Die wundersame Allianz zwischen Novak Djokovic und Andre Agassi

Der Aufbauhelfer

Montag, 22.05.2017 | 14:37 Uhr
Novak Djokovic holt sich Rat in Las Vegas
© getty
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In Paris soll die Zusammenarbeit zwischen Novak Djokovic und Andre Agassi also beginnen. An einem Ort, an dem der US-Amerikaner dereinst ein historisches Comeback vollendete.

Mit Krisen im Leben eines Tennisspielers kennt sich Andre Agassi gut aus. Bevor er 1999 seinen größten und emotionalsten Erfolg feierte, bevor er in einem märchenhaften Comeback zum Sandplatz-König von Roland Garros wurde, war der Sohn der Zockermetropole Las Vegas schon einmal auf den "absoluten Nullpunkt" seiner Karriere abgerutscht. Er stand 1997, wie er selbst später in seiner Autobiographie erklärte, "im totalen Niemandsland", ohne Plan, ohne Perspektive.

"Burger King of Tennis" spottete die Branche damals über Agassi, den Mann, der auf Platz 141 der Weltrangliste abgerutscht war, übergewichtig und untermotiviert. Zwei harte Jahre brauchte der schillernde Superstar, um sein Leben und seine Karriere zu ordnen, bis er dann als French Open-Gewinner wieder vom Tennisgipfel grüßte. Es folgten Agassis beste Jahre, späte Glanzjahre mit Grand Slam-Siegen, fitter und drahtiger als er war bis dahin niemand jenseits der Dreissig gewesen.

Und nun soll er, der legendäre Entertainer und Altmeister, einem helfen, dessen Karriere zuletzt auch immer wieder mit den Schlagworten Krise, French Open und Motivation verbunden war. Novak Djokovic ist dieser Mann, am Montag nach seiner Masters-Niederlage in Rom gegen Alexander Zverev ist er 30 Jahre alt geworden, und nichts wünscht sich Djokovic sehnlicher als so einen Wunderdreh in seiner Laufbahn wie ihn Agassi vor zwei Jahrzehnten hingelegt hat.

Bis zu den French Open des letzten Jahres war Djokovic der alleinbeherrschende Spieler im Herrentennis gewesen, dann holte er sich den letzten noch fehlenden Toptitel, und dann war, schlagartig und jäh, der ganze Djokovic-Zauber weg. Nichts war mehr wie vorher, die Dominanz war weggeblasen, überhaupt die Freude an den Gladiatoren-Zweikämpfen draußen auf dem Centre Court. Erholt hat er sich soweit nicht von allen möglichen Problemen, von fehlender Spiel-Lust, von der jäh über ihn hereingebrochenen Lethargie. Er hat alle, die mithalfen, ihn zum Champion zu formen, verstoßen und in die Wüste geschickt. Jetzt soll Agassi der Retter in der Not werden, wobei sich mancher fragt, was Djokovic am dringendsten braucht: Jemanden, der ihm bei Tennisfragen hilft. Oder jemanden, der sein Leben selbst coacht.

Wie ein Bollwerk

Am Sonntag konnte man noch einmal beobachten, wie die Dinge um Djokovic stehen. Im Endspiel von Rom. Auf der einen Seite stand der junge Deutsche Zverev, ein hungriger Kerl von gerade mal Zwanzig, der Beste aus der nachrückenden Generation. Zverev wirkte wie ein Bollwerk, er ließ keine Zweifel in seinem Spiel zu, er hatte sich selbst und auch sonst alles souverän unter Kontrolle. Er verströmte eine geradezu beängstigende Reife für sein Alter, er war wie ein Stoppschild auf zwei Beinen für alle Ambitionen Djokovics.

Und dieser Djokovic, der Dominator der letzten Jahre, der Titelverteidiger? Er lamentierte über den Wind, über den Platz, er war ein einziges Bild der Disharmonie. Sein Lächeln kehrte erst wieder zurück, als er später Zverev, den neuen Tennis-Kaiser, umarmte und ihm ein "Bravo" ins Ohr hauchte. Zverev, so sagte Djokovic später, sei ein Spieler, "dem alles offensteht im Tennis."

Agassis wunderliche Jahre im Tennis fingen mit einem Sieg bei den French Open an, Djokovics gefühlter Abstieg begann mit einem Sieg unterm Eiffelturm - das ist die paradoxe Ausgangslage für diese neue Allianz. Doch wie intensiv kann und will Agassi überhaupt als Unterstützer des verunsicherten Serben auftreten? In den vergangenen Jahren hatte Agassi sich auf den kleineren und größeren Tennisbühnen genau so rar gemacht wie seine scheue Gemahlin Steffi Graf, das Powerpaar genoss eher das ruhige Familienleben mit den beiden Kindern in Las Vegas.

Dass Agassi dies grundlegend ändern will, ist eher zweifelhaft. Er könnte als sehr gelegentlicher Vor-Ort-Berater auftauchen, zu ausgewählten Höhepunkten der Tour. Und ansonsten am Telefon seine Einschätzungen und Analysen abgeben, so wie schon in den vergangenen Wochen. "Ich habe zuletzt vor jedem Spiel mit Andre telefoniert. Er kann mir auf und neben dem Platz wertvolle Hilfe geben", sagte Djokovic am Sonntag.

Missionar der Liebe

Neben dem Platz? Das allerdings könnte dann kompliziert werden für Agassi. Eben weil Djokovics Leben abseits der Tennisbühnen nichts als das ist - kompliziert. Unberechenbar, verwinkelt. Boris Becker, einst der große Gegenspieler Agassis, scheiterte ja im Herbst 2016 schließlich am sogenannten Umfeld der damaligen Nummer 1. Dem Deutschen war die einflußreichere Rolle des spanischen Gurus Felipe Imaz, eines esoterisch angehauchten Ex-Profis, mehr als suspekt - nach Beckers Eindruck kümmerte sich Djokovic mehr um die Ideen des Frieden-und-Liebe-Missionars als um die Trainingsarbeit.

Doch wie kommt Agassi mit Imaz klar? Und wie würde Djokovic reagieren, wenn ihm Agassi vorschlüge, den Guru aus seiner Entourage zu verbannen? Vorerst ist Agassis Tätigkeit auf die French Open konzentriert, bei denen der Amerikaner sowieso Sponsorentermine für einen Schweizer Uhrenhersteller hat. "Wir werden uns dabei sicher besser kennen lernen. Und dann entscheiden, wie es weitergehen kann", sagt Djokovic.

Djokovic und Zverev, die Hauptdarsteller des römischen Finals, werden auch die Pariser Dramaturgie mitbestimmen - in jedem Fall im Countdown zu diesem Gigantentreffen der Branche auf Sand. Zverev ist zum Zukunftsgesicht des Herrentennis geworden, das ist verständlich, wenn man seine Leistung schwarz auf weiß mit den anderen Größen vergleicht.

In Rom war er der jüngste Masters-Sieger seit Nadal im Jahr 2006, und überhaupt war er auch der jüngste Masters-Sieger seit Djokovics Sieg in Miami 2007. Nadal, Djokovic - den frühen Siegen folgten große Karrieren. Zverev hat noch fast alles vor sich, Djokovic, sein unterlegener Gegner, dagegen schon vieles hinter sich. "Ich wäre aber mehr als froh, wenn ich mal halb so viel erreichen würde wie er", sagte Zverev am Sonntag. Ein weiser Ein-Spruch, auch gegen die jetzt hereinbrechende allgemeine Euphoriewelle.

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