Yannick Hanfmann erreicht Endspiel bei ATP-Challenger in Ismaning

Hanfmann gewinnt Duell der Teppichtänzer

Von Florian Heer
Sonntag, 22.10.2017 | 11:37 Uhr
Yannick Hanfmann kommt mit dem schnellen Geläuf bestens zurecht
© Florian Heer

Yannick Hanfmann hat bei den Wolffkran Open das Endspiel erreicht. Beim ATP-Challenger-Turnier in Ismaning setzte sich der 25-Jährige im Halbfinale gegen Dustin Brown durch.

Es war im Mai dieses Jahres als der Bayerische Tennisverband das neueste ATP-Challenger-Turnier in Deutschland im Rahmen einer Pressekonferenz in Oberhaching vorstellte. Mit dem Turmdrehkran-Hersteller und-Vermieter WOLFFKRAN konnte auch gleich ein Titelsponsor präsentiert werden. Dustin Brown, einer der wohl spektakulärsten deutschen Tennisspieler, zierte das mehr oder weniger über Nacht frisch designte Turnierposter.

Eben jener 32-jährige aus Celle kämpfte sich auch schließlich bis ins Halbfinale des mit €43.000-dotierten Hallenturniers, welches mit einer Besonderheit aufmerken lässt: dem Bodenbelag. Gespielt wird im Sportpark Ismaning auf Teppich, was im internationalen Profizirkus inzwischen zu einer Rarität zählt. Lediglich die Tatsache, dass kein weiteres ATP-Challenger-Event in dieser Woche in Europa stattfindet bewog den Weltverband des Herrentennis dazu eine Genehmigung für diesem Untergrund zu erteilen.

Für Brown ist dieser Belag jedoch alles andere als ein Nachteil. Sein kraftvolles, angriffslustiges Spiel ist quasi prädestiniert für diese schnellen Plätze im Norden Münchens. Mit Siegen über Mats Moraing, Tobias Simon und Hubert Hurkacz kämpfte sich der an Nummer 2 gesetzte Spieler somit auch bis in die Vorschlussrunde durch. Hier traf er am Samstagnachmittag mit seinen Landsmann Yannick Hanfmann auf einen Gegner, der sich aber ebenso wie Brown auf diesem Untergrund gut zurechtfindet.

Hanfmann stoppt Brown im Halbfinale

Der gebürtige Karlsruher trainiert in der nur unweit von Ismaning gelegenen TennisBase Oberhaching und konnte bei seinem Heimturnier mit Siegen über Marek Jaloviec, Jeremy Jahn und Tristan Lamasine überzeugen. Kurioserweise fanden Hanfmann's beide vorherigen Duelle mit Brown in Eckental und Wolfsburg auch auf Teppich statt, wobei "Dreddy" jeweils als Sieger hervorging.

Diesmal allerdings kämpfte sich der an Nummer 3 gesetzte nach verlorenem Tie-Break im ersten Satz noch einmal zurück. Zwar tänzelte Brown immer wieder in Richtung Netz, wo er schließlich mit gekonnten Volleys den Punkt erringen konnte, zog aber dafür bei den längeren Ballwechseln oft den Kürzeren. Hanfmann erwies sich als der konstantere Spieler von der Grundlinie und erzwang somit auch die zwei einzigen Breaks des Matches. Das alles Entscheidende gelang ihm im 11. Spiel des dritten Satzes, erzielt mit einem gut-getimten Cross-court Rückhand Passierball Winner. Der 25-jährige servierte im Anschluss das Match souverän aus und zog mit einem 6:7, 6:3, 7:5 Erfolg ins Finale ein.

"Im Gegensatz zu früher spiele ich inzwischen gerne auf Teppich. Ich habe irgendwann entdeckt, dass ich mein Spiel hier auch ganz gut hinkriegen kann", verriet Hanfmann nach dem Match. "Ich serviere recht gut und der schnelle Belag kommt meinem Spiel auch entgegen. Ich freue mich eigentlich darauf wenn es auf Teppich geht, da es doch etwas Besonderes ist."

16 geschlagene Asse untermauern die Aussage des Deutschen und doch war das Match alles andere als ein Selbstläufer. "Es ist unglaublich schwer gegen Dustin und lässt einen schon manchmal auch ein wenig verzweifeln. Ich habe aber einfach versucht Punkt für Punkt zu spielen und auch mit vergebenen Chancen gut umzugehen", sagt Hanfmann über den Schlüssel zum Erfolg.

Einsatz im Davis Cup als Jahreshöhepunkt

Der Weltranglisten 132. ließ zum ersten Mal bei den diesjährigen BMW Open in München aufhorchen, wo er als Qualifikant bis ins Viertelfinale des ATP-250-Events vorstieß. Danach folgte noch ein ATP-Challenger-Finale in Shymkent und ein Endspiel bei den Swiss Open Gstaad, welches Hanfmann nur knapp gegen das italienische Enfant terrible Fabio Fognini verlor. Gekrönt wurde die Saison frühzeitig mit seinem ersten Davis Cup Einsatz für Deutschland in den Play-Offs gegen Portugal.

"Es ging alles ziemlich Schlag auf Schlag mit ein paar guten Turnieren. Jetzt bin ich natürlich froh hier zu sein. Ich glaube, dass ich mit den Coaches in Oberhaching in den vergangenen zwei Jahren gute Arbeit geleistet habe und irgendwann erhofft man sich natürlich auch die dementsprechenden Resultate", verweist Hanfmann auf die Tatsache, dass die Erfolge "ein Produkt guter Arbeit" entspringen.

"Von einer Davis Cup Berufung habe ich nur träumen können. Das war natürlich ein Highlight für mich und richtig toll." Es war auch die Gelegenheit für Hanfmann Boris Becker kennen zu lernen, der in seiner Funktion als Head of Men's Tennis des DTB auch das Turnier hier in Ismaning besuchte.

"Mit Boris war das klasse. Er war immer für uns Jungs da, ohne sich in den Vordergrund zu spielen. Klar hat man seine Aura gespürt, aber im Endeffekt was er ein Berater und diese Rolle hat er sehr gut ausgeführt. Ich denke er ist eine Bereicherung für das deutsche Tennis und ich denke, dass jeder Spieler sich immer was rausziehen kann von den Tipps, die er geben kann."

Sonego erreicht zweites ATP-Challenger-Finale in einer Woche

Im Endspiel trifft Hanfmann auf Lorenzo Sonego, der als Sieger des Duells mit Matteo Donati, zweier 22-jähriger Italiener, hervorging. Sonego, der am vergangenen Sonntag mit dem Triumph in Val Gardena seinen ersten ATP-Challenger-Titel feiern konnte, gewann 7:6, 6:4 in einer Stunde und 24 Minuten.

"Ich habe ihn spielen sehen. Wir haben aber noch nie zusammen trainiert", sagt Hanfmann. "Nach ein paar schlechteren Wochen für mich auf der Tour, wäre es schön mit dem Titel nach Hause zu gehen. Aber in erster Linie freue ich mich hier im Finale zu stehen und wenn ich so weiter spiele, werde ich auch bestimmt gute Chancen haben das Match zu gewinnen."

Für Dustin Brown endete der Tag auch noch mit einem Erfolgserlebnis. An der Seite seines Partners Tim Pütz erreichte er das Endspiel des Doppelwettbewerbs der WOLFFKRAN Open. Die beiden Deutschen besiegten Tomasz Bednarek aus Polen und den Niederländer David Pel 6:3, 6:4. Die Finalspiele beginnen am Sonntag ab 13:30 Uhr.

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