Das ATP-Challenger-Turnier in Portoroz

Der kleine Bruder von Umag

Von Florian Heer
Sonntag, 13.08.2017 | 16:12 Uhr
In Portoroz lässt es sich aushalten
© privat/Florian Heer
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Von der ATP aufgeführt als einer der zehn malerischsten Spots weltweit auf der ATP Challenger Tour, waren Spieler aller Länder diese Woche zu Gast an der slowenischen Mittelmeerküste.

Der Sekt ist kalt gestellt, frische Erdbeeren, Bananen und Melonen sind dekorativ angerichtet auf einem hölzernen Bootssteg, der mehrere Meter ins blaue Meer ragt. Nein, es soll sich hier nicht um den Bericht einer kulinarischen Verköstigung handeln, sondern um die Pressekonferenz zur Eröffnung des ATP-Challenger-Turniers in Portoroz.

In dieser Woche machte die "zweite Liga" des Tenniszirkus bereits zum fünften Mal ihren Stopp an der slowenischen Adriaküste in Istrien, und genau diese Location macht dieses Turnier mit einem Gesamtpreisgeld von 43.000.- Euro auch zu etwas Besonderem auf der ATP-Challenger-Tour. Der Tenniskomplex des lokalen Clubs mit 13 Sandplätzen und fünf Hard Courts ist nur wenige Fußschritte vom Meer entfernt. Die Players Lounge befindet sich in einer weitläufigen Outdoor-Beach-Bar mit Möglichkeiten zum Relaxen, eingesäumt von Pinien und Blick auf die See inklusive.

Neben der alltäglichen Tennisaction in oft glühender Mittagshitze finden zudem an mehreren Abenden in der Woche auch Side-Events in Form von Konzerten statt. Die in diesen Tagen auftretenden Künstler tragen die Namen Tony Cetinski oder Parni Valjak und dürften - trotz vorhandenen deutschsprachigen Wikipedia-Einträgen - doch wohl eher nur den lokalen Besuchern ein fester Begriff sein.

Tennis und Party in Umag

Die Mischung aus einem professionellen Herrentennisturnier am Mittelmeer und nächtlichem Entertainment ist jedoch nicht einmalig in der Region. Man braucht hierfür lediglich 20 Kilometer südlich von Portoroz zu blicken, auf die kroatische Seite der Adriaküste. Die Parallelen mit dem ATP-World-Tour-250-Turnier in Umag sind nicht zu verleugnen.

Auch hier findet ein Event statt, welches nicht den klassischen Tennistraditionen à la Wimbledon entspricht. Gespielt wird (noch) auf Sand inmitten einer Ferienanlage, wo über den ganzen Tag hinweg vornehmlich Urlauber aus Italien, Österreich und ganz Kroatien über das Gelände flanieren, in der Regel nur spärlich mit Badeklamotten bekleidet. Nach den hauptsächlich abends ausgetragenen Matches auf dem mit 4,000 Sitzplätzen ausgestatteten Goran Ivanisevic Tennisstadion, verwandelt sich das Turniergelände in eine einzigartige Partyarea, in der sich gefühlt die gesamte Jugend aller Balkanländer für eine Woche in der kleinen Hafenstadt trifft und bis früh morgens zu Live-Musik und DJ-Einlagen feiert.

Hartplätze in Portoroz

In Portoroz ist man jedoch vielleicht schon einen kleinen Schritt weiter, zumindest wenn es darum geht den passenden Untergrund für das Turnier zu finden. Der "kleine Bruder" lässt sein Challenger-Turnier auf Hartplatz austragen, was in der aktuellen Diskussion um die Schaffung attraktiverer Bedingungen für die Profispieler, welche auf dem Sprung über dem großen Teich stehen, einen besonderen Mehrwert darstellen kann.

"Wenn man in Slowenien ein professionelles Tennisturnier ausrichten möchte, gibt es meiner Meinung nach keinen besseren Platz als Portoroz", strahlt Turnierdirektor Alljaz Koz.

"Ich freue mich auf eine weitere tolle Woche hier und es wäre natürlich schön, wenn ein slowenischer Spieler zumindest ins Finale vordringen könnte", erzählte er in der Eröffnungspressekonferenz am Montagnachmittag.

Und die Lokalhelden kommen auch alle gerne zum größten Tennisevent des Landes. Die Slowenische Nummer 1, Blaz Kavcic, war gleichzeitig auch der top-gesetzte Spieler des Turniers.

"Es ist ein fantastischer Ort hier. Gleichzeitig auch ein bisschen gefährlich, da man schnell den Fokus auf das Tennisspielen verlieren kann", erzählt der Weltranglisten-87. mit einem kleinen Lächeln. Kavcic ist mit vollem Selbstvertrauen zu seinem Heimturnier angereist - im Gepäck seine ATP-Challenger-Titel 15 und 16, die er letzten Monat in Kanada errang. Im Jahr 2014 hat der 30-jährige aus Ljubljana auch hier in Portoroz gesiegt. Beschwerden im rechten Knie führten allerdings zu einem frühzeitigem Aus in der zweiten Runde.

Zemlja beendet Karriere - jetzt Fußball mit Thiem

Auch Grega Zemlja, Champion der Erstausgabe des Turniers in 2013, kehrte zurück in den 3.000 Einwohner zählenden Kurort. Die ehemalige Nummer 47 der Welt ist Sloweniens bester Tennisspieler in der jungen Geschichte des kleinen Landes. Der 30-jährige teilte im Vorfeld des Events mit, dass es sein letztes sein wird. Zemlja unterlag in Runde zwei dem Serben Filip Krajinovic in zwei Sätzen.

"Ich fühle mich jetzt sehr relaxt", ließ Zemlja nach seinem letzten Match als professioneller Tennisspieler verlauten. "Ich hatte keine großen Erwartungen an das Turnier, da ich nicht viel trainieren konnte in letzter Zeit. Es ist ein wenig enttäuschend, aber Tennis war und wird ein großer Teil meines Lebens bleiben."

Zemlja erklärte, warum er einen Schlussstrich unter seine aktive Tenniskarriere zieht, in einem Alter wo manch anderer Spieler auf der Tour noch einmal seinen zweiten oder dritten Frühling erlebt. "Ich könnte wahrscheinlich noch zwei oder drei Jahre dranhängen, aber das Gefühl auf dem Platz ist einfach nicht mehr das gleiche. Es ist schwierig einfach weiterzumachen, wenn du nicht mehr mit voller Motivation und Energie dahinter stehst."

Dem Tennissport möchte er aber auch in Zukunft verbunden bleiben und sich im Jugendsport in Slowenien engagieren. "Die heutige junge Generation ist nicht so gut, wie sie vielleicht sein könnte. Ich möchte helfen das zu ändern."

Zemlja hat aber auch noch ganz andere Pläne, abseits des Spiels mit der gelben Filzkugel.

"Vor drei Monaten haben sich einige Tennisspieler zusammengetan und ein Fußballteam gegründet. Wir sind wie eine große Familie und haben viel Spaß zusammen. Am 13. September ist ein Match gegen eine österreichische Tennismannschaft, angeführt von Dominic Thiem, geplant. Das Hinspiel soll in Wien stattfinden. Das Rückspiel dann in Slowenien, welches noch nicht genauer terminiert ist. Ich freue mich schon sehr darauf." Wer auf beiden Seiten als Spieler auflaufen soll, wird allerdings noch nicht verraten. "Das ist ein Geheimnis", sagt Zemlja.

Gewonnen hat das Turnier in Portoroz übrigens Sergiy Stakhovsky. Der an Nummer drei gesetzte Ukrainer setzte sich am Samstagabend gegen den italienischen Jungstar Matteo Berrettini mit 6:7, 7:6, 6:3 durch und darf sich über €6.190 Preisgeld, sowie 80 ATP-Ranking-Punkte freuen.

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