Stuttgart-Turnierdirektor Markus Günthardt: "Wir sind einzigartig"

Von Ulrike Weinrich
Dienstag, 03.04.2018 | 11:58 Uhr
Markus Günthardt dirigiert den Porsche Tennis Grand Prix
© Jürgen Hasenkopf

Im tennisnet-Interview spricht Turnierdirektor Markus Günthardt (60) über den Stand der Planungen für den 41. Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart (23. bis 29. April). Beim hochkarätig besetzten Hallen-Klassiker auf Sand werden acht Spielerinnen aus den Top Ten starten - darunter allein drei amtierende Grand-Slam-Gewinnerinnen.

tennisnet: "Herr Günthardt, das Motto des diesjährigen Turniers lautet "Passion returns". Wie schwer ist es in der heutigen Zeit, die Balance zwischen Tradition und Innovation zu finden?

Günthardt: "Das ist immer irgendwie ein Spagat. Aber die Philosophie bei uns lautet: Die Hauptbühne bleibt der Centre Court - und die Hauptakteure sind die Spielerinnen. Darum geht es am Ende des Tages. Natürlich müssen wir auch zusehen, dass die Zuschauer bis zum letzten Ballwechsel bei uns bleiben. Das bedeutet, wir müssen über zehn, zwölf Stunden Programm bieten. Unser Ziel ist es, ein Gesamtpaket zu haben, das einer Familie über den ganzen Tag ein Erlebnis mit Emotionen verspricht.

Neues Tiebreak-Turnier als Appetizer

tennisnet: "Stichpunkt Innovationen. Was erwarten Sie in dieser Hinsicht in den nächsten Jahren?"

Günthardt: "Klar, die Technik wird immer besser. Vielleicht sitzen die Zuschauer irgendwann in der Halle und können sich irgendwelche Kameraperspektiven auf ihrem IPad anschauen. Aber ich glaube, so lange der Sport im Zentrum steht, wird sich gar nicht so viel verändern."

tennisnet: "Am Qualiwochenende des Turniers findet in der Arena das Fed-Cup-Halbfinale gegen das Starensemble aus Tschechien statt. Passt das ins Konzept?"

Günthardt: "Für uns als Porsche Tennis Grand Prix würde ich sagen: Einen besseren Auftakt kann es nicht geben. Und wir werden am Montagabend gleich andocken: Mit einem neuen Konzept. Erstmals wird es ein sogenanntes Tiebreak-Turnier geben. Dabei treten sechs Spielerinnen in zwei Gruppen im Round-Robin-Modus gegeneinander an. Ein Spiel dauert zirka zehn bis 15 Minuten, das ist also eine schnelle und spannende Geschichte. Im Finale stehen dann die beiden Gruppensiegerinnen. Alle Spielerinnen kommen am Anfang gemeinsam auf den Court - und bleiben während der gesamten Veranstaltung auch dort. Es ist also für Unterhaltung gesorgt. Zugesagt haben bereits Angelique Kerber, Julia Görges, Laura Siegemund, Caroline Garcia und Kristina Mladenovic."

"Der Fed Cup ist in diesem Jahr ein Segen"

tennisnet: "Noch einmal zurück zum Fed Cup. Ist dieser Termin kurz vor dem Turnier im allgemeinen eher Fluch oder Segen für Sie?"

Günthardt: "Das kommt darauf an. Wenn eine Spielerin in Australien im Fed Cup antritt, dann wird sie bei uns nicht melden. Oder sie kommt so spät und ist müde, so dass ihre Vorbereitung natürlich katastrophal ist. 2014 war es ein Fluch, weil die deutsche Mannschaft am Wochenende vor dem Turnier in Australien gespielt hat. Dieses Jahr ist es ein Segen, weil das DTB-Team Heimrecht besitzt - und in Stuttgart spielt."

tennisnet: "Das Starterfeld ist wieder hervorragend. Acht Spielerinnen aus den Top Ten treten an, dazu unter anderem sieben Profis, die im Ranking zwischen Platz zehn und 20 stehen. Und in Garbine Muguruza, Sloane Stephens sowie Jelena Ostapenko schlagen sogar drei der vier amtierenden Grand-Slam-Champions in der Porsche Arena auf..."

Günthardt: "Es ist einfach wieder ein unglaublich starkes Feld. Das führt dazu, dass die Nummer elf der Welt bei uns nicht gesetzt sein wird. Unter Umständen kann sie dann ganz früh gegen die Nummer acht spielen. Das gibt es sonst nirgends, weil die Turniere, die vom Starterfeld vergleichbar sind - wie die Grand Slams oder Indian Wells zum Beispiel -, viel mehr Gesetzte haben. Darum sind wir einzigartig."

Serena Williams? "Wir haben es schon versucht..."

tennisnet: "Und trotzdem kommen die namhaften Spielerinnen zu diesem Event, das von den Profis in den vergangenen zehn Jahren neunmal zum Turnier des Jahres gewählt wurde...?"

Günthardt: "Ja, zum Beispiel die US-Open-Finalistin Madison Keys. Sie wird bei uns nicht gesetzt sein, aber sie tritt an. Das ist eine Auszeichnung für uns - und für mich eine ganz wichtige Aussage. Es zeigt, wir haben hier eine hervorragende Plattform gebaut."

tennisnet: "Gab es die Überlegung in den vergangenen Jahren, in Serena Williams den Superstar der Szene nach Stuttgart zu locken?"

Günthardt: "Wir haben es schon versucht. Von ihrem Management kam aber immer die Aussage, dass Serena nicht zu früh nach Europa kommen möchte. Sie muss ja im Mai die Premier-Mandatory-Events in Madrid und Rom spielen - und dann noch die French Open in Paris. Es war also nie so ein richtiges Thema."

"Es ist wie ein Mosaik-Kunstwerk. Jedes Steinchen hat sein Innenleben"

tennisnet: "Wann sind Sie am Ende einer Turnierwoche so richtig zufrieden?"

Günthardt: "Das alles ist wie ein Mosaik-Kunstwerk, jedes Steinchen hat sein eigenes Innenleben und muss an seinem Ort sein. Nur dann funktioniert das große Ganze. Das Wichtigste für mich ist, wie reagiert das Publikum, welche Stimmung ist in der Halle? Wenn ich an die letzten beiden Jahre denke, da stehst Du dann da und denkst "Wow", wir haben was richtig gemacht. Auch kleine Dinge, die nicht perfekt waren, verschwinden dann, und sind nicht wichtig."

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