Tennis

Goran-Märchen und Connors-Show

Goran Ivanisevic
© getty

Mit einer Wildcard im Tennis kann man die irrwitzigsten Dinge anstellen, zum Beispiel Wimbledon gewinnen oder mit 39 Jahren das US-Open-Halbfinale erreichen. Hier sind die zehn denkwürdigsten Wildcard-Momente.

Platz 10: Denis Istomin bei den Australian Open 2017

Denis Istomin bekam seine Wildcard für die Australian Open 2017 nicht geschenkt, sondern musste sie sich verdienen. Der Usbeke gewann die Asien-Pazifik-Vorausentscheidung und erspielte sich so seinen direkten Hauptfeldplatz. In Melbourne traf Istomin in der zweiten Runde auf den sechsmaligen Australian-Open-Sieger Novak Djokovic und spielte das Match seines Lebens. Istomin scheiterte schließlich im Achtelfinale nach starkem Beginn an Grigor Dimitrov.

Platz 9: Juan Martin del Potro bei den US Open 2016

Als ehemaliger US-Open-Sieger war es zu erwarten, dass Juan Martin del Potro eine Wildcard für die US Open 2016 bekommen würde - erst recht nach dem Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Der Argentinier rechtfertigte seine Wildcard und spielte sich ohne Satzverlust ins Viertelfinale vor. Dort verlor er jedoch gegen den späteren Sieger Stan Wawrinka. Kurz vor dem Ausscheiden fließen bei del Potro Tränen der Rührung, da ihm das New Yorker Publikum lautstark unterstützte.

Platz 8: Jie Zheng in Wimbledon 2008

Na Li ist die bislang einzige Grand-Slam-Einzelsiegerin aus China. Beinahe wäre ihr Jie Zheng zuvorgekommen. Beim Wimbledonturnier 2008 spielte die Chinesin kurz vor ihrem 25. Geburtstag das Turnier ihres Lebens. Zheng war wegen Verletzungen in der Weltrangliste weit zurückgefallen und bekam von den Veranstaltern eine Wildcard. Und diese nutzte sie vollkommen aus. In Runde drei nahm sie die damalige Weltranglisten-Erste Ana Ivanovic aus dem Turnier. Zhengs Reise ging sogar bis ins Halbfinale, wo sie Serena Williams ordentlich Gegenwehr bot.

Platz 7: Henri Leconte bei den French Open 1992

Henri Leconte ist bei jedem Turnier ein gern gesehener Gast als Spaßmacher. Bei seinen Landsleuten hatte der Franzose aber lange Zeit einen schweren Stand. "Der geniale Clown" ließ die Ernsthaftigkeit an seinem Beruf vermissen, so der Vorwurf einiger Franzosen. Als Leconte das Finale der French Open 1988 gegen Mats Wilander klar verlor, wurde er sogar bei der Siegerzeremonie ausgebuht. Mit dem sensationellen Davis-Cup-Gewinn 1991 schloss er Frieden mit dem Publikum. Bei den French Open 1992 brauchte Leconte, wegen Verletzung und schwacher Resultate auf Platz 200 zurückgefallen, eine Wildcard. Der Linkshänder zeigte sein geniales Talent, fegte in der dritten Runde Michael Stich vom Platz und schaffte den Einzug ins Halbfinale. Dort war jedoch Petr Korda zu stark.

Platz 6: Jonathan Marray und Frederik Nielsen in Wimbledon 2012

Der Brite Jonathan Marray bekam 2012 eine Wildcard für die Doppelkonkurrenz in Wimbledon. Er suchte sich den Dänen Frederik Nielsen als Partner aus, dessen Vater in Wimbledon zweimal das Finale erreicht hatte. Marray und Nielsen legten ein Wimbledonmärchen hin, das aber bereits zu Beginn auf der Kippe stand. In der ersten Runde lagen sie im fünften Satz mit 3:4, 15:40 zurück. Beim zweiten Breakball spielte Nielsen laut eigenen Angaben den besten Volley des Turniers. Im Halbfinale nahmen die beiden die Bryan-Brüder aus dem Turnier, und im Finale krönten die beiden ihren Lauf mit dem Sieg im Regenkrimi gegen Robert Lindstedt und Horia Tecau. Marray wurde der erste britische Doppelsieger nach 76 Jahren. Wie Nielsen die verrückten Tage in Wimbledon erlebt hat, könnt ihr hier nachlesen!

Platz 5: Lleyton Hewitt beim ATP-Turnier in Adelaide 1998

16 Jahre und 10 Monate war Lleyton Hewitt alt, als er eine Wildcard für das ATP-Turnier in seiner Heimatstadt Adelaide bekam und sein erstes ATP-Event spielte. Der Australier stieg wie Phönix aus der Asche und gewann tatsächlich als Nummer 550 der Welt den Titel. Er ist bis heute der am niedrigsten platzierte Spieler, der ein ATP-Turnier gewinnen konnte. Mit einem Finalsieg gegen Landsmann Jason Stoltenberg vollendete Hewitt den Coup. Ganz besonders war auch sein Halbfinalsieg gegen Andre Agassi.

Platz 4: Justine Henin bei den Australian Open 2010

Wenige Tage vor den French Open 2008 gab Justine Henin völlig überraschend ihren sofortigen Rücktritt vom Tennissport bekannt - und das als unangefochtene Nummer eins. Mit Beginn der Saison 2010 kehrte die zierliche Belgierin jedoch zurück und legte ein Fabelcomeback hin. Der Finalteilnahme in Brisbane folgte ihr Auftritt bei den Australian Open. Henin spielte sich mit ihrer Wildcard erneut bis ins Finale vor. Für den achten Grand-Slam-Titel reichte es allerdings nicht. Henin verlor das Endspiel gegen Serena Williams in drei Sätzen. Ein Jahr später verkündete Henin nach ihrer Drittrrunden-Niederlage bei den Australian Open ihr endgültiges Karriereende wegen einer Ellbogenverletzung.

Platz 3: Kim Clijsters bei den US Open 2009

Kim Cljisters gab im Sommer 2009 nach über zweijähriger Babypause ihr Comeback. Die Belgierin spielte bei den US Open ihr drittes Turnier und zeigte, das sie nichts verlernt hatte. Auf dem Weg ins Halbfinale schaltete sie Marion Bartoli, Venus Williams und Na Li aus. Im Spiel um den Einzug ins Finale kam es zum denkwürdigen Match gegen Serena Williams, das mit dem berühmten Ausraster von Williams und einem Punktabzug endete. Clijsters schloss ihr Wildcard-Comebackmärchen mit dem Finalsieg gegen Caroline Wozniacki ab und strahlte mit Tochter Jada bei der Siegerehrung um die Wette. Zum ersten und bislang einzigen Mal konnte eine Spielerin mit einer Wildcard ein Grand-Slam-Turnier gewinnen.

Platz 2: Jimmy Connors bei den US Open 1991

Er kam, spielte, brüllte, jubelte und siegte - und das im Alter von 39 Jahren. Der sensationelle Lauf von Jimmy Connors bei den US Open 1991 ist eine der denkwürdigsten Geschichten, die der Tennissport geschrieben hat. Der US-Amerikaner reiste als Nummer 174 der Welt nach New York und bekam als mehrfacher US-Open-Sieger selbstverständlich eine Wildcard. Connors gab dem Begriff "zeitlos" eine neue Definition, hauchte dem Tennissport neue Energie ein und fesselte auch Millionen von Tennislaien an den Fernseher. In der ersten Runde schaffte er gegen Patrick McEnroe eine der besten Aufholjagden der Tennisgeschichte, als er das Match nach 4:6, 6:7 (4), 0:3 und 0:40 noch drehte. Im Achtelfinale, an seinem 39. Geburtstag, kam es zur epischen Schlacht gegen Aaron Krickstein, die er nach 4:41 Stunden und mehreren Schimpftiraden erfolgreich beendete. Im Viertelfinale gegen Paul Haarhuis drehten die Zuschauer komplett durch, als Connors mit dem vielleicht besten Ballwechsel der US-Open-Geschichte die Wende einleitete. Die große Show endete schließlich im Halbfinale, wo er gegen Landsmann Jim Courier chancenlos war. "Dieses Turnier hat mir die elf erinnerungswürdigsten Tage meiner Karriere gegeben. Besser als meine Titel", kommentiert er später sein Abschneiden.

Die ganze Geschichte zu den legendären Connors-Festspielen gibt es hier zum Nachlesen!

Platz 1: Goran Ivanisevic in Wimbledon 2001

So etwas hatte die Tenniswelt noch nie gesehen. Goran Ivanisevic gewann 2001 als erster Spieler überhaupt ein Grand-Slam-Turnier mit einer Wildcard, und das auch noch in Wimbledon. Der Kroate erfüllte sich den so sehnsüchtigen Wunsch nach dem Triumph auf dem "Heiligen Rasen". Als Nummer 125 der Welt reiste Ivanisevic mit einer Wildcard im Gepäck nach Wimbledon. Mit Erfolgen über Grand-Slam-Sieger und Weltranglisten-Erste wie Carlos Moya und Marat Safin und Siegen über die starken Rasenspieler Andy Roddick und Greg Rusedski erreichte er das Halbfinale. Dort setzte er sich in einer Regenschlacht gegen Tim Henman durch. Im Finale, am "People's Monday", wartete Patrick Rafter und die elektrisierendste Stimmung, die der Centre Court in Wimbledon je erlebt hat. Ivanisevic gewann in fünf Sätzen mit einem epischen letzten Aufschlagspiel als Schlussakkord. Ivanisevic ließ daraufhin seinen Gefühlen freien Lauf. "Ich war immer der Zweite. Die Leute haben mich respektiert, aber der zweite Platz ist nicht gut genug. Ich bin jetzt Wimbledonsieger. Was auch immer ich tue in meinem Leben, ich bleibe Wimbledonsieger. Das waren 15 magische Tage. Die besten 15 Tage in meinem Leben."

Die ganze Geschichte zum Wimbledon-Märchen von Goran Ivanisevic gibt es hier zum Nachlesen!

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