Tennis

Frühere Wimbledonsiegerin Marion Bartoli steigt ins Trainergeschäft ein

Von Ulrike Weinrich
Marion Bartoli steht kurz vor ihrem Comeback
© getty

Ein halbes Jahr nach dem geplatzten Comeback auf der Profitour will sich Marion Bartoli fortan einer neuen Aufgabe widmen. Die 34-Jährige wird in der neuen Saison ihre französische Landsfrau Lucie Wargnier betreuen.

Als sich der große Traum von der Rückkehr auf die WTA-Tour nicht realisieren ließ, trauerte Bartoli auf ihre Weise. Zu ihrer Twitter-Nachricht im Juni 2018 stellte sie das Foto einer Rose in schwarz-weiß.

"Die notwendige Steigerung der Trainingsumfänge hat Schmerzen in meiner rechten Schulter verursacht. Dies ist nicht zu vereinbaren mit einem Comeback auf dem höchsten Level. Ich möchte jedem danken, der mich bei diesem wundervollen Abenteuer begleitet hat", erklärte die ehemalige Nummer sieben der Welt damals.

Rund sechs Monate später hat Bartoli eine neue Aufgabe gefunden - und ist voller Vorfreude. Seit kurzem trainiert sie Nachwuchshoffnung Lucie Wargnier, die derzeit auf Weltranglistenposition 761 rangiert. Die 19-Jährige hatte einst in Frankreich die nationalen Meisterschaft der Zwölfjährigen gewonnen und stand zwei Jahre später erneut im Finale.

Reha mit Bataclan-Opfern öffnete Wargnier die Augen

Doch eine 2015 erlittene Knieverletzung und die Folgen bremsten das Talent zunächst aus. Elf Monate konnte Wargnier nicht auf dem Court trainieren. Teile ihrer Reha verbrachte sie mit Opfern der verheerenden Terroranschläge von Paris. Der Teenie hatte viel zu tun mit Überlebenden des Massakers im Bataclan - und bekam eine völlig neue Sicht der Dinge.

"Diese Begegnungen haben mir die Augen geöffnet. Verglichen mit diesen Menschen hatte ich wirklich ein verschwindend kleines Problem", erzählte Wargnier der Tageszeitung Le Parisien und meinte: "Seitdem höre ich besser auf meinen Körper und bin geduldiger."

Teenie hofft auf Bartoli und die French Open

In der anstehenden Saison will sie ihren Fokus auf die 25k-Turniere statt die 15k-Events legen. "Es ist ein Neubeginn für mich. Und wenn es möglich ist, will ich zum ersten Mal die Qualifikation für Roland Garros spielen", sagte Wargnier. Mit einer Bartoli in der Box sind die Chancen auf eine Wildcard für das zweite Grand-Slam-Turnier des Jahres sicher gestiegen.

Gespannt darf man darauf sein, ob Bartoli bei ihrer Premiere als Coach einige der kuriosen Trainingsmethoden ihres Vaters Walter, eines Arztes und Tennis-Autodidakten, übernehmen wird. Diese hatten weltweit für Erstaunen gesorgt.

Der Wimbledon-Coup 2013 im Finale gegen Sabine Lisicki war auch die ganz persönliche Genugtuung der Marion B. aus Le Puy-en-Velay, deren gewöhnungsbedürftiger Spielstil von nicht wenigen belächelt wurde.

Bartoli hatte in einem Interview im Januar 2018 erstmals über ihre Beweggründe für ihr damals noch angestrebtes Comeback gesprochen. Dabei hatte sie ihren Ex-Freund scharf kritisiert und ihm die Schuld für ihre großen Gewichtsschwankungen gegeben. "Ich habe mich von jemandem zerstören lassen", sagte Bartoli der L'Equipe. "Ich hätte das nie für möglich gehalten."

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