Nadal entwickelt seine Waffen

Von Maximilian Kisanyik
Dienstag, 10.10.2017 | 08:02 Uhr
Rafael Nadal ist erneut das Maß aller Dinge
© getty

Rafael Nadal hat sich erneut zum Maß aller Dinge gearbeitet und dabei eine erstaunliche Entwicklung genommen - die Gründe seines Erfolgs.

Rafael Nadal spielt derzeit jeden seiner Gegner in Grund und Boden. Schon zu Beginn des Jahres war der Spanier in Top-Form, jedoch scheint der 31-Jährige im Laufe der Saison immer besser zu werden. Doch was hat sich bei "Rafa" weiterentwickelt?

Wer die Spiele des Weltranglistenersten in den vergangenen Wochen verfolgt hat, dem könnte aufgefallen sein, dass der Mallorquiner beinahe fehlerlos spielt. Klar, Nadal hat schon seit jeher wenig unforced Errors produziert, so sicher wie er im Jahr 2017 spielt, ist jedoch noch eine Spur besser. Das könnte damit zusammenhängen, dass der "Stier aus Mannacor" mit noch mehr Topspin in die Bälle geht. Er scheint die Bewegung auf der Vorhand beinahe perfektioniert zu haben und spielt den Ball weit übers Netz - ein Netzfehler kann also gar nicht entstehen. Die Rotation des Balles hat "Rafa" zudem auf ein neues Level gehoben. Schon bei seinem Triumph in Paris und dem Gewinn des zehnten French-Open-Titels wurden bis zu 6000 Umdrehungen pro Minute beim Spanier gemessen. Nun scheint er diesen Wert auch auf andere Beläge transportieren zu können. In der Defensive hilft ihm der hohe Drall ebenfalls und er bekommt mehr Zeit sich wieder neu zu positionieren.

Auch ein weiterer Aspekt seiner Vorhand hat sich verändert. Wittert Nadal die Chance auf einen Angriffsball, geht der Spanier traumhaft sicher durch den Schlag, nimmt den Topspin heraus und entwickelt ein enormes Tempo. Vor allem der Vorhand longline hat sich dabei enorm verbessert und entwickelte sich zur Geheimwaffe des 16-fachen Grand-Slam-Siegers. Erlangt Nadal das Selbstvertrauen seine Gegner in einem Match zu schlagen, haben diese meist das Nachsehen.

Arbeit bis ins kleinste Detail

Auch Nadals Rückhand wirkt gefährlicher. In früheren Jahren galt diese neben dem Netzspiel des Spaniers als Schwachstelle - nicht der Fehleranfälligkeit geschuldet, vielmehr des geringen Tempos. Auch dieses Defizit scheint Nadal in den Griff zu bekommen. Ob cross oder die Linie Entlang, Nadal schlägt Rückhand-Winner mit einer einschüchternden Entschlossenheit. Das Umlaufen seiner Rückhand findet nicht mehr so oft statt, Nadal spart sich dadurch Weg und Energie, die er für weitere spektakuläre Defensivschläge speichert.

Apropos Netzspiel: In Sachen Volleys scheint Nadal überhaupt keine Fehler mehr machen zu wollen. Dabei spielt er die Bälle mit viel Drall, wenig Tempo aber sehr genau ins Feld. Den Weg ans Netz zu vermeiden scheint für Nadal kein Anliegen mehr zu sein. Selbst gegen Gegner mit harten Grundschlägen lässt sich "Rafa" nicht aus der Ruhe bringen und volliert sauber und ruhig.

Der wichtigste Aspekt ist jedoch Nadals Psyche und Physis. Während der erste Saisonhälfte ließ Nadal verlauten, dass er das erste Mal seit vielen Jahren ohne Schmerzen spiele. Auch gegen Ende der Saison scheint ihn sein Körper weiterhin zu unterstützen. Ohne diese Einschränkung wirkt Nadal regelrecht befreit und entwickelte über die Monate eine beeindruckende Gier - Zweifel scheinen dem Spanier nicht einmal in den Sinn zu kommen. Im Gegenteil: Der "Sandplatzkönig" scheint seine Rolle und Verfassung regelrecht zu genießen. Nach tollen Punktgewinnen feuert sich Nadal weiter an und reißt dabei die Massen in den Stadien mit. Die "Säge", sein Jubel bei dem er seinen Schlagarm tief in der Hüfte vor- und zurückbewegt, und Luftsprünge platzen aus dem vor Selbstvertrauen strotzenden Spanier regelmäßig heraus.

Nadal gegen alle

Die Fakten untermauern seine Form: Sechs Titel und die Rückkehr an die Spitze der Weltrangliste in 2017 sprechen eine deutliche Sprache. Nadals jüngster Coup bei den China Open in Peking hat gezeigt, dass es derzeit nur sehr wenige gibt, die ihn gefährden können. Einem in Topform befindenden Nick Kyrgios nur drei Spiele im Peking-Finale zu lassen, ist eine unmissverständliche Ansage an die Konkurrenz.

Natürlich darf der Aspekt nicht außer Acht gelassen werden, dass viele Top-10-Spieler an Verletzungen laborieren. Dennoch ist eine solche Konstanz nach einem halben Jahr Pause im Jahr 2016 an den Tag zu legen in hohem Maße erstaunlich.

Auch beim bereits gestarteten Rolex Masters in Shanghai zählt Nadal neben dem wiederkehrenden Roger Federer zum Favorit auf den Titel. Nach einem Freilos in Runde eins, trifft "Rafa" zum Auftakt auf den Amerikaner Jared Donaldson.

Das Einzel-Tableau in Shanghai

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