Der "Blog der Woche"

Rütteln an den Grundpfeilern

Montag, 16.10.2017 | 18:01 Uhr
Wird hier die Zukunft des Herrentennis besprochen?
© getty

Roger Federer und Rafael Nadal haben in Shanghai großes Tennis geboten. Auch, weil die beiden ihre 2017er-Kampagne ohne größere Verletzungsprobleme bestreiten.

Wer hätte sich diese neue, alte Machtverteilung vorstellen können, als Roger Federer vor ziemlich genau einem Jahr seinem ewigen Rivalen und Freund Rafael Nadal einen Besuch in Manacor abstattete. Federer hatte damals die Saison 2016 schon lange, lange beendet, auch Nadal war immer wieder durch Blessuren gehandicapt gewesen.

Nun traf man sich zur Eröffnung von Nadals großartiger Tennis Academy, es war eine sentimentale Wiedersehensfeier der beiden Großmeister - mit Erinnerungen an die großen Zeiten in früheren Jahren und manchen Anekdoten von einst. Über allem schwebte auch die Frage, was eigentlich aus den ehemaligen Großmeistern werden würde: Kämen sie noch jemals wieder in Griffdistanz zu wichtigen Titeln? Oder würden ihre Karrieren eher unspektakulär ausklingen?

Tja - und dann das: Das verrückte Tennisjahr 2017. Es ist zwar noch nicht beendet, es warten noch europäische Hallenfestivitäten auf die Fans. Es wartet auch noch das ATP-Finale in London, mit den besten Acht der Saison, darunter auch Alexander Zverev, der junge Deutsche. Und Dominic Thiem, sein österreichischer Kumpel.

Aber fest steht schon dies: 2017 wird als das Jahr der großen, sensationellen Renaissance des Federer/Nadal-Duells in die Geschichtsbücher eingehen. Gerade haben sich die beiden schon wieder in einem Finale gegenübergestanden, in Schanghai, wieder mit Federer als Sieger.

Wen würde da nicht wundern, wenn es auch in London noch einmal zum Showdown zwischen Matador und Maestro käme - sozusagen als Schlusspunkt dieser Spielzeit, die ja mit einem atemraubenden Fight der beiden in Melbourne, bei den Australian Open, begann.

2017 hat alle Prognosen über den Haufen geworfen, die es zumindest zu den älteren Herren Federer und Nadal gab. Übrigens auch die Prognosen der beiden Superstars selbst. Federer und Nadal nahmen früh und dann konstant die Rollen ein, die zuvor Novak Djokovic und Andy Murray besetzt hielten.

Für den Serben und den Schotten kam nach vielen Hundejahren auf der Tour der psychische und körperliche Einbruch, überraschend vielleicht nicht ganz, überraschend aber im Ausmaß des sportlichen Rücksetzers. Hinzu kamen auch Verletzungen der beiden Führungsfiguren des Vorjahres. Ob sie ähnlich fulminant zurückkehren können wie nun Federer und Nadal, bleibt abzuwarten. Zumindest bei Djokovic sind da Zweifel erlaubt.

Verlierer mit der zweiten Chance?

Über Regeländerungen wurde zuletzt meistens gesprochen, wenn es um die großen Teamwettbewerbe im Tennis ging - um Davis Cup oder Fed Cup. Aber am Rande des Masters in Schanghai, im Zusammenhang mit dem Spiel von Juan Martin del Potro gegen Roger Federer, gab es auch eine Diskussion darüber, wie man mit verletzungsbedingten Rückzügen von Profis umzugehen habe.

Bislang wurde dann einfach der nicht verletzte Spieler kampflos durchgewinkt, das Publikum indes ging leer aus, es gab kein Match. In Schanghai passierte das zwar nicht, del Potro trat trotz zwischenzeitlicher Zweifel an zum Duell mit Federer. Doch was wäre gewesen, wenn...

Diese Debatte ist komplex, weil sie auch enorme logistische, formale, finanzielle und organisatorische Fragen aufwirft, u.a. geht es da auch um Bonuszahlungen an Spieler. Aber auch um die sehr grundsätzliche Frage, wie man bei einer eventuellen Regeländerung, also dem Nachrücken des ursprünglichen Verlierers für den Verletzten, genau mit dieser Tatsache umgeht: Dass nämlich möglicherweise ein Spieler ein Turnier gewinnt, der schon einmal ausgeschieden war.

Es ist zwar üblich bei einem Gruppenformat wie den ATP Finals, dass ein Spieler gewinnen kann, der schon einmal ein Spiel verloren hat. Aber bei normalen Turnieren wäre es ein Rütteln an den Grundpfeilern des Systems. Tennis ist schliesslich ein Knockout-Sport, daraus bezieht es auch einen Großteil seines Reizes.

Man darf gespannt sein, wie sich die Debatte nun weiterentwickelt.

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