Tennis

Wenn der Turnierdirektor ins Schwitzen gerät

Von Florian Heer
Sonntag, 17.06.2018 | 16:32 Uhr
Roger Federer, Turnierdirektor Edwin Weindorfer
© getty

Als "eine erfolgreiche Woche" bezeichnete Edwin Weindorfer, Veranstalter und Turnierdirektor des MercedesCup, die vergangenen acht Tage auf dem Gelände des Tennis Clubs Weissenhof. Dass der Manager aus Österreicher auch ins Schwitzen geraten kann, dafür sorgte nicht zuletzt der Publikumsmagnet des Events.

Von Florian Heer aus Stuttgart

Roger Federers knapper Erstrunden-Sieg gegen Mischa Zverev war der Moment, der Weindorfer die meisten Schweißperlen in das Gesicht aufstiegen ließ. "Als Roger den ersten Satz verloren hatte, habe ich das Stadion verlassen. Obwohl Mischa hervorragend gespielt hat, wäre eine zweite Erstrunden-Niederlage für einen Mann, der acht Mal Wimbledon gewonnen hat, nicht einfach zu verkraften gewesen," erklärte Weindofer.

Ein Finale in Stuttgart war Federer bislang verwehrt geblieben und auch in diesem Jahr war es nach dem Dreisatz-Erfolg im Eröffnungsmatch alles andere als ein einfacher Weg. Im vergangenen Jahr kegelte ihn ausgerechnet sein Buddy Tommy Haas zum Auftakt aus dem Turnier.

Federer verursachte auch einen weiteren Grund zur Sorge für die Veranstalter. "Wir waren am Finalwochenende ausverkauft," verkündete Weindorfer am Sonntagmorgen während der Abschlusspressekonferenz. "Roger hat mir gesagt, dass er aber circa 60 Freunde und Bekannte zum Finale erwartet. Ich habe lediglich mit 20 gerechnet," lächelte der Turnierboss den Journalisten entgegen und scherzte: "Vielleicht läuft das dann ein bisschen wie bei den Airlines ab und wir finden ein paar Freiwillige, die auf ihr Ticket verzichten."

Kein Vertrag mit Federer für 2019

Ob die Roger-Mania im nächsten Jahr fortgesetzt wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt ungewiss. Ohne Frage ist der 36-jährige Schweizer das Zugpferd des Turniers, zu dem in dieser Woche wieder rund 60.000 Zuschauer strömten. Weitere Zusatzränge wurden errichtet, der mediale Zuspruch steigt von Jahr zu Jahr. Ohne Frage: Der Wechsel von Sand auf Rasen im Jahr 2015 hat sich für die Veranstalter, aber auch die Fans, mehr als ausbezahlt. Aber wie sähe das ganze ohne einen Roger Federer aus?

"Wir haben keine Vereinbarung mit Roger für das Jahr 2019", war die klare Ansage Weindorfers. Er gibt sich gleichzeitig aber auch zuversichtlich, dass die neue Nummer eins der Welt in die Schwabenmetropole zurückkehren wird.

"Ich glaube, dass Roger sich hier extrem wohl fühlt. Es ist das einzige Turnier, abgesehen von Basel, wo er mit dem eigenen Privat-PKW anreisen kann. Ich glaube, er genießt das sehr", erzählt der 53-jährige Steirer.

Auch Stuttgart als Stadt scheint dem Swiss-Maestro sehr zu gefallen. "Er hat hier einige Lieblingslokale, wo er sich gerne aufhält. Und er liebt die Atmosphäre im Clubhaus, wo er mit seinem Team viel Zeit auf der Terrasse verbringt."

Ideale Rasenbedingungen

Stolz sind die Verantwortlichen des MercedesCups auch auf die akribische Arbeit, die hinter den Kulissen stattfindet, um den Spielern bestmögliche Bedingungen auf ihrem Weg nach Wimbledon zu ermöglichen. Mit Stolz erzählt Weindorfer von der Kooperation mit dem berühmtesten Tennis-Event der Welt. Dass der Rasen eine Länge von 8 Millimeter aufweist, exakt wie in Wimbledon. "Auch wenn wir morgens bei 7 Millimeter starten und abends mit 9 Millimeter enden, denn der Rasen wächst ja 2 Millimeter pro Tag", warf Weindorfer noch präzisierend hinterher.

Somit sei nicht nur das Umfeld passend für Federer, der in Stuttgart erneut den Sprung auf den Tennisthron geschafft hat, sondern auch der sportliche Wert des Turniers sei nicht zu unterschätzen.

"Wenn du Wimbledon gewinnen willst, gibt es nicht so viele Möglichkeiten sich vorzubereiten, insbesondere wenn du in der Woche vor dem Grand Slam Kraft sparen möchtest. Wir sind sehr froh, wenn er sich für die Variante Stuttgart und dann Halle entscheidet", so Weindorfer, der das Halbfinale gegen Nick Kyrgios als "epochales Match" bezeichnete.

Organisatoren und Fans können angesichts dieser Rahmenbedingungen somit wohl zuversichtlich in die weitere Zukunft des ATP-Turniers blicken.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung