Tennis

Kein Umschwung nach dem FedCup-Knockout: Deutscher Frust in Stuttgart

Von Jörg Allmeroth
Julia Görges
© getty

Der Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart hielt für die deutschen Spielerinnen nichts Gutes bereit. Angelique Kerber, Julia Görges und Co. mussten früh die Segel streichen.

An das schöne Schlußbild hatten sich die deutschen Tennisfreunde zuletzt gern gewöhnt. 2015 und 2016 gewann die aufwärts strebende Angelique Kerber den Stuttgarter Porsche Grand Prix mit aller gebotenen Kampfkraft, Zähigkeit und Leidenschaft, zwei Mal stemmte sie strahlend den Siegerpokal in die Höhe.

2017 gingen die deutschen Festspiele dann unvermindert weiter, allerdings mit einer ziemlich unwahrscheinlichen Sand-Königin - mit der trickreichen Lokalmatadorin Laura Siegemund, die der versammelten Weltelite eine lange Nase drehte. Ein deutscher Titel-Hattrick, es war auch so etwas wie der Höhepunkt des neuen deutschen Fräuleinwunders auf der größten nationalen Bühne.

Rein statistisch betrachtet, war die Lage vor den Stuttgarter Tennis-Festivitäten in diesem Jahr sogar noch etwas besser und komfortabler. Siegemund, die Titelverteidigerin, kam zwar noch ohne die ganz große Matchhärte in die Heimat, wenige Wochen nach ihrem Comeback und zuvor zehn Monaten Wettkampfpause wegen eines Kreuzbandrisses.

Aber Kerber und Julia Görges, die Siegerin des Jahres 2011, standen eigentlich bereit, wieder im Titelrennen mitzumischen, auf exquisiten Positionen in der Weltrangliste, Görges auf Platz 11 nach ihrem mitreißenden Aufschwung, Kerber wieder auf Platz 12 nach einer starken Leistungskonsolidierung. "Ich traue ihnen einiges zu", sagte DTB-Frauenchefin Barbara Rittner vor Turnierbeginn, beide Spielerinnen wollten sich gewiß auch für die Enttäuschungen beim Fed Cup-Halbfinale gegen Tschechien entschädigen.

Viertelfinale ohne deutsche Beteiligung

Aber als am Donnerstag die Auftaktphase des Turnier-Hochkaräters abgeschlossen war, standen die deutschen Spitzenkräfte und ihre Fans auf einmal mit leeren Händen da. Keine deutsche Akteurin war noch in den Ausscheidungsspielen verblieben, schon das Viertelfinale ging ohne nationale Interessensvertreterinnen weiter, ohne Görges, ohne Kerber, auch ohne Siegemund.

Görges hatte schon am Mittwoch eine etwas unerklärliche Pleite kassiert, ausgerechnet die einzige Spielerin, die beim Fed Cup vorübergehend hatte überzeugen können, verlor ohne jeglichen Biß und Rhythmus ihr Erstrundenmatch gegen die Tschechin Marketa Vondrousova. Görges sprach später von einer "Lehrstunde", sie meinte es auch durchaus wörtlich: "Ich muss noch damit umgehen lernen, dass ich jetzt mehr Verpflichtungen habe als früher, viele Termine neben den eigentlichen Matches."

Kerber, die Görges am Montagabend noch in einem Tiebreak-Showspektakel im Finale unterlegen war, erlebte schließlich einen ganz bitteren Stuttgarter Abschied. Zunächst hatte sich die ehemalige Weltranglisten-Erste mit einem Revanchesieg gegen Petra Kvitova im WTA-Turnier noch für die Ernüchterungen beim Fed Cup entschädigt.

Kerber verließen die Kräfte

Doch 24 Stunden später, nach diesem bemerkenswerten und couragierten Leistungscomeback, wirkte Kerber leider wieder wie ausgewechselt. Nur 38 Minuten dauerte ihr Gastspiel auf dem Centre Court, dann gab sie beim Stand von 0:6 und 0:2 gegen die Estin Annett Kontaveit wegen einer schmerzhaften Oberschenkelverletzung auf. Hinterher fragte sich die 30-jährige Kielerin, ob es sinnvoll gewesen sei, überhaupt zu spielen, gab sich aber selbst gleich die emotionale Antwort: "Ich brachte es nicht übers Herz, hier in Stuttgart nicht anzutreten. Bei jedem anderen Turnier wäre ich gar nicht rausgegangen."

Anders als für Görges und Kerber, die neben dem bitteren Fed Cup-Scheitern auch noch den Turnier-Frust aus Stuttgart mit im Gepäck hatten, fiel für Siegemund die Bilanz versöhnlich aus. Denn in den beiden ersten Matches auf höherem Niveau seit der gestarteten Comeback-Mission deutete die Metzingerin an, dass schon jetzt mit ihr als Unruhefaktor zu rechnen ist, als Bedrohung für das Establishment der Tour.

Nach dem Erstrundensieg gegen die Tschechin Barbora Strycova jagte Siegemund auch US Open-Halbfinalistin Coco Vandeweghe einigen Schrecken ein, bevor am Ende der Drei-Satz-Partie die Kräfte der Lokalmatadorin erlahmten. "Ich bin enttäuscht und happy zugleich. Ich hätte mir noch mehr Spiele hier gewünscht, aber meine Leistung stimmte. Das gibt Auftrieb für die nächsten Wochen", sagte die 30-jährige. Siegemund, wenigstens sie, durfte sich auch als Verliererin noch wie eine Siegerin fühlen.

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