Selbst die besten Spieler der Welt haben Probleme

Nervenspiele in London

Mittwoch, 15.11.2017 | 09:49 Uhr
David Goffin hatte gegen einen angeschlagenen Rafael Nadal größte Probleme
© getty

Ein Match zuzumachen, noch dazu gegen einen angeschlagenen Gegner, fällt auch den besten Spielern der Welt manchmal schwer.

Die einigermaßen tröstliche Nachricht für Alexander Zverev nach seiner Niederlage gegen Roger Federer könnte gewesen sein: Es waren die Belastungen einer herausragenden Spielzeit, die der deutschen Nummer eins in der Entscheidung eine reelle Chance auf den Sieg geraubt hatten - und nicht die Angst vor dem Gewinnen. Ein Phänomen, das vor allem am Montag in der O2 Arena in mehrfacher Ausführung zu beobachten war.

Zuerst schenkten sich Grigor Dimitrov und Dominic Thiem nicht nur spielerisch wenig - die beiden Kontrahenten zeigten am Ende auch, welcher nervlichen Belastung die Spieler bei der Abschlussveranstaltung des Jahres 2017 ausgesetzt sind. Der Bulgare konnte vorerst nicht zum Match ausservieren - so wie es ihm schon in paris-Bércy gegen John Isner ergangen war. Thiem gab den Gefallen umgehend zurück, half beim entscheidenden Break mit zwei Doppelfehlern gnädig mit.

Zu passiv

Dass David Goffin im Abendmatch Rafael Nadal am Ende doch besiegen konnte, muss fast als kleines Tenniswunder eingestuft werden - wiewohl schon in der Anfangsphase der Partie klar zu erkennen war, dass der Branchenführer weit von seiner körperlichen Bestverfassung entfernt ist. Aber, und das ist eine der großen Meisterschaften des Spaniers, Nadal gibt keinen Punkt verloren, selbst wenn sein Knie nicht ordnungsgemäß seinen Dienst versieht.

Goffin war dies nicht neu, dennoch leistete sich der Belgier, je näher sich die Partie ihrem Ende zuneigte, viele leichte Fehler, wurde zudem immer passiver. Der Belgier fällt nicht durch große Gesten auf dem Court auf, einigen Vorhandbällen und Aufschlägen, die den Weg nicht ins Ziel gefunden hatten, schaute Goffin indes rechtschaffen konsterniert hinterher. Ob sich der Erfolg gegen Nadal positiv auf die Psyche von david Goffin auswirken wird, wird sich womöglich schon am Mittwochnachmittag in der O2 Arena weisen, die Bilanz gegen Grigor Dimitrov sieht jedenfalls den Bulgaren vorne.

Cilic ab jetzt unbelastet

Dass auch große Erfolge der Vergangenheit nicht zwangsläufig ein Siegergen implementieren, führt in diesen Tagen schließlich Marin Cilic eindrucksvoll vor. Der US-Open-Champion von 2014 konnte weder eine Führung mit Break gegen Alexander Zverev in seinem Auftaktmatch noch einen, wenn auch kleinen, Vorteil im entscheidenden Tiebreak gegen Jack Sock nach Hause spielen.

Das Muster, das sich in solchen Situationen bei Cilic breit macht, ähnelt jenem Goffins: Der Kroate wird zu passiv, hält den Ball nur noch im Spiel. Die gute Nachricht für Marin Cilic: Am Donnerstag gegen Roger Federer kann er befreit aufspielen - nach zwei Pleiten hat der diesjährige Wimbledon-Finalist keine Chance mehr auf ein Weiterkommen.

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