Die Let-Regel gehört auf den Prüfstand

Let-Regel: Ja oder Nein?

Montag, 12.06.2017 | 20:56 Uhr
© GEPA
Advertisement
Erlebe
deinen Sport
live
AEGON Classic Women Single
Sa12:30
WTA Birmingham: Halbfinals
Mallorca Open Women Single
Sa15:00
WTA Mallorca: Halbfinals
AEGON International Women Single
So12:00
WTA Eastbourne: Tag 1
AEGON Classic Women Single
So14:30
WTA Birmingham: Finale
Mallorca Open Women Single
So17:00
WTA Mallorca: Finale
AEGON International Women Single
Mo12:00
WTA Eastbourne: Tag 2
AEGON International Women Single
Di12:00
WTA Eastbourne: Tag 3
Boodles Challenge
Di13:30
The Boodles -
Tag 1
AEGON International Women Single
Mi12:00
WTA Eastbourne: Tag 4
Boodles Challenge
Mi13:30
The Boodles -
Tag 2
AEGON International Women Single
Do12:00
WTA Eastbourne: Viertelfinals
Boodles Challenge
Do13:30
The Boodles -
Viertelfinals
AEGON International Women Single
Fr12:00
WTA Eastbourne: Halbfinals
Boodles Challenge
Fr13:30
The Boodles -
Halbfinals
AEGON International Women Single
Sa13:15
WTA Eastbourne: Finale

Die Wiederholung des Netzaufschlages ist ein Zeitfresser. Über den Nutzen der Let-Regel kann man geteilter Meinung sein.

Immer wenn ein Grand-Slam-Turnier läuft, fordert US-Tennisjournalist und Twitter-König Ben Rothenberg in zahlreichen Tweets, dass bei den Herren doch bitteschön über zwei Gewinnsätze gespielt werden soll. Ich entgegne darauf: Wer den Match-Tiebreak mag und Best-of-Five bei den Grand Slams abschaffen möchte, hat den Tennissport nie geliebt und auch nie selbst gespielt. Ich gehöre zu den Traditionalisten, vor allem was die Zählweise betrifft. Von einer Einführung des Fast4-Formats bei Turnieren halte ich überhaupt nichts. Es wäre dann eine andere Sportart. Auch die No-Ad-Regel im Einzel würde sehr viel Spannung und Reiz rausnehmen. Wer erinnert sich nicht gerne an das epische letzte Aufschlagspiel bei Andy Murrays erstem Wimbledontitel.

Ziel des Spiels ist es nun mal, in einem Satz zwei Spiele mehr zu gewinnen als der Gegner, genauso wie in einem Aufschlagspiel zwei Punkte mehr zu erzielen. Und auch der Tiebreak endet nicht bei 7:6, sondern erst, wenn ein Spieler zwei Punkte Vorsprung hat. Ein Aufschlagspiel, das mehrmals über Einstand geht, gehört zum Tennis dazu. Die Abschaffung der Let-Regel, also die Wiederholung nach einem Netzaufschlag, ist hingegen eine Sache, über die man diskutieren sollte.

Lopez ist für Abschaffung

Folgendes Szenario spielte sich im French-Open-Finale zwischen Rafael Nadal und Stan Wawrinka ab. Nadal servierte nach seiner routinemäßig langen Aufschlagvorbereitung seinen Aufschlag an die Netzkante, der Ball sprang in Wawrinkas Returnfeld. Let, Wiederholung des ersten Aufschlages. Nadal ließ sich neben dem Ball in seiner Hosentasche drei weitere Bälle geben, von denen er zwei aussortierte. Nach 25 Sekunden servierte er erneut seinen Aufschlag, der wiederum über die Netzkante in das Returnfeld von Wawrinka flog. Let, und erneute Wiederholung des ersten Aufschlages. Und wieder ließ sich Nadal neue Bälle zum Aussortieren geben, ehe er nach weiteren 25 Sekunden servierte. Der Aufschlag landete klar im Aus. Als der zweite Aufschlag schließlich im Feld von Wawrinka landete, waren zwei Minuten vergangen, in denen nichts passierte.

Die Netzrichter wurden vor einigen Jahren bereits abgeschafft, vielleicht sollte nun auch die Let-Regel auf den Prüfstand, da ihr Nutzen fragwürdig ist. Feliciano Lopez würde das begrüßen. "Ich würde gerne auf der ATP-Tour sehen, dass die Let-Regel verschwindet. Es hat keinen Sinn, dass beim Aufschlag die Let-Regel existiert, während des Ballwechsels aber nicht. Es ist etwas, was wir auf der Tour ausprobieren sollten", sagte der Spanier im vergangenen Jahr.

Viel tote Zeit durch Netzaufschläge

Der Netzaufschlag ist ein Zeitfresser, wenn auch kein riesengroßer. In einer Analyse von "TennisAbstract" wurden 2000 Matches seit dem Jahr 2010 untersucht. So gab es im Olympia-Halbfinale 2012 zwischen Roger Federer und Juan Martin del Potro 24 Netzaufschläge. Dies führte zu einer Verlängerung des epischen Duells um mehr als sieben Minuten. Es kommt sehr häufig vor, dass ein Ass oder ein Service-Winner vom Schiedsrichter zurückgepfiffen wird, weil das System piepst, obwohl eine Netzberührung kaum zu erkennen war. Man könnte nun sagen, dass ein Match nicht mit einem unerreichbaren Netztroller-Aufschlag zu Ende gehen darf. Aber warum denn nicht? Man erinnert sich an das legendäre Masters-Finale 1988 zwischen Boris Becker und Ivan Lendl, das im Tiebreak des fünften Satzes bei 6:5 nach einem langen Ballwechsel mit einem Netzroller endete.

Glück gehört im Tennis nun mal dazu. Auch nicht sauber getroffene Bälle mit dem Rahmen werden häufig zu Winnern. Das muss man als Spieler akzeptieren, so weh es auch tut. Das Schöne an Netzrollern ist ja, dass es Spielsituationen sind, die man eigentlich gar nicht trainieren kann. Der Spieler muss antizipieren und improvisieren. Und gerade hier zeigt sich oft die Klasse eines Spielers, weil er mit solchen ungewohnten Spielsituationen besser umgehen kann. Übrigens: Im US-Collegetennis und im jährlich im Sommer ausgetragenen World Team Tennis in den USA, an dem zahlreiche Stars teilnehmen, ist das Weiterspielen nach einem Netzaufschlag bereits Normalität. Der Schiedsrichterruf Let gehört auch sonst gerne in die Tennis-Mottenkiste!

Alle Tennis-News im Überblick

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung