Tennis

"Drei bis fünf Challenger": Das ist das neue Zukunftskonzept des ÖTV

Von APA
ÖTV-Präsident Klausner nimmt sich einiges vor.
© GEPA

Werner Klausner hat als neuer Präsident des Österreichischen Tennisverbandes (ÖTV) einiges vor. Der 51-jährige Salzburger startete im vergangenen März u.a. mit der Mission in das Amt, dem ÖTV eine moderne Organisationsstruktur und auch eine wesentlich stärkere Orientierung in Richtung Management zu geben.

Im Gespräch mit der APA m Rahmen des Generali Open in Kitzbühel gab er Einblicke auf die nächsten Vorhaben, äußerte die Hoffnung, dass man in Sachen Sportförderung im Herbst eine Aufwertung erhält und legte auch ein Bekenntnis zur Südstadt und im Speziellen zum Trainerteam Günter Bresnik und Wolfgang Thiem ab.

Der aus der Sportindustrie kommende Klausner kennt viele der Protagonisten im heimischen Tennis schon weit länger als in seiner neuen Funktion. Er spricht von einem "engagierten Programm". "Es gibt 15 Themenschwerpunkte. Die Hauptbereiche sind die Restrukturierung des Verbandes und die Überführung in eine sehr moderne Organisationsstruktur, wo es um eine Neuordnung der Statuten, der Kompetenzen usw. geht", sagte Klausner.

Dominic Thiems Coach Günter Bresnik ein "großer Glücksfall"

Im Bereich des Spitzensports werde man in Zukunft die Kooperation mit Günter Bresnik und Wolfgang Thiem in der Südstadt weiter ausbauen und intensivieren. "Wir sehen es als großen Glücksfall, dass wir einen Trainer-Weltstar wie Günter Bresnik im Leistungszentrum haben. Diesen Bonus möchten wir für den österreichischen Tennissport bestmöglich nutzen", erklärte der ÖTV-Präsident. Parallel dazu würden erfolgreiche Projekte auch in den Bundesländern mit Individualförderung und Touring-Coaches unterstützt.

Gemeinsam mit einem eigens gegründeten Sportbeirat hat man sich selbst bzw. den Verband hinterfragt. Die Expertengruppe mit u.a. Wolfgang Thiem, Alexander Antonitsch und Fitness-Coach Gebhard Gritsch, der ja im Team von Superstar Novak Djokovic arbeitet, hat laut Klausner bereits zwei sehr lange und intensive Sitzungen absolviert.

"Wir nutzen das aktuelle Fundament und haben mit diesen Vollprofis Probleme noch einmal ganz offen definiert. Es wurde wirklich jeder Stein umgedreht. Ich war über die Qualität so erfreut und welch tolle Lösungen da entstanden sind", ist Klausner begeistert.

Schließlich hat man daraus auch ein neues Sportkonzept entwickelt, das Ende 2018 präsentiert werden soll. "Es ist ein Papier mit sehr viel Logik entstanden. Das ist kein Hochglanz-Projekt, das irgendwo in einer Schublade landet, sondern es ist komplett nachhaltig und praxisorientiert", versichert der Salzburger.

ÖTV-Präsident Klausner: Ziel von drei bis fünf Challengern

Vieles wird freilich auch von der neuen Bundesport GmbH abhängen. Klausner erhofft sich auch durch das neue Konzept eine Vorreihung in der Bewertung. Noch weiß man aber nicht, wohin die Reise geht. "Wir haben sehr viel Energie und Zeit investiert in das Konzept und sind sehr optimistisch, dass wir den zweitgrößten Sportfachverband auch in diesem Ranking in einem Bereich sehen werden, wo er hingehört. Mit 170.000 Mitgliedern und knapp 400.000 Spielern in Österreich müssen wir eine sehr große Anzahl servicieren, und da brauchen wir entsprechende Budgets."

Geld, das man teilweise auch für eine neu zu schaffende, kleine Serie von Challenger-Turnieren in Österreich braucht. Nach der Ankündigung der ATP, ab 2020 für Future-Turniere keine ATP-Punkte mehr zu vergeben, ist bei vielen jungen Spielern, für die die Futures den Profi-Einstieg bedeutet haben, Feuer am Dach.

In Österreich gibt es aktuell gar kein richtiges Challengerturnier. "Es gibt interessierte Veranstalter, unsere Aufgabe als Verband ist es, diese Veranstalter bestmöglich zu unterstützen. Wir müssen trachten, dass wir in Österreich eine Basis an Challengerturnieren haben, um den Nachwuchsspielern in der Nähe die Möglichkeit zu geben, Punkte zu sammeln", weiß auch Klausner. Das Ziel sei, dass man künftig "drei bis fünf Challenger" hat.

Damen-Tennis in Österreich: Touringcoaches, individuelle Förderung

Bewusst ist Klausner natürlich, dass im Gegensatz zu den Herren, bei denen im Sog von Dominic Thiem einige Spieler nachrücken, bei den Damen eine große Lücke besteht. "Bei den Damen hinken wir hinterher. Man man muss aber auch fairerweise sagen: Wir haben eine Generation gehabt, die relativ früh aufgehört hat. Eine Meusburger, eine Mayr und eine Paszek, die jetzt wieder versucht, heranzukommen." Dadurch sei die Verantwortung schnell auf sehr junge Spielerinnen wie Barbara Haas oder Julia Grabher übergegangen.

"Sie haben definitiv Potenzial, sie brauchen aber noch etwas Zeit. Im Moment ist das wirklich eine Baustelle." Der Plan, mit dem erfahrenen Coach Jürgen Waber in den vergangenen drei Jahren etwas aufzubauen, sei ein guter gewesen, spricht Klausner das Damenleistungszentrum in Linz an, das nun aber Ende des Jahres kein ÖTV-Leistungszentrum mehr sein wird.

Immerhin habe Waber mit Sybille Bammer eine Spielerin in die Top 20 gebracht. "Dass die Spielerinnen jetzt länger brauchen, kann man nicht vorhersehen." Nun sollen vermehrt Damen in die Südstadt gelockt werden oder individuell gefördert und auch mit Touringcoaches unterstützt werden.

Begeisterung für Tennissport: "Wenn nicht jetzt, wann dann?"

Apropos Trainer: Mit Markus Hipfl, der die Trainer-Riege in der Südstadt schon ab September verstärkt, hat der ÖTV einen ehemaligen Top-70-Spieler verpflichtet, der sich auch um die Mädchen in der Südstadt kümmern soll.

Ein ganz wichtiger Punkt, bei den Mädchen, aber auch den Burschen, wird es wohl sein, mehr Präsenz an den Schulen zu zeigen. Das bestätigt auch der ÖTV-Präsident. "Es muss unser Ziel sein, dass Kinder schon in frühen Jahren mit dem Tennissport in Verbindung kommen. Mit den richtigen Geräten und Bällen, da sind wir stark dahinter. Ideal wäre, wenn gut ausgebildete, regionale Trainer sich mit den örtlichen Schulen abstimmen, dort in den Turn-Unterricht gehen und die Kinder für den Tennissport begeistern. Wenn nicht jetzt, wann dann? Wir haben mit Dominic Thiem ein Idol, haben Erfolge, sind stark in den Medien präsent. Wir müssen schauen, dass wir die Kinder abholen."

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung