Andrea Petkovic findet keinen Weg aus der Krise

Gefangen in der Abwärtsspirale

Donnerstag, 23.03.2017 | 11:50 Uhr
Andrea Petkovic konnte ihre sportliche Talfahrt auch in Miami nicht stoppen
© getty

Nach der trostlosen 2:6,-4:6-Niederlage gegen die Tschechin Jana Cepelova waren die Miami Open für Andrea Petkovic beendet, noch bevor sie überhaupt so richtig begonnen hatten.

Gut zwei Jahre ist es her, da verriet Andrea Petkovic in einem Interview ihre nahe liegende Sehnsucht nach dem großen Triumph. "Was ich sehe, bevor ich schlafen gehe, sind Grand Slam-Pokale, die ich hochhalte", sagte die Darmstädterin damals in einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, "ich glaube, es gibt keinen Tennisspieler unter den Top 100, der nicht dieses Ziel hat oder diesen Traum." 2015, zu Beginn jener Saison, durfte Petkovic noch träumen, man traute ihr stets einen Überraschungscoup zu, etwas komplett Erstaunliches und Unerwartetes. Vielleicht sogar einen bedeutenden Titel, vielleicht auch die Rückkehr in die Top Ten.

Doch in diesen Märztagen der Saison 2017 gibt es eine andere Konstante in Petkovics Karriere - und die ist weit weniger erfreulich als der ehemals stete Glaube an einen Verblüffungsmoment und Paukenschlag der Südhessin. Am Mittwochabend hatte Petkovic ihren ersten Auftritt beim Topturnier von Key Biscayne, den ersten und letzten allerdings zugleich - nach der schmucklosen, trostlosen 2:6, 4:6-Niederlage gegen die Tschechin Jana Cepelova waren die Tennis-Festspiele für die 29-jährige Deutsche beendet, noch bevor sie überhaupt so richtig begonnen hatten. Die "Tiefe in den Bällen" habe ihr gefehlt, analysierte Petkovic später sehr sachlich. Aber ob sie der beruflichen Sache, der Angelegenheit Petkovic damit auf den Grund gehen konnte, war doch einigermaßen zweifelhaft.

Enttäuschte Hoffnungen

Petkovic hat in den letzten Wochen immer wieder beteuert, nach einer längeren Zeit der Sinnsuche, auch der Motivationsprobleme sei ihre Lust am Tennis wieder groß. Sie sei sich auch sicher, "dass die Ergebnisse irgendwann kommen müssen." Doch bisher ist der Widerspruch zu dieser Hoffnung und den nackten Fakten krass, womöglich auch für Petkovic selbst. Bei keinem Turnierstart in der Spielzeit 2017 ist Petkovic über die dritte Runde hinausgekommen, einige sehr bittere Auftritte liegen bereits hinter ihr. Auch die triste 2:6, 1:6-Niederlage gegen ihre langjährige Freundin und Weggefährtin Angelique Kerber in Indian Wells zählt dazu. Dazu darf man noch einmal daran erinnern, dass es Petkovic war, die einst, in besseren eigenen Tagen, der aktuellen Weltmarktführerin mit wertvollen Tipps auf die Sprünge half.

Nun aber steht Kerber auf Platz eins, ist zweimalige Grand Slam-Siegerin, ist Sportlerin des Jahres und auch das Gesicht des Tennis in Deutschland. Sie hat ziemlich genau jenen Erfolg, den man einst mal Petkovic zugetraut hatte, vor sieben, acht Jahren. Petkovic war damals die Initiatorin des neuen deutschen Fräuleinwunders. Sie war auch ein bemerkenswertes Muster an Stabilität in ihrer frühen Karriere, spielte bei allen Grand Slams gleichmäßig gut, erreichte als erste Spielerin des DTB wieder die späten Runden der Major-Wettbewerbe - und sie war auch der verlängerte Arm von Barbara Rittner in der deutschen Fed Cup-Auswahl.

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Auch hier, im Nationalteam, hat sich alles verändert für Petkovic. Und wahrscheinlich auch bald für Rittner. Denn nach dem demoralisierenden Auftritt von Petkovic jüngst auf Hawaii, bei der Fed Cup-Schlappe gegen die USA, ist die nächste Einberufung höchst fraglich - zum anstehehenden Relegationsspiel gegen die Ukraine in Stuttgart. Petkovics Niederlage im Februar gegen Coco Vandeweghe ist so leicht nicht zu vergessen für alle Beteiligten, der verschleuderte 6:3, 4:2-Vorsprung, das 0:6 im dritten Satz. Ein sportlicher Untergang schließlich, der den Kapriolen rund um die falsch gespielte deutsche Nationalhymne folgte. Da hatte sich Petkovic tags zuvor zunächst zur maßlosen Aussage hinreißen lassen, es sei das mit Abstand Schlimmste gewesen, "was mir in meinem Leben passiert ist." Später korrigierte sie sich dann, es sei nur das "Schlimmste gewesen im Fed Cup."

Gelähmt von Selbstzweifeln

Petkovic hat in den letzten zwei, drei Jahren mit erheblichem Aufwand vieles versucht, um der Weltspitze wieder näher zu kommen. Sie arbeitete mit dem Breakpoint-Team der Familie Weber aus Halle zusammen, verließ dafür das vertraute Umfeld in der südhessischen Heimat. Inzwischen ist Sascha Nensel ihr Coach, der ehemalige Trainer von Julia Görges. Nensel ist Top-Übungsleiter der Schüttler-Waske-Akademie, dort, wo Petkovic in der ersten Phase ihrer Karriere angedockt hatte. Vorwärts geht es für Petkovic indes nicht, noch nicht. Zu oft und zu schnell schleichen sich in ihr Spiel Selbstzweifel und Unsicherheiten ein, wenn es kritisch wird. Petkovic wirkt dann wie gelähmt, wie blockiert. Es ist dann so, wie Petkovic es nach dem Fed Cup-Desaster in Hawaii gegen Vandeweghe formulierte: "Es ist schwierig, das in Worte zu fassen, weil ich in dem Moment selbst nicht so genau weiß, was da mit mir passiert."

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Petkovic steht gerade auf Platz 76 der Weltrangliste, es wird wohl nach der neuesten Niederlage in Miami und der hartnäckig andauernden Krise noch ein Stückchen weiter abwärts gehen. Miami, hier im Süden Floridas, hier gab es wirklich schon mal bessere Tage für die 29-jährige. 2011, Ende März, war das. "Paukenschlag in Miami: Petko wirft Wozniacki raus", lautete damals die Schlagzeile. Und diese Wozniacki stand auf Platz 1 der Weltrangliste.

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