Raus aus der Winkelfalle: Vorhand Inside Out

Von Marco Kühn/tennis-insider.de
Sonntag, 11.06.2017 | 10:31 Uhr
Andy Murray
© GEPA

Der Weltranglisten-Erste Andy Murray beherrscht die Vorhand Inside Out, die jeder ambitionierter Spieler in seinem Repertoire haben sollte.

Wie wir wissen, ist Tennis verrückt und spielt in fast jeder Spielsituation mit unserer Psyche. Immer wieder wird man getestet, ob man denn auch wirklich mit voller Konzentration beim Schlag ist. Ist man mit seinen Gedanken noch im Kinofilm vom Vorabend, unterlaufen schnell leichte Fehler. Der Ball wird zu spät getroffen. Der Abstand zum Ball und das Timing stimmen nicht. Der Rahmen ist mehr am Schlag beteiligt als die Bespannung. Besonders anfällig für leichte Fehler ist man, wenn der Gegner langsam, weich und mit wenig Länge im Schlag spielt. Andy Murray hatte in seinem Achtelfinale bei den French Open gegen Karen Khachanov oft mit dieser Spielkonstellation zu tun. Und fand immer die gleiche, effektive Lösung.

Erkennen der Chance

Andy Murray bediente sich fast ausnahmslos der Vorhand Inside Out. Er umlief seine Rückhand, wenn es die Spielsituation ergab, spielte eine kontrollierte Vorhand aus seiner Rückhand-Seite und folgte entweder seinem Schlag - oder orientierte sich mit schnellen Schritten wieder an die Grundlinie zurück. Dabei unterschied Murray zwischen einer schnellen Vorhand Inside Out und einer halbhoch, mit mehr Topspin gespielten Vorhand. Der schnellen Variante folgte er ans Netz. Der Topspin-Vorhand hingegen entzog er sich wieder zurück an die Grundlinie, ohne dabei aber an Aggressivität zu verlieren.

Dieses taktische Prinzip kann man sich wunderbar abschauen und in sein eigenes Spiel integrieren. Dazu ist es wichtig, die richtigen Situationen zu erkennen, um die Vorhand Inside Out einzusetzen. Der Ball des Gegners darf dazu nicht zu schnell sein - sonst reicht die Zeit für das Umlaufen der Rückhand nicht und das Timing kommt zu kurz. Man selbst sollte sich bei der Vorhand Inside Out ins Feld hinein bewegen, um einen grundsätzlich offensiven Ball spielen zu können. Befindet man sich hinter Grundlinie, muss das Selbstvertrauen schon berghoch sein, um eine zwingende Vorhand spielen zu können. Gerät der eigene Schlag zu kurz, wird es unbequem im Ballwechsel. Der Weg zur Vorhand Inside Out darf nicht zu weit entfernt sein. Stellt sich der Laufweg als zu lang oder kompliziert heraus, sollte von dieser Variante abgesehen werden. Das Erkennen der richtigen Situation ist das grundlegende Element für die Vorhand aus der eigenen Rückhand.

Das Tempo anpassen

Hektik ist der Mörder. Er tötet die Vorhand Inside Out. Wer zu hektisch beim Laufweg, dem Stellen zum Ball und der Ausholbewegung agiert, verliert. Alle Elemente müssen passen, um ideal zum Ball zu stehen und rechtzeitig bereit zu sein. Anschließend ist die Höhe des Balles von großer Wichtigkeit. Kann der Ball über Hüfthöhe geschlagen werden? Oder doch eher unterhalb der Netzkante? Dies muss erkannt werden, um zu bestimmen, wie die Vorhand gespielt wird. Kann diese oberhalb der Netzkante, also auf Hüfthöhe gespielt werden, ist ein schneller Ball mit höherem Tempo und dafür weniger Spin möglich. Ist man hingegen zu spät am Ball, weil der Laufweg zu lang oder kompliziert war, kann der Ball nur unterhalb der Netzkante gespielt werden. Aufgrund des Winkels zur Rückhand-Ecke des Gegners, muss diese Vorhand Inside Out mit Spin gespielt werden, idealerweise halbhoch. Alles andere wäre mit zu hohem Risiko verbunden.

Was nach der Vorhand passiert

Da die Vorhand Inside Out zumeist im Feld stehend, offensiv, eingesetzt wird, ist das Verhalten nach dem Schlag ebenso wichtig wie der Schlag selbst. Man möchte anschließend, im weiteren Verlauf des Ballwechsels, ja keine Angriffsfläche für den Gegner bieten. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Vorhand direkt zu einem Winner führt. Auch Andy Murray spielt die Vorhand Inside Out nicht mit dem Ziel eines Winners. Viel mehr soll der Gegner unter Druck gesetzt und vor eine Aufgabe gestellt werden. Der Gegner soll reagieren, nicht agieren. Nach dem Schlag muss die eigene Position verändert werden. Die möglichen Richtungen sind nach vorne ans Netz - oder wieder zurück an die Grundlinie. Es darf nicht der Fehler gemacht werden, dass mitten im Zentrum des Platzes verharrt wird. Dies ist die denkbar schlechteste Position, welche man im Ballwechsel einnehmen kann.

Je nach Selbstvertrauen und Vertrauen in das eigene Volleyspiel ist der Weg ans Netz eine gute Option. Viele Spieler agieren heutzutage aber wesentlich lieber von der Grundlinie. Da die Vorhand Inside Out offensiv gespielt werden sollte, muss die Position anschließend ebenfalls offensiv, nah an der Grundlinie, sein. Ob die Flucht nach vorn oder die kontrollierte Offensive von der Grundlinie. Die Vorhand Inside Out ist ein geschickter Weg, um der Winkelfalle zu entgehen.

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