Tennis

Davis Cup: Gegenwind aus allen Richtungen gegen Haggertys Reformvorschlag

Von tennisnet
David Haggerty muss noch viel Überzeugungsarbeit leisten
© getty

So einfach, wie es sich David Haggerty womöglich vorgestellt hat, wird die Reform des Davis Cups wohl nicht vonstatten gehen.

Die gute Nachricht für die traditionsbewussten Tennis-Fans: Die ITF funktioniert noch nicht so autokratisch wie die FIFA. Während im Weltfußballverband dem erstaunten Stirnrunzeln über den Vorschlag des Präsidenten, eine Endrunde mit 48 Mannschaften zu veranstalten, im Handumdrehen der positive Bescheid darüber folgt, hat es David Haggerty in Welttennis nicht ganz so einfach. Zumal er einen Wettbewerb verwaltet - und umgestalten will - der den wichtigsten Akteuren, den Sportlern, bei weitem nicht so wichtig ist wie die Teilnahme an einer Fußball Weltmeisterschaft.

So richtig viele positive Stellungnahmen zum vorgeschlagenen Turnier mit 18 Teams, über das im Sommer in der ITF noch abgestimmt werden muss, hat Haggerty jedenfalls nicht bekommen. Aus dem DTB etwa hört man, dass diese Amtsperiode gerne auch die letzte des umtriebigen US-Amerikaners sein dürfe. Kritik kommt auch aus einem Land, das in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich um die hässlichste Salatschüssel mitgespielt hat: Belgien.

Auch der Titelverteidiger skeptisch

2015 zuhause gegen Großbritannien, im vergangenen Jahr in Frankreich hat das Team um David Goffin zwar verloren, die Heimspiele in Belgien hatten allerdings Volksfest-Charakter. Geht es nach André Stein, dem Präsidenten des Belgischen Tennisverbandes, dann soll das auch so bleiben.

"Wir sind absolut dagegen und werden auch dagegen stimmen", so Stein. "Dieser Vorschlag ist genau das, was wir nicht wollen, weil Belgien niemals die Mittel haben wird, so eine Veranstaltung zu organisieren. Deshalb würden unsere Fans und Partner um die ohnehin sehr raren Möglichkeiten gebracht werden, die besten belgischen Spieler für ihr Land spielen zu sehen."

Darüber hinaus wisse Stein bereits, dass auch Frankreich, immerhin das Land des Titelverteidigers, gegen den Vorschlag stimmen werde.

Die Legende nicht konsultiert

Ein Mann, der mit dem Davis Cup in seiner ursprünglichen Form bestens vertraut ist, ist Todd Woodbridge. Der australische Doppel-Spezialist hat insgesamt 32 mal für sein Land gespielt. Woodbridge bemängelt vor allem die schlechte Kommunikation und Hinterzimmer-Diplomatie der ITF.

"Ich habe die letzten sieben Wochen im australischen Tennis-Sommer verbracht, war beim Davis Cup, beim Fed Cup", so Woodbridge gegenüber ABC News. "Und ich habe mit Lleyton Hewitt Matches kommentiert. Es hat überhaupt keine Konversation zu diesem Thema stattgefunden und die ITF hat die Sache einfach wie eine Bombe über der Tennis-Landschaft abgeworfen." Wenn man nicht einmal mit Hewitt, einem der größten australischen Davis-Cup-Spieler aller Zeiten, darüber spräche, dann hat die ITF ihre Hausaufgaben nicht gemacht.

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