Tennis

ATP Wien: Platzbauer Andreas Kemmerer - "Das ist eigentlich unmöglich"

Von Jens Huiber
Der Belag in Wien hat keine Wünsche offen gelassen
© GEPA

Andrea Kemmerer baut mit seinem Team weltweit Tennis-Courts, nicht nur für Turniere oder Davis-Cup- und Fed-Cup-Begegnungen. In der Wiener Stadthalle ging es auch darum, dem Turnierfavoriten Dominic Thiem entgegenzukommen.

tennisnet: Herr Kemmerer. Jürgen Melzer hat nach seinem Sieg gegen Milos Raonic gemeint, dass der Court in der Wiener Stadthalle den Slice schön niedrig, den Topspin sehr hoch abspringen lassen würde, dass sich der Court also sehr gut spiele. Ein schönes Lob, oder?

Kemmerer: Das ist sicherlich eine zutreffende Aussage. Diese mittlere Körnung, die wir gewählt haben, müsste genau das wiedergeben, was Jürgen gesagt hat. Der Platz nimmt den Spin an, je nachdem, wie der Ball vom Gegner eben gespielt wird. Wir sprechen dann vom sogenannten "True Bounce".

tennisnet: Haben Sie hier in der Stadthalle im Vergleich zu den letzten Jahren irgend etwas geändert?

Kemmerer: Nur eine Kleinigkeit. Wir haben den Platz ein wenig in Richtung St. Petersburg getrimmt, soweit das möglich ist.

tennisnet: ... wo Dominic Thiem vor wenigen Wochen gewonnen hat. Wobei alle übrigen Bedingungen hier ja deutlich anders als in St,. Petersburg sind, oder?

Kemmerer: Genau. Das sage ich aber schon immer: Das, was wir beeinflussen können, die Körnung des Bodens, nur ein kleiner Bestandteil von dem ist, wie es sich dann wirklich spielt. Andere Faktoren wie die Bälle, die Luftfeuchtigkeit spielen eine mindestens genauso große Rolle.

tennisnet: Einige Spieler haben berichtet, dass die Bälle hier nicht einfach zu spielen sind.

Kemmerer: Ich habe nur festgestellt, beim allerersten Training, wie schnell die Bälle aufgehen. Und dadurch ist natürlich ein größerer Luftwiderstand gegeben.

"Mehr Dreck heißt, dass der Platz schneller wird"

tennisnet: Wie verändert sich der Platz im Laufe der Turnierwoche? Die Spieler haben ja ab dem Donnerstag vor Turnierstart hier trainiert.

Kemmerer: Der Platz kann nicht mehr der gleich sein wie vor einer Woche. Wir haben am Sonntag den Platz beschichtet, dann hatte er nur drei Tage zum Aushärten. Weil wenn er dann voll bespielt wird, dann ist er zwar trocken - aber noch nicht richtig hart. Das heißt, wenn die Spieler dann in ihre langen Rutschphasen kommen, dann bleibt relativ viel Schuhabrieb in den Poren drinnen. Und mehr Dreck heißt immer, dass der Platz schneller wird.

tennisnet: Der Deutsche Tennis Bund hat am Donnerstag bekannt gegeben, dass der Davis Cup gegen Ungarn wieder in Frankfurt ausgetragen wird. Sie haben in den letzten Jahren die Plätze für den DTB gebaut. Ist Frankfurt eine gute Wahl?

Kemmerer: Ich glaube, das größte Problem für die Organisatoren in Hamburg ist immer, eine Halle zu finden. Handball, Basketball und Eishockey nehmen einfach die großen Multifunktionshallen in Anspruch, gerade im Februar. Sicherlich ist es schwierig, da über zwei Wochenenden etwas zu finden. Ich habe vom DTB noch nichts gehört, ich wusste aber, dass Frankfurt eine der beiden Kandidaten waren. Ich weiß vom DTB nur, dass wir die Woche drauf beim Fed Cup in Braunschweig wieder den Platz mit unserem Belag belegen.

"Das ITF Court Pace Rating ist nicht immer akkurat"

tennisnet: Nach dem letzten Davis Cup der Herren gegen Belgien in Frankfurt hat es Kritik an der Platzbeschaffenheit gegeben.

Kemmerer: Dass man, wenn man ein Match oder die gesamte Begegnung verliert, nach Erklärungen sucht, ist vollkommen klar. Wenn sich die Spieler nicht so wohl gefühlt haben, wie sie sich das gewünscht hatten, dann ist das schade. Aber von unserer Seite haben wir genau das getan, was wir sollten: nämlich den Belag so ähnlich zu machen wie in, Achtung, St. Petersburg.

tennisnet: Dort hatte Alexander Zverev im Herbst davor sein erstes Turnier auf der ATP-Tour gewonnen ...

Kemmerer: Es hieß dann, der Ball sei sehr schnell gewesen. Der DTB hat sich in seiner Kritik auf das ITF Court Pace Rating bezogen, was nachweislich nicht immer akkurat ist. Wir hatten schon Messungen gehabt, wo der Platz nach einer Woche langsamer war als zuvor. Und das ist eigentlich unmöglich. Der Gegner hat damals natürlich optimal gespielt, aber wenn ich bedenke, wie nahe sowohl Philipp Kohlschreiber als auch Alexander Zverev am Sieg gegen Steve Darcis dran waren, wäre die Schuldfrage beim Belag zu suchen, etwas weit hergeholt.

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