Tennis

Keine Freude auf dem Court? Thomas Muster wundert sich über Alexander Zverev

Von Ulrike Weinrich
Alexander Zverev spielt längst bei den Großen mit
© getty

Thomas Muster findet, dass Alexander Zverev auf dem Court viel zu freudlos auftritt. "Was mir an ihm nicht gefällt, ist seine Körpersprache", sagte der Österreicher im Interview mit der Sport Bild über den 21-Jährigen.

In diesen Tagen ließ sich Alexander Zverev mit seinem Kumpel Marcelo Melo in ungewohntem Gewand ablichten. Beide trugen eine Mönchskutte mit Kapuze. Der brasilianische Doppelspezialist hielt sogar noch ein Holzkreuz in der rechten Hand. Beide blickten bierernst, doch es ist unverkennbar: Der Schalk sitzt ihnen im Nacken. Humor hat das Duo.

Thomas Muster allerdings, der auf dem Court einst so bärbeißige Linkshänder, wundert sich ein wenig über den anderen Zverev. "Je mehr ich ihm zuschaue, umso mehr kommt mir der Gedanke: Wieso hat er keine Freude an dem, was er tut?", fragte der 51-Jährige und meinte: "Er ist ein sehr guter Spieler. Aber es gibt bei ihm immer wieder diese Ausraster, durch die er so freudlos wirkt."

Muster über "Sascha": "Er hat sicherlich viel Druck"

Und Muster, ein Mann, der sagt, was er denkt, hat eine Vermutung, warum dem Weltranglistenfünften der Spaß an der Sache nicht immer anzusehen ist. "Er hat sicherlich viel Druck." Die ganze Familie sei "komplett" auf ihn ausgerichtet. "Aber er sollte erkennen, in welch einer privilegierten Position er sich befindet als Tennisprofi", erklärte Muster.

Der French-Open-Sieger von 1995 unkt, dass nicht zuletzt Ivan Lendl dem jüngeren Zverev-Bruder mental weiterhelfen könne. "Ich finde Zverevs Idee gut, Ivan an Bord zu holen", betonte Muster - und fügte kritisch an: "Aber nicht als Trainer. Eher als Berater. Als Trainer sind Ivan und ich meiner Meinung nach zu alt für diese Generation." Zverev bereitet sich derzeit für die am Sonntag in London beginnenden ATP-Finals vor.

"Leistungsdichte war früher viel höher" - heute droht der "Shitstorm"

Relativ hart ging Muster mit der heutigen Spielergeneration ins Gericht. Die Leistungsdichte sei früher "viel höher" gewesen. "Aus meiner Zeit fallen mir noch heute mehr Siegernamen ein, als es jetzt gibt: Lendl, McEnroe, Becker, Agassi, Sampras, Wilander, um nur einige zu nennen", betonte der Leibnitzer, der in seiner Karriere 44 Einzeltitel auf der ATP-Tour holte.

Viele dieser Ex-Spieler seien bekannter, "als es viele der aktuellen Spieler sind." Aber warum ist das so. Muster glaubt den Grund dafür gefunden zu haben: "Früher haben wir uns Dinge gesagt, die du dir heute nicht mehr leisten kannst. Denn heute wird alles aufgenommen, alles kann gegen dich verwendet werden. Da kriegst du einen Shitstorm." So verhindere man das Entwickeln von Persönlichkeiten.

Becker und ich? "Wir haben uns hervorragend verstanden"

Muster räumte zudem mit dem weit verbreiteten Gerücht auf, dass ihn und Boris Becker allenfalls eine beidseitige Abneigung verband. "Wir haben uns hervorragend verstanden. Boris ist nach wie vor ein unglaublicher Typ", sagte der einstige "King of Clay" und schlug vor: "Das Leben von Boris Becker muss man verfilmen."

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