißen lassen solle. Für Foley der richtige Anstoß, um an seiner eigenen Legende zu stricken.

Im Match ließ er sich vom Undertaker nicht nur einmal zu Beginn des Matches vom Dach, sondern ein zweites Mal durch den Käfig in den Ring befördern. Den krönenden Abschluss besorgte ein Chokeslam in einen Haufen Reißzwecken.

Im ersten und einzigen Hell-in-a-Cell-Match bei einer WrestleMania (bei der 15. Ausgabe) fügte der Undertaker nicht nur einen weiteren Namen seiner Opferliste hinzu. In einem skurrilen Anblick hängte er sprichwörtlich seinen Gegner, den Big Bossman, an einem vom Käfig baumelnden Strick auf.

Der Undertaker und Triple H als Sinnbild der Gewalt

Bei Armageddon 2000 hatte der Undertaker fünf Gegner zur Auswahl, die "berühmt" gemacht werden konnten. Im Endeffekt war es Rikishi, der vom Dach auf die Ladefläche eines Trucks neben dem Ring befördert wurde. Die Opferrolle nahm der Undertaker zum ersten Mal selbst bei No Mercy 2002 gegen Brock Lesnar ein. Gegen The Next Big Thing, der seinen Sieg nach dem Match symbolisch auf dem Dach der Zelle feierte, verlor er jede Menge Blut.

Ein weiterer Hauptdarsteller des Hell-in-a-Cell-Matches ist der momentane COO der WWE, Triple H. In seinem ersten Match in der Zelle beendete er (zwischenzeitlich) die Karriere von Mick Foley bei No Way Out 2000 und bestritt das längste Match dieser Art bei Bad Blood 2004 gegen Shawn Michaels.

Seine Auseinandersetzung bei Judgement Day 2002 mit Chris Jericho war zwar nicht der Main Event der Veranstaltung, jedoch lieferten die beiden Superstars eines der besten Hell-in-a-Cell-Matches der WWE-Geschichte ab. Dass der Käfig eine Gefahr für jeden darstellt, der ihn betritt, bewies dieses Aufeinandertreffen. Ringrichter Tim White verletzte sich so schwer, dass er seine Karriere kurz nach der Veranstaltung beenden musste.

Über die folgenden Comedy-Segmente auf "WWE.com", die White nach dessen frühzeitigem Karriereende in angebliche Selbstmordgedanken trieben, hüllen wir den Mantel des Schweigens.

Vince McMahon küsst Big Shows Hintern

Der Käfig strahlt noch heute seine ursprüngliche Gefahr aus, auch wenn der Gewaltfaktor im Zuge der neuen jugendfreundlicheren Ausrichtung zunehmend nachgelassen hat. Im Vergleich zum Ursprungsmodell wird ein noch höheres Konstrukt genutzt. Auch dieses wurde Zeuge legendärer Momente: So musste WWE-Besitzer Vince McMahon bei Unforgiven 2006 sein Gesicht in den Hintern von Big Show stecken - mit gütiger Mithilfe von D-Generation X.

Seit dem Jahr 2009 wird diesem Match eine eigenständige Veranstaltung im Pay-Per-View-Kalender gewidmet. Und genau diese Tatsache sorgt für Kritik: Overkill. Mit der Veranstaltung am kommenden Sonntag haben sieben Hell-in-a-Cell-Matches in einem Zeitraum von nur drei Jahren stattgefunden.

Diente das Match einst dem Abschluss einer Fehde, so wirke es derzeit als aufgedrängter Zwischenstopp ohne vernünftigen Aufbau. Dem Spektakel im Hell in a Cell wird dies trotzdem keinen Abbruch tun.

Alle kommenden WWE-Termine in der Übersicht

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung