Weltverband ITF will Davis-Cup-Reform - Kritik vom DTB

Von tennisnet/SID
Montag, 26.02.2018 | 16:25 Uhr
David Haggerty
© getty

Der Tennis-Weltverband nimmt einen weiteren Anlauf, um den traditionsreichen Davis Cup zu reformieren. Am Montag veröffentlichte die ITF einen Plan für einen sogenannten "World Cup of Tennis" der besten 18 Nationen, der ab 2019 jährlich innerhalb einer Woche im November ausgetragen werden soll.

Eine Partnerschaft mit der Investment-Gruppe Kosmos, die vom spanischen Fußballstar Gerard Pique geführt wird, soll zudem in den nächsten 25 Jahren mehrere Milliarden Dollar einspielen. Die Rede ist von drei Milliarden Dollar.

Beim Deutschen Tennis Bund (DTB) stößt das Projekt auf keinerlei Gegenliebe. "Dem Vorschlag fehlt jegliche Substanz", sagte DTB-Vizepräsident Dirk Hordorff dem SID: "Eine Umsetzung des Plans würde außerdem nichts anderes bedeuten als die Aufgabe des Davis Cups. Ich befürchte, dass der einzig profitable Wettbewerb der ITF mit mehr als 100-jähriger Tradition auf amerikanische Weise abgewickelt werden soll."

Allerdings ist ohnehin fraglich, ob das Vorhaben des ITF-Vorstands um Präsident David Haggerty (USA) tatsächlich in die Tat umgesetzt werden kann. Bei der nächsten Mitgliederversammlung im August in Orlando/Florida braucht der Vorschlag eine Zweidrittelmehrheit. 2017 war der Plan, die Endspiele im Davis- und Fed-Cup auf neutralem Boden auszutragen, bereits vor der Abstimmung auf dem Verbandstag in Ho-Chi-Minh-Stadt/Vietnam gescheitert.

Der neuerliche Vorstoß scheint dennoch kaum mit den Mitgliedsverbänden abgestimmt. Hordorff: "Das ist nicht die Art und Weise, wie man so etwas seriös angeht."

ITF will "ein Festival mit den weltbesten Spielern"

Der Davis Cup leidet seit Jahren unter den Absagen zahlreicher Spitzenspieler. Im engen Terminplan der ATP-Tour finden die Nationenduelle kaum noch Platz, die erste Runde in diesem Jahr wurde eine Woche nach den Australian Open ausgetragen. Alexander Zverev (Hamburg), Dominic Thiem (Österreich) und David Goffin (Belgien) waren dabei als einzige Top-10-Spieler am Start.

"Unsere Vision ist es, ein großes Saisonfinale zu erschaffen, das ein Festival des Tennis und der Unterhaltung wird mit den weltbesten Spielern, die mit ihren Nationen um den Titel des Davis-Cup-Champions kämpfen", sagte Haggerty, der den Plan als "bahnbrechend für die ITF und das Tennis" bezeichnete.

Die ITF gab am Montag in einer Pressemitteilung zudem bekannt, dass bereits zahlreiche "Weltklasse"-Städte ihr Interesse an einer Austragung des reformierten Davis-Cup-Wettbewerbs ausgedrückt hätten. Geplant ist, dass das Event in der traditionellen Finalwoche im November ausgespielt wird - an sieben Tagen und in einem Round-Robin-Format. Ab dem Viertelfinale geht es dann im K.o.-System weiter. Jede Partie besteht aus zwei Einzeln und einem Doppel - jeweils über zwei Gewinnsätze. Die 16 Nationen, die der Weltgruppe angehören, qualifizieren sich automatisch für das große Finale im November. Hinzu kommen noch zwei weitere Länder-Auswahlen, die bestimmt werden.

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