Tennis

Schule und Tenniskarriere? "Nicht vereinbar", sagt Papa Thiem

Wolfgang und Karin Thiem
© GEPA

Kann man die Schule beenden und dennoch erfolgreicher Tennisprofi werden? Wolfgang Thiem glaubt nicht daran.

Günter Bresnik erinnert sich noch gut, als der junge Tennistrainer Wolfgang Thiem ihm vor rund 20 Jahren erstmals begegnet war. Bresnik schickte ihn direkt heim, er könnte ihm nicht genug zahlen, um eine junge Familie zu ernähren. Thiem aber blieb stur, kam am nächsten Tag in Tennisklamotten wieder und arbeitet seither in Bresniks Tennisschule - mit Erfolg.

Der Rest ist Geschichte: Sohn Dominic fiel Österreichs Starcoach schnell auf, er machte ihn bald zur Chefsache. Mittlerweile ist der 25-Jährige fest etablierter Top-Ten-Spieler. Und auch Bruder Moritz versucht es mit der Tenniskarriere, vor wenigen Wochen holte er seinen ersten ATP-Punkt.

Enthusiasmus ist das A und O

Aber ist eine Tenniskarriere wirklich planbar? Kaum. "Wenn ich Eltern begegne, deren Kinder am Anfang der Karriere stehen, tun sie mir leid. Sie wissen nicht, was auf sie zukommt", erzählte Wolfgang Thiem gegenüber derstandard.at. "Man hat einfach keine Ahnung, wie viel das alles kostet, und vielleicht ist das auch gut so. Wenn man einen Finanzierungsplan aufstellt, würde man wohl den Zettel zerreißen und dem Kind den Schläger wegnehmen. Wenn der Enthusiasmus für den Sport fehlt, kann man es gleich vergessen." Auch innerhalb der Familie Thiem sei man unsicher gewesen, ob alles aufgehen würde - einen Plan B habe es dennoch nie gegeben.

Sowohl Dominic als auch Moritz Thiem haben alles auf eine Karte gesetzt und die Schule frühzeitig abgebrochen, eine "bewusste Entscheidung, hinter der ich nach wie vor stehe", so Wolfgang Thiem weiter. Denn Tenniskarriere und Schule seien nicht vereinbar. "Die Verantwortlichen haben keine Ahnung, wie zeitintensiv es ist. Es ist wie mit einem Lehrberuf: Es fragt ja auch niemand einen Tischlerlehrling, was er sonst noch gelernt hat und was passiert, wenn er es nicht schafft."

Ähnlich wie Günter Bresnik ist auch Wolfgang Thiem gerne kritisch, die Saison 2018 von Sohn Dominic empfindet er als nicht wirklich zufriedenstellend. "Er hatte im Endeffekt drei gute Wochen. Lyon, Madrid, Paris. Die Niederlage gegen Nadal in Paris geht in Ordnung. Gegen Zverev in Madrid war er nicht gut. Nach Paris hat er zu früh wieder begonnen." Das Ziel sei es, die guten Wochen auf 70 bis 80 Prozent der Turniere auszudehnen. "Dann ist er Top drei."

Das gesamte Interview mit Wolfgang Thiem lest ihr hier!

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