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Die Bringschuld der ATP

Montag, 31.07.2017 | 18:00 Uhr
Der Finaleinzug von Florian Mayer hat die Hamburger begeistert
© getty
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Wieder einmal hat Turnierdirektor Michael Stich es geschafft, trotz widriger Umstände das Hamburger Publikum zu begeistern. Für die kommenden Jahre muss die ATP den German Open allerdings mehr Unterstützung geben.

Der letzte Tour-Wettbewerb des Jahres in Deutschland ist Geschichte, und man kann getrost sagen, dass sich das Rothenbaum-Turnier unter den gegebenen Umständen gut geschlagen hat. Das Hamburger Publikum beweist eine fast unverbrüchliche Treue zu dem Wettbewerb, viele jahrelange Fans lassen sich ihren Besuch durch nichts vermiesen, nicht durch das streckenweise schmuddlige Wetter oder die jeweilige Besetzungsliste. Mit rund 60.000 Zuschauern können die Veranstalter um Michael Stich recht zufrieden sein, auch wenn die Zahlen weit entfernt sind von den großen und ganz großen Zeiten in der Hansestadt.

Das Ganze darf allerdings nicht den Blick davon weg lenken, dass die ATP als Betreiber des Wanderzirkus in der Pflicht steht, ein der Etikettierung des Turniers angemessenes Teilnehmerfeld zu präsentieren. Kurz gesagt: Wo "ATP 500" drauf steht, sollte auch ATP 500 drin sein. Die Schwierigkeiten um das Hamburger Turnier berühren gleich mehrere Problemfelder des professionellen Tennis - allem voran die fehlende Struktur und Logik im Jahreskalender, den mangelnden dramatischen Bogen in der Tennis-Saison. Hamburg ist inzwischen in einer der undankbarsten Wochen des Jahres gelandet, ganz unabhängig von allen Belagfragen oder dem Schachern um die Lizenz. Stich, der Macher am Rothenbaum, hat zu Recht darauf hingewiesen, dass in dieser Woche nur ein Top-20-Spieler im Einsatz gewesen sei, der Amerikaner Sock - der Rest der Elite pausierte. Aber warum findet dann ein Turnier der 500er Kategorie überhaupt in dieser Woche statt, warum müssen Veranstalter viel höhere Preisgelder für ein Feld ausschütten, das man eben eher bei einem ATP-250er-Wettbewerb erwarten würde.

Pause nach Wimbledon

Im Grunde müsste die Tourkarawane nach dem Wimbledon-Turnier einfach mal für zwei, drei Wochen pausieren, es wäre für manchen geschundenen Spieler ein wahrer Segen. Aber was soll dann mit den vielen Traditionsturnieren passieren, die nun einmal nach dem Saison-Höhepunkt im Kalender aufgelistet sind. Zumindest sinnvoll wäre es ja, konsequent den Bodenbelag zu wechseln und auf Hartplätze zu wechseln, es wäre der ideale Countdown bis zum nächsten Highlight, den US Open. Aber auch hier stehen praktische und finanzielle Probleme im Wege: Wer soll die Umwandlung bezahlen, ob nun eine endgültige oder eine temporäre? Denn immer noch wäre die Frage: Welche Spieler gerade aus den Top 10 oder auch Top 20 wollen und werden in Zukunft die ersten Wochen nach Wimbledon in Europa spielen?

Viele Spieler sind heute so gut wie nie versorgt mit persönlichen Serviceteams - Fitness-Coaches, Physiotherapeuten etc. -, aber gleichzeitig ist auch die Intensität jedes einzelnen Matches deutlich gewachsen. Wozu das führt, hat man in Wimbledon erlebt. Die Aufgabe-Orgie erzeugte weltweit unwillkommene Schlagzeilen. Umso wichtiger ist ein gut durchdachter, unnötige Strapazen reduzierender Turnierkalender. Was für manchen Spieler individuell gilt, nämlich, dass weniger durchaus mehr sein kann, gilt ganz allgemein fürs Tourtennis. Und für die Akteure selbst gilt auch: Wer sich über die Arbeitsbelastung beklagt, auch zu viele Pflichten gegenüber der ATP, der sollte nicht auch noch bei allen möglichen Schau- und Showturnieren auftauchen.

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