Main Focus on SummerSlam

Wenn drei gewaltige Egos sich streiten…

Von Maurice Kneisel
Donnerstag, 11.08.2011 | 16:14 Uhr
Wer hat am Ende des SummerSlam die Nase vorn? John Cena, CM Punk, oder doch Triple H (2.v.r.)
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...wer freut sich dann eigentlich am Ende? Im Mittelpunkt des SummerSlams, der in der Nacht vom kommenden Sonntag auf Montag (1.45 Uhr im LIVE-TICKER) stattfindet, steht das Aufeinandertreffen zwischen den beiden WWE-Champions CM Punk und John Cena. Seit der letzten RAW-Ausgabe ist klar: Auch der neue COO Triple H wird mit von der Partie sein - als Special Referee. Doch was bedeutet das für den Main Event?

CM Punk und John Cena hatten beide bereits ihre Differenzen mit dem neuen Chief Operating Officer, Punk dabei die heftigeren. Hunter hat ihn zwar laut Storyline zurückgebracht, dabei aber auch immer wieder betont, dies nur getan zu haben, weil es "eine gute Geschäftsentscheidung" war. In der vergangenen RAW-Ausgabe aus San Jose, Kalifornien erlebten wir die Vertragsunterzeichnung der beiden Champions.

Dabei wurden nicht nur die üblichen Nettigkeiten ausgetauscht, sondern zum Ende hin auch Hand angelegt, als Cena Punk attackierte, nur um dabei mit Triple H zusammen zu stoßen und einen weiteren Streit vom Zaun zu brechen. Um die aktuelle Ausrichtung der Haupt-Storyline der WWE beurteilen zu können, muss man die Entwicklung seit dem letzten Pay-per-View betrachten. Und dabei stellt sich zunächst die Frage...

Kam Punks Rückkehr zu früh?

Ja und nein. Nach seinem großen Abgang bei Money in the Bank blieben viele Fragen offen, dabei in erster Linie natürlich die, ob CM nun einen neuen Vertrag bei WWE unterschrieben hatte oder nicht. Und während er seinen WWE-Champion-Titel in den Kühlschrank packte oder zu Spielen der Chicago Cubs mitnahm, schien zwar wahrscheinlich, dass Punk auch weiterhin bei der WWE angestellt war, aber hundertprozentig sicher sein konnte man sich nicht.

Dies änderte sich mit seinem unerwarteten Auftritt bei der Comic Con in San Diego und den verbalen Attacken gegen Triple H. Hier wurde nicht nur der Grundstein für sein On-Air-Comeback gelegt, sondern auch für eine zukünftige Fehde mit seinem neuen Boss. So großartig der Auftritt geplant war, so wurde in diesem Moment doch auch offensichtlich, dass Punk bei der WWE verlängert hatte. Entsprechend machte es wenig Sinn, den derzeit heißesten Superstar im Roster noch länger aus den Shows rauszuhalten.

Hätte man das Spiel noch eine Woche länger spielen, den Punker noch bei weiteren öffentlichen Veranstaltungen, TV-Shows oder via Social Media Öl ins Feuer gießen lassen können? Keine Frage, und es hätte seinen Abgang auch etwas glaubwürdiger erscheinen lassen als eine Rückkehr nach gerade mal zwei Wochen.

Aber der Punkt ist folgender: Die WWE hat genau das erreicht, was sie wollte. Nämlich, dass Punk in aller Munde ist, alle Internetseiten voll mit Spekulationen und Diskussionen zu ihm und beim Comeback sämtliche Zuschauer, ob nun CM-Fans oder nicht, an seinen Lippen hingen, um zu hören, was der neue Vorzeigerebell im Business zu sagen hatte.

Letzten Endes war Punks schnelle Rückkehr - obgleich nicht von Anfang an so geplant - doch reines Kalkül. Immerhin steht mit dem SummerSlam der zweitwichtigste Pay-per-View im WWE-Kalender vor der Tür. Und wenn sich dann die Frage stellt, ob man eine gelungene Storyline noch etwas weiter strickt, um sie voll auszureizen, oder den nächsten Schritt in der Entwicklung etwas früher nimmt, um so höhere Buyrates zu generieren, dann ist klar, welche Entscheidung ein börsendotiertes Multi-Millionen-Dollar-Unternehmen wie die WWE trifft.

Hätten viele Leute alleine eingeschaltet, um zu sehen, ob Punk beim PPV zurückkehrt? Vermutlich. Aber durch den Main Event um die Undisputed WWE-Championship hat die Liga sicher gestellt, einen absoluten Knaller zu fahren, der - seien wir ehrlich - sämtliche Matches der vergangenen WrestleMania-Card alt aussehen lässt.

Turnt Cena Heel?

Wie in jedem Jahr, so kann auch in diesem wieder munter über einen Heel-Turn von John Cena spekuliert werden. Dieser scheint längst überfällig, zudem steht ihm mit CM Punk der logische Nachfolger als Aushängeschild der Liga gegenüber. Aber ist dem wirklich so?

Cena ist nach wie vor der absolute Merchandise-Schlager der WWE. Auch wenn sich Punks neues Shirt verkauft wie geschnitten Brot und er die Fans gemeinsam mit Jim Ross via "Twitter" schon beruhigen musste, weil der Versand sich aufgrund der enormen Anfrage verzögert, ist er noch lange nicht auf einem Level mit dem Doctor of Thuganomics angekommen.

Hinzu kommt, dass Punk in erster Linie einen bestimmten Teil der Fans anspricht: Die Smart Marks. Und während es sich bei dieser Gruppe, die den Punker derzeit vergöttert wie keinen Zweiten, um einen nicht unwesentlichen Teil des sogenannten WWE-Universums handelt, so ist sie eben doch nur das: Ein Teil.

Übersehen werden darf dabei nicht, dass John Cena für die aus Kindern und Frauen bestehende Sektion des Publikums weiterhin der unumstrittene Held ist. Und diese macht, wie zuletzt bei RAW unüberhörbar, einen nicht unwesentlichen Teil der WWE-Fanschicht aus.

Bei RAW aus Indianapolis vergangene Woche war CM - im Gegensatz zu seinem Heimspiel in Chicago bei Money in the Bank - nicht mehr der einstimmige Liebling der Fans. Auch wenn es die Cena-Hater-Fraktion nicht gerne zugeben wird, aber der Franchise Player der WWE hatte einen Großteils des Jubels auf seiner Seite. Von daher erscheint es mehr als fraglich, ob es sinnvoll wäre, Cena zu turnen.

Ganz davon zu schweigen, dass die WWE derzeit unter akutem Face-Mangel leidet. Neben John stehen lediglich Rey Mysterio und Randy Orton im Main Event, wobei letzterer sich derzeit wieder verstärkt Richtung Tweener oder sogar Heel bewegt. Sheamus scheint zwar auf dem Weg zum Top-Face, braucht aber noch Zeit und steht zumindest derzeit noch bei SmackDown! im Kader.

Apropos Tweener: Die Verantwortlichen sollten auf keinen Fall den Fehler machen, Punk noch mehr in Richtung Face zu drängen, als dies aktuell ohnehin schon der Fall ist. Zum einen, weil er, ähnlich wie Stone Cold Steve Austin, als Zwischenpol zwischen den beiden Fraktionen am besten funktioniert. CM hat sich zuletzt als Vertreter der Fans präsentiert, während er den vermeintlichen Liebling der Massen attackierte.

Und genau so muss es weitergehen, denn eben das ist die Stone Cold-Schiene: Ein "Guter" sein, obwohl man allem und jedem in den Arsch tritt. Ganz davon zu schweigen, dass Punk durch die offenkundig anstehende Fehde mit Triple H munter weitere Rattlesnake-Gummipunkte sammeln wird. Denn CM vs. Hunter könnte (und soll wohl auch) das neue Austin vs. Vince McMahon werden.

Ein kompletter Face-Turn für den Straight Edge Savior hätte zudem zur Folge, dass man genau die Schicht verprellt, die ihn derzeit vergöttert. Punks frühes Comeback hat bereits einen Teil der Internet Community verstimmt, und ein Run als aalglatter Babyface, der zudem null zu Punk passen würde, würde seine Popularität bei dieser Fanschicht empfindlich treffen.

Wer freut sich zuletzt?

Seien wir ehrlich: Nach dem starken ersten Aufeinandertreffen zwischen Punk und Cena in Chicago, bei dem die Emotionen der überragenden Crowd enormen Anteil an der Wirkung des Matches hatten, sind die Erwartungen im Hinblick auf den SummerSlam-Main Event ungemein hoch. Einfach "nur" ein weiteres Eins-gegen-Eins-Match hätte trotz der Doppel-Champ-Konstellation wohl nicht gereicht, um noch einmal eine so große Spannung zu erzeugen wie vor knapp einem Monat.

Also hat sich ein Mann groß ins Spiel gebracht, der seit jeher keine Probleme damit hat, sich selbst in den Vordergrund zu rücken: Triple H. Wie erklärte er noch vor einigen Wochen selbst bei RAW: "Ich habe eines der größten Egos in der gesamten WWE". War dies Teil seines Gimmicks? Klar, aber es trifft bekanntermaßen auch absolut auf Paul Michael Levesque zu. Und so steht der Mann, der on-Air mittlerweile die Geschicke des Unternehmens leitet, ebenfalls im Main Event - als Special Referee.

Auf den gängigen Dirt Sheets war bereits zu lesen, dass man sich bei der WWE absolut bewusst sei, wie heiß CM Punk derzeit ist und wie groß sein langfristiges Potential; dennoch sei das Ziel der aktuellen Fehde, Triple H over zu bringen. Excuse me?Hunter ist neu in seinem Job als COO und soll schnellstmöglich etabliert werden, das ist nachvollziehbar. Aber doch bitte nicht auf Kosten von Punk und Cena.

Sicher scheint, dass uns die schon mehrfach angedeutete Fehde zwischen Punk und Triple H irgendwann im Zeitraum zwischen dem nächsten PPV Night of Champions und WrestleMania 28 im kommende Jahr so richtig ins Rollen kommen wird. Aber muss es dabei auch um die WWE-Championship gehen?

Und vor allem: welche Bedeutung haben diese Informationen im Hinblick auf den Main Event beim SummerSlam? Klar ist, dass Triple H dort seine Macht-Muckis kräftig spielen lassen wird. Aber ausschließlich gegen Punk? Immerhin hat auch John Cena bereits mehrfach angedeutet, mit den Entscheidungen seines neuen Chefs alles andere als einverstanden zu sein. Den Screwjob-Versuch von Vince McMahon bei Money in the Bank verhinderte er, obwohl dieser zu seinen Gunsten ausgefallen wäre.

Cena hat dabei eindeutig bewiesen, dass er für Recht und Ordnung einsteht - auch wenn es ihn den Titel kostet. Wie also wird er am Sonntag reagieren, wenn Hunter versuchen sollte, ihn zu bevorteilen? Einen Turn werden wir beim SummerSlam wohl definitiv erleben. Allerdings dürfte dieser weder von CM Punk noch von John Cena vollzogen werden, sondern vom Special Guest Referee.

Und ganz nebenbei: Ist eigentlich schon jemandem aufgefallen, dass der Anonymous General Manager von RAW - bei den Fans bekanntermaßen alles andere als beliebt - ungewohnt schweigsam ist, seit Triple H wieder vor den Kameras zu sehen ist? Ein erstaunlicher Zufall...

Sämtliche WWE-Champions im Überblick

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