Auch mal stiller Jubel

Sonntag, 07.05.2017 | 08:23 Uhr
Alexander Zverev ist ein Genießer seiner eigenen Kunst
© getty

Alexander Zverev kann bei den BMW Open seinen dritten Titel auf der ATP-Tour gewinnen. Gegen Finalgegner Guido Pella hat die deutsche Nummer eins eine positive Bilanz.

Karolina Pliskova hat vor ein paar Tagen in Stuttgart einen potenziell großen Gewissenskonflikt einigermaßen geschickt vermieden. Gut, den Sieg im Viertelfinale gegen Laura Siegemund hätte die tschechische Nummer drei der Welt schon gerne mitgenommen, anderseits fehlt Pliskova eine zwingende Voraussetzung, um den Hauptgewinn beim Porsche Tennis Grand Prix auch in vollen Zügen genießen zu können: der Führerschein.

Alexander Zverev hat in dieser Hinsicht vorgebaut, und das, obwohl er etwa sechs Jahre jünger ist als Karolina Pliskova. 2016, so hat es die deutsche Nummer eins vergangenes Jahr in Paris erzählt, sei er zum Turnier in Nizza täglich von seinem Wohnsitz in Monte Carlo aus mit dem Auto angereist. So lange, bis Zverev die prekäre Verkehrslage den Nerv geraubt hatte. In München sieht es diesbezüglich nicht wesentlich besser aus, die gute Nachricht für Alexander Zverev ist: Sonntags, früher Nachmittag, könnte die beste Zeit sein, um einigermaßen ungestört eine Spritztour in einem eben gewonnenen i8 aus dem Hause BMW zu unternehmen.

Kein Urschrei

Zweifel, dass es soweit kommt, sind auf der Anlage des MTTC Iphitos kaum zu finden. Alexander Zverev hat vielleicht schon besseres Tennis gespielt als in den Tagen von München, aber auch das nicht ganz allerbeste Tennis des mittlerweile 20-Jährigen ist das kompletteste, das seit Turnierbeginn geboten wird. Das Viertelfinale gegen Jan-Lennard Struff hätte Zverev verlieren können, aber das ist für den gebürtigen Hamburger keine Option. Struffs Spielanlage passt ganz gut gegen jene Zverevs, am Ende war es dann aber doch der Warsteiner, der in der entscheidenden Phase nicht genug Konstanz gezeigt hat.

In München war Zverev im vergangenen Jahr im Halbfinale gegen Dominic Thiem ausgeschieden, diesmal hat er es mit Roberto Bautista Agut zu tun bekommen, der spielerischen Antithese zum Österreicher. Letzterer bearbeitet seine Gegner mit massiven Topspin-Schlägen, der Spanier spielt deutlich flacher. Und nicht schlecht. Zverev kann seinen Plan, die Bälle möglichst früh und aggressiv zu nehmen, dennoch umsetzen. Den Gewinn des ersten Satzes quittiert Zverev nicht mit einem Urschrei, eine selbstbewusste Geste in Richtung Box muss reichen. Zverev ist ruhiger geworden, auch im Jubel.

Vorfreude

Dass er sich im Finale gegen den Qualifikanten Guido Pella selbst nicht in der Außenseiterrolle sieht, ist statistisch zu untermauern: Beim bisher einzigen Treffen in Heilbronn hat sich Zverev im Finale gegen den Argentinier in zwei Sätzen durchgesetzt. Das Siegerfahrzeug ist dem Favoriten im Übrigen nicht entgangen: "Das Auto ist ja auch nicht schlecht."

Das Interesse ist also da, die Fahrerlaubnis abgesichert für Alexander Zverev, ein kleines Detail könnte die Freude am neuen Gefährt womöglich trüben, wie auch schon bei Andy Murray, der 2015 mit demselben Modell prämiert wurde: Wie der Weltranglisten-Erste genießt auch Zverev vertragliche Verpflichtungen mit einem konkurrierenden Automobil-Fabrikanten.

Das ATP-Turnier in München im Überblick

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