Tennis

Alexander Zverev über John Isner: "Er hat mir gezeigt, wie Tennis geht"

Von Jörg Allmeroth
John Isner und Alexander Zverev haben sich verbessert
© getty

Alexander Zverev trifft im letzten und entscheidenden Gruppenspiel am Freitag auf einen besonderen Freund: Der Aufschlagriese John Isner hat der deutschen Nummer eins in der Vergangenheit wichtige Tipps geben können.

Ausgerechnet er. Ausgerechnet John Isner. Ausgerechnet der beste Freund, den Alexander Zverev im Tennis hat, ist jetzt womöglich der große Spaß- und Spielverderber für ihn bei der WM in London. "Er hat mir gezeigt, wie Tennis geht", sagt Zverev über den 33-jährigen Amerikaner. Nun, am Freitag im letzten Gruppenspiel beim Championat in der O2-Arena, muss Zverev zeigen, dass er die Freundschaft ausblenden und Isner ausschalten kann im Rennen um den zweiten Halbfinal-Platz neben dem bereits qualifizierten Novak Djokovic.

"Ich wünsche John immer den größtmöglichen Erfolg", sagt Zverev, "aber natürlich nicht, wenn wir gegeneinander spielen." Gewinnt Zverev in zwei Sätzen, ist er sicher in der Vorschlussrunde. Verliert er knapp, bleibt eine Restchance, es käme dann auch auf das Ergebnis des zweiten Matches am letzten Vorrundentag zwischen Djokovic und dem Kroaten Marin Cilic an.

Finalsieg gegen Zverev in Miami war eine "Initialzündung"

Isner, dieser baumlange Kerl, der die Welt aus lichter Höhe von 2,08 Metern überblickt, erlebt gerade auf seine älteren Tennistage einen verblüffenden Karriere-Frühling. Und auch das hat mit Zverev zu tun, auch wenn den 21-jährigen Hamburger diese Tatsache schmerzen muss.

Denn seitdem Isner Ende März das Masters-Turnier in Miami gewann, und zwar im Endspiel gegen einen gewissen Alexander Zverev, startete er wie nie zuvor durch im Tourbetrieb der Tennisnomaden. "Es war wirklich wie eine Initialzündung, ein mentaler Durchbruch für mich", sagt Isner, "zum ersten Mal hatte ich wirklich das Gefühl, Großes in meinem Sport schaffen zu können."

Wimbledon-Marathon 2010 hat einen "besonderen Platz in meinem Herzen"

Von diesem Endspiel im Süden Floridas sind denkwürdige Momente in Erinnerung geblieben, speziell von der Siegerzeremonie danach. Zverev dankte Isner damals für viele gemeinsame Trainingsstunden im US-Camp in Saddlebrook, "schon in der Zeit, als ich noch ein kleiner Bursche von 12 Jahren war": "Du warst so oft für mich da." Und derart gelobt und gepriesen, returnierte Isner die Komplimente gern zurück: "Du wirst ein großer Champion, Junge. Du hast das beste Team der Welt, du machst alles richtig." Beide, Isner wie Zverev, wischten sich danach die Tränen aus dem Gesicht.

Nun ist Isner wieder der Gegner Zverevs in einem großen Moment. Jener Isner, der seinen Platz in der Tennisgeschichte auf Ewigkeiten sicher hat. Nicht wegen eines spektakulären Sieges, sondern wegen eines Spiels, das selbst eine Ewigkeit zu dauern schien. 2010 gewann Isner in Wimbledon den Marathon aller Marathons gegen den Franzosen Nicolas Mahut, elf Stunden und fünf Minuten dauerte das Match netto. Den letzten Satz gewann Isner mit 70:68 Spielen, am dritten Tag hintereinander, an dem er mit Mahut auch wegen diverser Wetterkapriolen auf Platz 14 im All England Club stand. "Dieses Spiel wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben", sagt Isner, "es war im Tennis ein Erlebnis wie kein anderes."

Isner durchbrach zuletzt die Schallmauer von 10.000 Assen

Isner ist ein Gigant der Centre Courts. Er ist, neben dem Kroaten Ivo Karlovic, der moderne "Herr der Asse", als zweiter aktiver Spieler neben Karlovic durchbrach er zuletzt die Schallmauer von 10.000 Karriere-Volltreffern. Beim Rekordsieg gegen Mahut in Wimbledon schlug er 113 Asse. Auch eine andere ATP-Bestmarke hält Isner - gemeinsam mit Pensionär Tommy Haas: Er gewann ein Turnier, ohne auch nur einen einzigen Breakpunkt zugelassen zu haben, 2017 beim Wettbewerb im amerikanischen Newport.

In Jugendjahren war Isner, mehr als nahe liegend, auch ein begeisterter Basketballspieler, noch jetzt sagt der Mann mit Schuhgröße 52, er sei sehr nahe dran gewesen, "als Kid in den Basketballbetrieb einzusteigen." Heute spielt Isner ziemlich gut Golf, angelt gern zur Entspannung, schaut reihenweise Baseball-Matches und ist als Football-Fan ein glühender Anhänger des NFL-Teams Carolina Panthers. "Ich bin ein totaler Sportfreak", sagt Isner, der vor zwei Monaten zum ersten Mal Vater wurde (seine Tochter heißt Hunter Grace).

Der lange John wünschte sich in Wimbledon Donald Trump als Gast

Bei den Grand Slam-Feierlichkeiten in Wimbledon machte Isner in diesem Jahr auch abseits des Centre Courts von sich reden: Vor seinem (später verlorenen) Halbfinalmatch gegen den Südafrikaner Kevin Anderson wünschte sich der politisch konservative Riese dringend einen Abstecher von US-Präsident Donald Trump nach Wimbledon - der Chef des Weißen Hauses war damals auf Staatsbesuch im Vereinigten Königreich. "Es wäre wunderbar, einfach fantastisch, wenn er vorbei kommen würde", sagte Isner. Er stand mit dieser Bitte allerdings eher allein auf weiter Flur.

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