Tennis

John McEnroe sorgt sich um Nick Kyrgios: "Er setzt seine Karriere aufs Spiel"

Von Ulrike Weinrich
Nick Kyrgios (vorne) und John McEnroe (hinten) beim Laver Cup
© getty

John McEnroe lobt die spielerischen Fähigkeiten von Nick Kyrgios. Aber die Ikone stellt auch besorgt fest, dass der extrovertierte Australier seine Karriere aufs Spiel setzt.

Ein bisschen sind sie so etwas wie Brüder im Geiste. John McEnroe und Nick Kyrgios - zwei ebenso faszinierende wie polarisierende Charaktere. Auf dem Court explosiv, gereizt, sarkastisch, bis zur Selbstzerstörung ironisch - aber eben auch oft genial in ihrer Spielanlage.

Kein Wunder also, dass McEnroe Kyrgios immer ein bisschen mehr im Blick zu haben scheint als andere Profis. Und der ehemalige Großmeister aus den USA macht keinen Hehl daraus, dass er sich ernsthaft um die Entwicklung des Weltranglisten-35. sorgt. Er setze seine Karriere aufs Spiel, sagte "Big Mac" über den 23-Jährigen.

Wegen Kyrgios: McEnroe wäre gerne Sigmund Freud

"Nick ist der talentierteste Spieler der letzten zehn Jahre. Aber der Unterschied zwischen ihm und mir ist, dass ich immer alles versucht habe. Er tut das nicht - aus welchen Gründen auch immer", meinte McEnroe im Interview mit der australischen Nachrichtensendung "60 Minutes" und fügte süffisant an: "Ich bin nicht Sigmund Freud. Ich wünschte, ich wäre es, weil ich Nick mag."

Kyrgios ist der Mann der Extreme. Er flucht, er führt selbstzerstörerische Selbstgespräche, er schlägt traumhafte Winner, und er erlaubt sich nur Sekunden später unerklärliche Fehler. "Wenn er kein geeignetes Trainerteam installiert, dann läuft er Gefahr, dass seine Karriere implodiert", mahnte McEnroe: "Nick wird sich an einem Punkt aus dem Spiel bugsieren, und das will ich nicht erleben. Aber das wird passieren, das ist sonnenklar!"

Kyrgios arbeitet mittlerweile mit zwei Psychologen

McEnroe hat Kyrgios bereits als Coach des "Team World" beim Laver Cup betreut. Der 59-Jährige, geboren im hessischen Wiesbaden, kann sich also ein Urteil über den "Bad Boy" erlauben, der erst vor ein paar Wochen Besserung gelobte. Kyrgios hatte berichtet, dass er inzwischen mit zwei Psychologen arbeitet - einem in Australien und einem in Übersee.

"Ich hatte in diesem Jahr mit ein paar Dingen auf und abseits des Platzes zu kämpfen. Es war nicht einfach", sagte er jüngst der Tageszeitung The Canberra Times. Und er gab sich durchaus selbstkritisch, als er mit Blick auf seine mentalen Probleme erklärte: "Wahrscheinlich habe ich es zu lange schleifen lassen." Kyrgios hatte in der Vergangenheit schon öfter Experten zu Rate gezogen, doch die unbedingte Bereitschaft zur Veränderung war wohl nicht vorhanden.

Für McEnroe jedenfalls ist und bleibt der 1,98-m-Schlaks ungeachtet seiner Eskapaden ein Tennis-Diamant: "Aus meiner Sicht ist Nick der talentierteste Spieler, den ich seit Djokovic, Murray, Nadal und Federer gesehen habe. Er ist ein unglaubliches Talent", hatte er vor ein paar Wochen bei "TennisNow" geäußert.

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