Der SummerSlam 2011 in der Analyse

Chaos versprochen? Chaos geliefert!

Von Maurice Kneisel
Montag, 15.08.2011 | 05:30 Uhr
In der Nacht auf den 15. August steht der WWE SummerSlam an
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Der SummerSlam 2011 ist Geschichte und hat alles gehalten, was er im Vorfeld versprach - mindestens. Im Staples Center von Los Angeles wurden ein Bonusmatch, mehrere Schocker und ein handfester Showstealer geboten. Dazu das fantastische Titelmatch um die Welt-Schwergewichts-Championship und ein Main Event, der komplett im Chaos versank. Action vom Allerfeinsten!

The Miz, R-Truth & Alberto Del Rio vs. Rey Mysterio, John Morrison & Kofi Kingston

Angesichts der schmalen Card mit nur fünf Matches war zu erwarten, dass kurzfristig noch ein zusätzliches hinzukommen würde. Durch das Tag-Team-Match hat man geschickt sechs der derzeit wichtigsten RAW-Superstars untergebracht und einen ebenso kurzweiligen wie unterhaltsamen Opener geboten. Weiterhin ermöglichte die Matchart dem angeschlagenen Rey Mysterio, den bei RAW ein WWE-Championship-Match sowie in den kommenden Monaten wohl eine größere Storyline erwarten, zu glänzen, ohne lange im Ring zu stehen. Für die spektakulären Szenen sorgten John Morrison mit seinem Corkscrew Plancha nach draußen sowie der gewohnt spektakuläre Kofi Kingston. Zudem wurde Alberto Del Rio eingesetzt und somit zumindest ein wenig von seinem späteren Auftritt im Main Event abgelenkt. Sieger: Rey Mysterio, John Morrison & Kofi Kingston.

Sheamus vs. Mark Henry

Die nächste Episode im Rahmen des unglaublichen Aufstiegs von Mark Henry. Seit mittlerweile 15 Jahren steht er bei WWE unter Vertrag, und nie war er besser als momentan. Die vorläufige Krönung erfolgte vergangene Nacht, als er den derzeit extremst heißen Sheamus ausbremste. Zwar gelang dem World's Strongest Man kein glatter Sieg per Pin, aber der Powerslam zunächst gegen den Pfosten und anschließend durch die dabei brechende Barrikade außerhalb des Rings war ebenso heftig wie spektakulär. Sheamus sollte die Niederlage auch nicht zu sehr schaden, da er nicht gepinnt wurde. Stellt sich die Frage, wie es für beide Männer weiter geht. Statt Christian vs. Sheamus um den Welt-Schwergewichts-Titel bahnt sich nun wohl tatsächlich die Vollendung von Henrys Main Event-Push in Form der seit längerem im Raum stehenden Fehde gegen Randy Orton an.

Divas-Champion Kelly Kelly vs. Beth Phoenix

Die Sache schien im Vorfeld klar: Entweder zerlegt Beth Phoenix Kelly Kelly in ihre Einzelteile, oder aber die Championesse verteidigt, nachdem sie eine ordentliche Tracht Prügel kassiert hat, mit Glück ihren Gürtel - denkste! Kelly zeigte das vermutlich beste Match ihrer Karriere (was auch immer das heißt) und lieferte Phoenix einen guten Kampf. Zwar war am Ende Beth am Drücker und wurde beim Glam Slam von K2 übertölpelt, ein Squash Match war es bis dahin aber beim besten Willen nicht. Im Gegenteil: Die Barbie wusste sich gegen die Diva of Doom vom Start weg zu behaupten. Es war zudem das beste (und längste) Divas-Match, das es seit geraumer Zeit außerhalb von Superstars bei der WWE zu bewundern gab. Danke dafür und gerne mehr davon. Siegerin und weiterhin Divas-Champion: Kelly Kelly.

Daniel Bryan vs. Wade Barrett

Wade Barrett zählt zu den talentiertesten Workern in der Heavyweight-Riege und Daniel Bryan nicht zu Unrecht zu den besten Wrestlern der Welt. Ein gutes Match war also zu Erwarten, aber große Stimmung wollte im Vorfeld angesichts des schwachen Aufbaus trotzdem nicht aufkommen. Das änderte sich aber postwendend mit Ertönen des Ringgongs: Bryan und Barrett präsentierten eine hervorragende Chemie im Ring und zeigten beide eine überragende Leistung. Bryan schenkte seinem Gegenüber nichts, seine Aktionen - insbesondere die Kick-Arien - sahen gewohnt stiff und somit wirkungsvoll aus. Barrett feuerte sein gesamtes Move-Arsenal ab und wuchs teilweise über sich selbst hinaus. Letzten Endes durfte er nach einem ausgeglichenen Match voller Konter, in dem es pausenlos hin und her ging, den Sieg gegen einen Bryan einfahren, der dennoch sehr stark dargestellt wurde. Alles richtig gemacht, für mich der eindeutige Showstealer. Sieger: Wade Barrett.

Welt-Schwergewichts-Champion Christian vs. Randy Orton in einem No Holds Barred-Match

Ich muss zugeben: Im Vorfeld habe ich mich nicht gerade auf diese Begegnung gefreut, da die Fehde absolut ausgelutscht war. Aber die No Holds Barred-Stipulation hat dem Match eine zusätzliche Härte verliehen, von der beide Männer gegen Ende ausgiebigst Gebrauch machten. Schon der Beginn mit dem Auftritt von Edge wusste zu begeistern. Waren seine Anwesenheit und seine Entscheidung, als eindeutiger Face dem Heel Christian der langjährigen Freundschaft zum Trotz nicht zu helfen, erwartungsgemäß? Definitiv, aber es hat dem Ganzen nicht geschadet. Im Anschluss erlebten wir ein hochklassiges Konterfestival mit zahlreichen Near-Falls und spektakulären Aktionen, bei denen beide - vor allem aber Christian - einige wirklich heftige Bumps nahmen. Ortons spektakulärer RKO durch das mexikanische Kommentatorenpult, Christians Flug vom Apron durch einen Tisch und vor allem auch der abschließende RKO aus dem Nichts auf die Stahltreppe waren großartige Szenen, die einmal mehr bewiesen, was für ein überragender Worker der Kanadier ist. Spüren dürfte er diese allerdings noch eine ganze Weile. Durch die Niederlage ist auch sein zweiter Title-Run kurz ausgefallen, mehr ist in der WWE wohl leider nicht drin. Nun ist es aber auch an der Zeit, beiden Männern neue Gegner - Henry und Sheamus vermutlich - zuzuteilen. Sieger und neuer Welt-Schwergewichts-Champion: Randy Orton.

WWE-Champion CM Punk vs. WWE Champion John Cena um die Undisputed WWE-Championship mit Special Guest Referee Triple H

Nach dem sowohl von der Stimmung als auch von der In-Ring-Action überragenden ersten Match bei Money in the Bank lag die Messlatte verdammt hoch. Und um es gleich klarzustellen: Das zweite Aufeinandertreffen kam nicht an das erste ran. Der Beginn war schleppend mit viel Mattenwrestling, immer wieder wurden die gleichen Haltegriffe gezeigt. Schließlich packten Cena und Punk dann ihre Trademark Moves aus, jeder musste den Finisher des anderen einstecken - aber nach der letzten Begegnung war auch klar, dass ein Attitude Adjustment bzw. Go to Sleep nicht ausreichen würde. Das Ende kam dann überraschend früh, und da Cena eindeutig das Bein im Seil hatte, war jedem Zuschauer klar: da muss noch etwas passieren. Umso überraschender, dass Cena sich nach kurzem Disput mit Referee Triple H, der das Match - ebenfalls wider Erwarten - bis dato absolut fair geleitet hatte, von dannen machte. Und während CM Punk noch jubelte und man sich fragte, was denn jetzt überhaupt noch passieren könnte, stand plötzlich Kevin Nash im Ring und machte ihn per Jacknife Powerbomb platt. Nicht ganz so unerwartet kam dann Alberto Del Rios zweiter Auftritt mit erfolgreicher Einlösung des Money in the Bank-Koffers. Und während das Match an sich den meisten Fans nicht sonderlich in Erinnerung bleiben wird, gilt das absolute Gegenteil für die anschließenden Szenen. Wie geht es nach der eindeutigen Fehlentscheidung weiter mit Triple H und John Cena? Was hatte Kevin Nash im Ring zu suchen? Und wird nun CM Punk gegen den frischgebackenen Champ Alberto Del Rio fehden? Storyline-Optionen und Spannung sind garantiert, und zwar nicht nur im Hinblick auf die kommende RAW-Ausgabe. Vielmehr dürfte der SummerSlam die Weichen für die kommenden Monate bei RAW gestellt haben. Und weil es soviel Spaß macht zu spekulieren, hier ein paar Schnellschüsse: Triple H wird nicht gegen Punk, sondern gegen Cena fehden. Stephanie McMahon, die man den ganzen Abend über Backstage sah, ist für den Auftritt von Nash verantwortlich. Und der wird in Zukunft als Bodyguard von Del Rio auftreten. Oder das ist alles kompletter Blödsinn. Da hilft nur Abwarten und sich auf die kommenden Shows zu freuen. Sieger und neuer Undisputed WWE-Champion: Aberto Del Rio.

Fazit: Die WWE hat es zum zweiten Mal in Folge geschafft, einen Pay-per-View abzuliefern, der die Erwartungen lässig übertroffen hat. Die In-Ring-Action war durchgängig überzeugend, einen Stinker gab es nicht. Selbst das Divenmatch wusste zu unterhalten und fiel verhältnismäßig lang aus. Nach den Ankündigungen im Vorfeld schien sich alles nur auf den Main Event zwischen Punk und Cena zu konzentrieren, doch mit dem hervorragenden Welt-Schwergewichts-Championship-Match sowie dem Showstealer zwischen Daniel Bryan und Wade Barrett wusste der zweitwichtigste PPV des Jahres von vorne bis hinten zu begeistern. Der Main Event ist zwar wrestlerisch sicherlich nicht mit dem von Money in the Bank zu vergleichen, bot durch das umstrittene Finish sowie die anschließenden Ereignisse aber Diskussionsstoff satt und massig Optionen für die Zukunft. Einzig von der Stimmung her stand der SummerSlam Money in the Bank etwas nach, dennoch war die heißeste Party des Sommers neben diesem eindeutig der PPV des Jahres.

Seite 2: Der SummerSlam zum Nachlesen im Ticker

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