Tennis

Alexander Zverev: Eiskalt zum Sieg und Federer-Duell

Von Jörg Allmeroth
Alexander Zverev
© getty

Konzentriert, souverän, stark: Alexander Zverev hat nach der Niederlage gegen Novak Djokovic bei den ATP Finals in London noch mal alles aus sich rausgeholt - und darf nun gegen Roger Federer antreten.

Als Alexander Zverev am Freitag vor Matchbeginn einen Blick in die Ehrenloge seines Gegners John Isner warf, hatte er den Alptraum des letzten Jahres vor Augen. Dort, neben Isners Trainerteam,saß quietschvergnügt Jack Sock, der Mann, der Zverev 2017 auf der Zielgeraden der WM-Gruppenphase sensationell ausgeschaltet hatte. Zverev musste damals zerknirscht und verbittert in den Urlaub reisen, die Titelvergabe fand ohne ihn statt, ohne den an seinen Nerven gescheiterten Star.

Nun aber lief die Sache komplett anders und auch mit anderem Resultat: Zverev blieb eiskalt in der Stunde der größten Herausforderung in diesem ganzen Tennisjahr, er war hochkonzentriert, zugleich souverän und entspannt in einer Alles-oder Nichts-Situation - und als abgerechnet war nach 82 Minuten in Londons O2-Arena, war der 21-jährige Hamburger nach einem 7:6 (7:5), 6:3-Sieg über Isner, den besten Kumpel, weiter mittendrin im großen Spiel um die größte Trophäe der ATP Tour. "Ich bin unglaublich glücklich jetzt", sagte Zverev, der Isner, den "Herrn der Asse", mit dessen eigenen Waffen ausschaltete. 18 Asse Zverevs, nur ein einziger, dann auch abgewehrter Breakball in all seinen Aufschlagspielen, reihenweise überzeugend gewonnene Servicepunkte - das war das Fundament für den Sieg der deutschen Nummer eins bei seinem eindrucksvollsten WM-Auftritt, für den Vorstoß ins Halbfinale.

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Belohnung für die Verlängerung: ein Federer-Match

Zverevs Saison geht also in die Verlängerung eines prickelnden Finalwochenendes, an dem bei diesem Championat der acht Besten des Jahres 2018 die Top Vier übriggeblieben sind. Und Zverevs Belohnung am Samstag, wieder ab 15 Uhr (Sky Sport live), ist eine Verabredung mit Maestro Roger Federer, einem der erfolgreichsten Spieler bei diesem Endturnier. "Es ist immer ein Traum, gegen ihn anzutreten", sagte Zverev, "ich hoffe, dass ich die Bilanz ausgleichen kann."

Bisher führt Federer im persönlichen Vergleich mit 3:2, das letzte Duell zwischen den Stars verschiedener Generationen fand vor zwölf Monaten auch bei den ATP Finals statt, Federer gewann in der Vorrunde in drei Sätzen. Der 37-jährige Künstler ist eine prägende Figur dieser WM, bei seinen 16 Teilnahmen zog er sage und schreibe 15 Mal ins Halbfinale ein. Federer, sechsmaliger WM-Sieger und 99-maliger Turniergewinner,wirktein der Vergangenheit auch oft genug wie ein Karriereberater von Zverev, immer wieder baute er den jungen Hamburger nach Fehlschlägen auf, zuletzt auch nach dessen frühem Scheitern bei den US Open.

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In Satz eins die Ruhe bewahrt

Aber das Halbfinale bei der WM ist nun das gewichtigste Match in der sportlichen Rivalität und Beziehung. Gut, dass Zverev sich dafür Selbstbewusstsein und Zuversicht holte mit dem fast tadellosen Auftritt gegen Freund Isner. "Ich bin voll in meinem Rhythmus geblieben, habe mir kaum entscheidende Fehler geleistet", sagte Zverev später. Was man früh merkte: Zverev war genauestens auf seine komplizierte Aufgabe und Prüfung gegen Isner gefasst, gegen den Gewaltaufschläger, der kaum Chancen für den Rückschläger zulässt. So nahm Zverev es denn auch mit stoischer Gelassenheit hin, dass sich das Geschehen unaufhaltsam auf das Glücksspiel eines Tiebreak in Satz eins zubewegte. Und dort nutzte er den einen kleinen Schwächemoment Isners aus, gewann bei 5:5 den Punkt zum 6:5 und servierte den Satz dann aus.

Danach hatte man nie mehr den Eindruck, als könne Zverevs Mission noch schiefgehen. Ein ums andere Mal jagte der 21-jährige seinem Kumpel Isner (33) die Asse und Gewinnschläge ins Feld, bei 4:3 und Aufschlag Isner gab es schließlich das einzige Break. Und auch in seinem letzten Aufschlagspiel, zum 6:3-Gesamsieg, blieb Zverev eisern auf Sieg und Halbfinalvorstoß fixiert. Er kann jetzt unbeschwert gegen Federer aufspielen, er ist nicht der Mann, der unter Druck steht. Die Saison 2018 klingt so oder so schon mit einer versöhnlichen Note für Deutschlands Nummer eins aus.

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