Bei der nächsten Generation an Tennisspielern liegt einiges im Argen

Die Grenzen der Fairness

Dienstag, 18.04.2017 | 11:54 Uhr
Welcher Abdruck war es denn jetzt bitte?
© Jürgen Hasenkopf
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Dass es mit der Fairness auf den Jugenturnieren nicht weit her ist, darüber gibt es wenig Zweifel. Vor ein paar Tagen wurde nun eine neue Eskalationsstufe erreicht.

Die Nachricht ist bereits ein paar Tage alt - und macht dennoch immer noch fassungslos: Bei einem Turnier der "Tennis Europe" (TE) Serie im türkischen Antalya musste Anita Gavran, eine junge Wienerin, im Achtelfinale verletzt aufgeben. So weit, so normal. Auch Unter-16-Jährige verletzen sich ab und zu. Tatsächlich konnte Gavran aber nicht weiterspielen, weil sie in der Runde davor physisch attackiert worden war, von ihrer Gegnerin Alexia Tashbaeva aus Belgien.

"Beim Stand von 4:3 wollte ich zurück zur Bank, und dann hat sie mir mit voller Wucht mit dem Schläger auf mein linkes Handgelenk geschlagen," wird Gavran auf der Internet-Seite des Wiener Tennisverbandes zitiert. Die 14-jährige Belgierin mit russischen Wurzeln wurde daraufhin sofort disqualifiziert, muss mit einer Sperre rechnen.

Frische Abdrücke

Dass es schon in jungen Jahren oft nicht mit rechten Dingen zugeht, lässt sich bei beinahe jedem Besuch eines größeren Jugend-Turnieres, etwa eben der TEs, mühelos feststellen. Die Jugendlichen tragen ihre Matches in der Regel ohne Schiedsrichter aus, vor allem in den frühen Runden. Bei strittigen Szenen wird der Oberschiedsrichter auf den Platz gerufen, der nur in den seltensten Fällen die Ballwechsel in Frage mitverfolgt hat.

"Bei einem wichtigen Punkt auf rotem Sand in der Normandie hat das Mädchen, gegen das ich gespielt habe, einen Ball out gegeben, den Abdruck mit dem Schuh verwischt, und selbst einen neuen daneben gemacht, und das vor den Augen ihrer Eltern und ihres Coaches - die wie zufällig zur Seite geschaut haben." Das berichtet Zoe Howard, ein 15-jähriges Mädchen, das sowohl in den USA als auch in Europa Turniere bestreitet, dieser Tage auf der Website von Sports Illustrated.

Frustrationen auf der Tour

Die Anwesenheit der Eltern als Korrektiv scheint also oft nicht zu funktionieren. Der Gedanke, dass Fairness belohnt wird, tritt in den Hintergrund. Wer viel Zeit und Geld in sein Kind investiert, der gibt sich manchmal nicht mit spielerischem Fortschritt zufrieden, es müssen Ergebnisse her. Auf der anderen Seite ist das Leben für Eltern und SpielerInnen oft reich an Frustrationen: nicht eingehaltene Zusagen für Wildcards; lange Anreisen, die in hanebüchenen Auslosungen münden; Gegner, deren äußerer Anschein begründete Zweifel an der Richtigkeit der genannten Altersklasse aufkommen lassen.

Am Ende des Tages ist spätestens mit der Attacke auf die Wiener Nachwuchsspielerin aber ein Punkt erreicht, der allen Beteiligten zu denken geben muss. Tennis ist nach wie vor ein Spiel. Die Einsätze auf allerhöchstem Niveau sind zwar sehr hoch, der Grad der Fairness allerdings auch. Frag nach bei Spielern wie Jack Sock oder Dominic Thiem, die ihre Gegner durchaus dazu ermutigen, zum Mittel der Challenge zu greifen, wenn eine Entscheidung überprüft werden soll. Auch mit dem Risiko, einen bereits zugeschriebenen Punkt zu verlieren. Daran dürfen sich alle ein Beispiel nehmen. SpielerInnen, Eltern - und auch Coaches.

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